Der "Oldie" an der Deutschen Oper

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Als Sommerfrischler in Denklingen, hier im Garten seines Bruders Heinz: der Musiker Gerhard Greif.

Denklingen/Berlin – Der Profi-Musiker steht zu seinem Alter: Mit fast 65 Jahren sei er der Oldie im 120-köpfigen Orchester an der Deutschen Oper in Berlin, bekennt Gerhard Greif. Ende August blickt er auf das 40-jährige Dienstjubiläum in diesem Theater zurück. 30 Jahre war der gebürtige Denklinger gar Solotrompeter. Zum Jahresende wird er seine Laufbahn als Profi-Musiker beenden und die Stelle für einen Jüngeren frei machen, erklärte er, als er in den Ferien für ein paar Tage in Denklingen weilte.

Doch auch im (Un-)Ruhestand möchte Greif Musik machen. Dann aber bevorzugt auf der Steirischen, für die er vor fünf Jahren seine Leidenschaft entdeckt hat, als seine Familie in Südtirol im Urlaub weilte und auf einer Hütte ein Bub dieses Instrument spielte. Der in Denklingen aufgewachsene Profimusiker war so fasziniert, dass er sich in Österreich eine gebrauchte Steirische gekauft hat. 

Inzwischen hat er mehrere Stücke für dieses Instrument geschrieben, mit dem sich nur bestimmte Tonarten spielen lassen. Zusammen mit einigen anderen Musikerkollegen kann er in einer kleinen Gruppe in der Besetzung Klarinette, Bariton, Tenorhorn und Steirische beziehungsweise Trompete oder Gesang „den Berlinern bayerische Musik nahebringen“ schildert der schlanke Mann mit den lockigen Haaren und der markanten Brille. Die vierköpfige Gruppe sei schon auf einem Polka-Festival in Cottbus aufgetreten und habe Stücke von Bach bis zum bayerischen Jodler dargeboten. „Das will ich intensivieren“, blickt der Musiker auf seine Zeit nach dem Engagement an der Deutschen Oper voraus. 

Gerhard Greif wohnt in einem Haus im Norden von Berlin. Mit seiner Frau, die aus Hannover stammt, hat er drei erwachsene Söhne. Sie sind 29, 28 und 23 Jahre. „Der Jüngste macht Rockmusik“, erzählt der Profimusiker, der auch zehn Jahre in einer Bigband spielte, die zusätzlich acht Auftritte pro Jahr absolvierte. 

Kinderreich 

Aufgewachsen ist Gerhard Greif in einer kinderreichen Familie in Denklingen, wo er jedes Jahr meist für eine Woche zur Sommerfrische weilt und für ein paar Tage bei seinem Bruder Josef wohnt. Es sind sieben Geschwister, eines ist verstorben. Gerhard war der zweitjüngste. Zusammen mit seinem Bruder Josef, der in Epfach bei der Tanzlmusi dabei ist und auch in einer Tanzband mitwirkt, hatte er Flügelhorn bzw. Trompete erlernt. Sein Lehrer war damals Anselm Holzhey, führender Mann des Allgäu-Schwäbischen Musikbundes. Gefordert und gefördert wurde das Talent von den Eltern Maria und Wenzel Greif, aber auch vom früheren Dirigenten Georg Linder. 

Der Wunsch, Berufsmusiker zu werden, reifte bei dem ehrgeizigen Buben schon im Alter von zehn bis zwölf Jahren. Nach der Schulzeit folgte das Studium an der Hochschule für Musik in München. Sein erstes Engagement hatte er als Solotrompeter bei den Münchner Philharmonikern, danach an der Frankfurter Oper und im Radiosinfonieorchester Stuttgart. Seit 1975 ist er an der Deutschen Oper im Westen von Berlin. In der Hauptstadt gibt es sieben große Orchester, unter anderem an den drei Opernhäusern und in zwei Rundfunkanstalten. 

Die Deutsche Oper in Berlin, deren Träger das Berlin als eigenes Bundesland ist, gehört zu den großen Theaterstätten. Das Haus fasst 2000 Besucher. Waren es früher bis zu einem Dutzend Premieren pro Jahr, so sind es in den letzten Jahren noch sechs bis sieben. Gerhard Greif kann sich noch an einen Monat erinnern, als 21 verschiedene Opern auf dem Spielplan standen. Im Jahr sind es bis zu 200 Aufführungen. Das Orchester besteht aus 121 Instrumentalisten, die sich teils abwechseln. Wenn aber „Aida“ von Verdi gegeben wird, sitzen sogar 15 Trompeter im Orchestergraben. 

Am liebsten Bruckner 

Greif hat seine Lieblingskomponisten. Er nennt Bruckner, Richard Strauß und Mahler. Vor allem die Choräle Bruckners seien „eine Offenbarung“, gesteht der 65-Jährige. Moderne Literatur empfindet er auf der Trompete teils als schwierig. Noch einmal wird er heuer schon in den Ferien – das Instrument hat er auch in Denklingen dabei – Muskulatur aufbauen. Am Mund. Wieder zu Hause in Berlin, steigert er das Übungspensum. Ohne es jedoch zu überdehnen. „Trompeter müssen mit der Kraft haushalten“, bekundet er mit einem verschmitzten Lächeln. 

Noch bis zum Jahresende wird er der Oldie im Orchester sein. Er freut sich auf die „Aida“-Aufführungen im November und Dezember genauso wie auf die Oper „Die Afrikanerin von Giacomo Mayerbeer. Ende des Jahres macht der Berufsmusiker, der in früheren Jahren auch mit dem Bläserquintett „Berlin Brass“ in Landsberg und Denklingen aufgetreten war, den großen Schritt vom Beruf in den Ruhestand. Dann möchte er sein bisheriges Hobby, die Steirische, intensivieren. 

Wer weiß, ob Gerhard Greif zusammen mit anderen Musiker-Haudegen aus Berlin nicht mal in Denklingen oder Landsberg anstatt mit klassischer mit typisch bayerischer Musik aufwartet!

Johannes Jais

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