Geothermie geht alle Uttinger an

Im Stil einer Landwirtschaft plant die GEOenergie Bayern GmbH jetzt das Betriebsgebäude für die Geothermie-Kraftwerkes in Utting. Skizze: GEOenergie

Geothermie in Utting, ja oder nein? Darüber werden, wenn es nach Rathauschef Josef Lutzenberger geht, die Bürger entscheiden. Im Rahmen einer offenen Diskussionsrunde mit Experten, Firmenvertretern und Bürgern, die am Montag im ASC-Seglerheim stattfand, umriss der Bürgermeister das weitere Vorgehen.

Nach Klärung aller offenen Fragen, nach Bürgerinfo-Veranstaltungen und Rechtsberatung soll der Gemeinderat sich positionieren und dann per Ratsbegehren einen Bürgerentscheid herbeiführen. Die Entscheidung über das Geothermie-Kraftwerk beim Reichhof könnten nur alle Uttinger gemeinsam treffen, so Lutzenberger. Neben dem Bürgermeister saßen Claus Kumutat, Präsident des Bayerischen Landesamtes für Umweltschutz, Bernhard Gubo, Geschäftsführer der Geoenergie Bayern GmbH, Prof. Wolfgang Mauch, Geschäftsführer der Forschungsstelle für Energiewirtschaft, und Reinhard Mack als Vertreter der Bürgerschaft auf dem Podium. Moderiert wurde die Gesprächs­- runde vom Landtagsabgeordneten Thomas Goppel. Der mit rund 120 Besuchern überfüllte Gastraum im Seglerheim sprach Bände: Das Thema weckt Interesse, aber auch Ängste und viele kritische Fragen. Der Uttinger Peter Bauer verglich die Bürger mit Indianern, „die kuschen müssen, wenn die Goldsucher kommen“. Der Wirkungsgrad der Anlage sei gering, die Lärmentwicklung erheblich und die Gewinne für den Betreiber Geoenergie Bayern gewaltig. Da­hinter stecke eine Londoner Investmentgesellschaft, „eine vollkommen unbekannte Chimäre“. Interessant für die Betreiber sei einzig und allein die Stromerzeugung mit ihren gesetzlich garantierten Preisen, eine Fernwärmeversorgung für den Ort werde allein wegen der aufwendigen Leitungsverlegung viel zu teuer. Gubo als Geschäftsführer der Geoenergie Bayern beschrieb die Anlage als Fläche in der Größe eines Fußballfeldes mit einem Maschinenhaus, Wärmetauschern und Trockenkühlan­lagen. Das vorhandene Reservoir an heißem Wasser reiche für Generationen. Die Lärmentwicklung bleibe selbst für den nächstgelegenen Anwohner um sechs Dezibel unter den Grenzwerten. Eine Habitatanalyse habe in der Umgebung keine geschützte Flora und Fauna festgestellt. Dem widersprach eine Bürgerin. Direkt neben dem geplanten Standort habe sich „ein kleines, sehr feines Biotop mit sehr schützenswerten Arten“ entwickelt, das noch nicht kartiert sei. Sollte sich dies als zutreffend herausstellen, könnte der Standort damit vom Tisch sein, erklärte daraufhin Gubo. Claudius Casagrande wollte wissen, wie lange das Kraftwerk voraussichtlich laufen werde. „Der Boden und das Wasser werden sich abkühlen. Was, wenn die Fernwärme nach 40 Jahren erschöpft ist?“ Von einer Abkühlung sei nur die Stromerzeugung betroffen, so Gubo. Die Energiequelle für die Wärmeversorgung könne ja ersetzt werden. Weitere Bürgerfragen drehten sich um Lärm während der Bohrungen und der Bauphase, Folge- und Instandhaltungskosten der Anlage sowie mögliche Verwerfungen des Untergrunds und daraus folgende Schäden an umliegenden Gebäuden bis hin zu befürchteten Erdbeben. Auch wurden Bedenken hinsichtlich der nahegelegenen Grundwasserbrunnen geäußert. Primär positiv Ein Teilnehmer mahnte, nicht grundsätzlich gegen alles zu sein und sich bei aller Skepsis auch die Alternativen vor Augen zu führen. „Windkraft und Biomasse wären in Utting wohl auch problematisch.“ Ekkehart Hettler forderte die Uttinger auf, „primär positiv“ an die Geothermie heranzugehen. Gebraucht werde eine langfristige Lösung. „König Ludwigs Schlösser wären bei einem Bürgerentscheid auch durchgefallen, haben aber heute eine positiven Effekt auf die bayerische Wirtschaft.“ Bürgermeister Lutzenberger wies darauf hin, dass am 17. November die Gutachten zu Lautstärke und Erschütterungen im Gemeinderat vorgestellt werden. In der Folgezeit soll es dazu eine Informationsveranstaltung für die Bürger geben.

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