Lesereise durch Zeit und Raum

+
„Eruptionen“: Maren Olbrich und Franz Krauß lesen im Foyer des Stadttheaters.

Landsberg – Bereits zum Stadtgeburtstag vor zwei Jahren hatte die landsberger bühne mit einer Lesereihe das Landsberger Publikum begeistert. Damals ging es um Texte, die einen Bezug zur Stadt und Stadtgeschichte hatten. Am Wochenende befassten sich die Lesenden mit dem künstlerischen Um- und Aufbruch in der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg, der Zeit Hubert von Herkomers.

Zwar ging es nicht primär um den Malerfürsten, doch in der zweiten Lesung des Tages, die, natürlich, im Herkomersaal des Rathauses stattfand, lasen Sonja Romeike und Sepp Wörsching Texte aus Herkomers Feder, ließen ihn quasi selbst von seiner Schulzeit, seiner ersten Bayernreise erzählen, vom Gasthof in Garmisch, in dem die Familie abgestiegen war, und schließlich vom Bau des Mutterturms. 

Als Zwischenspiel dienten Gedichte Christian Morgensterns, der, genau wie der Maler, 1914 gestorben ist. Bereits vorher hatten Sabine Kittel und Mike Bischof die „Lesereise“ im Rosarium eröffnet. Unter dem Titel „Zerschleuderung“ beleuchteten sie die Neuorientierung und Neuschaffung von Kunst und Kultur. Im perfekten Wechselspiel erzählten sie von drei der interessantesten Bekanntschaften (oder mehr…) dieser Zeit: Gottfried Benn und Else Lasker-Schüler, Franz Marc und Wassiliy Kandinsky und die Entstehung des „Blauen Reiters“ und der geheimnisumwitterten Beziehung zwischen Coco Chanel und Igor Strawinsky nach der skandalträchtigen Uraufführung seines „Le sacre du printemps“. 

Unter der Überschrift „Dekadenz und Dichterfürst“ lasen Sigrid Knollmüller und Christian Karlstetter im Stadtmuseum aus der Novelle „L‘ Arrabiata“ (1853) Paul Heyses, dessen Todesjahr ebenfalls 100 Jahre zurückliegt, einige „Galgenlieder“ Morgensterns und Auszüge aus Thomas Manns „Wälsungenblut“ (1906) als Beispiele für den Umgang der Dichter mit der Gesellschaft. „Paul Heyse schreibt für die Gesellschaft, Mann über sie und Morgenstern macht sich über sie lustig“, erklärte Sigrid Knollmüller. Ein Genuss für die Zuhörer.

Den Abschluss machten Maren Olbrich und Franz Krauß im Foyer des Stadttheaters. Formlos auf der Treppe sitzend, entspann sich ein amüsant- informativer, manchmal schockierender Dialog (selbst wenn man weiß, dass Gottfried Benn Pathologe war) über Texte von Gottfried Benn, Rainer Maria Rilke, Georg Trakl, Kurt Tucholsky und Karl Valentin. Dazu kleine Anekdoten, inspiriert von Florian Illies „1913 – Der Sommer des Jahrhunderts“. 

Als Bonbon zum Schluss gab Franz Krauß eine wunderbare Darbietung des „Aquariums“ von Karl Valentin zum Besten. Ein langer Tag voller Literatur, voll interessanter Aspekte, der dazu beigetragen hat, die Kunst des beginnenden 20. Jahrhunderts nochmals mit anderen Augen zu betrachten und den ein oder anderen Autor mal wieder aus dem Regal zu nehmen.

Patricia Eckstein

Meistgelesene Artikel

Alarmstimmung bei der Feuerwehr

Kaufering – Die Freiwillige Feuerwehr der Marktgemeinde hat Nachwuchssorgen. Das war eines der brennenden Themen auf der diesjährigen …
Alarmstimmung bei der Feuerwehr

Gewinnspiel: Tschiller und die Keinohrhasen

Landsberg – Er ist zweifellos der vielseitigste aber auch streitbarste Schauspieler und Filmemacher Deutschlands: Til Schweiger. Mit rund 50 …
Gewinnspiel: Tschiller und die Keinohrhasen

Breitband, Straßen, Seeanlagen

Dießen – Kaum Anlass zu Rückfragen und Diskussionen hat der Haushaltsplan 2017 gegeben, den Kämmerer Max Steigenberger am Montag erneut im …
Breitband, Straßen, Seeanlagen

Kommentare