Geschenke für 480 Fenster

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Heide Winter-Lehming, St. Ottilien – Noch einmal 70 Jahre, das wünschen ihm manche, und dabei ganz derselbe bleiben. Abtprimas Notker Wolf, Missionsbenediktiner und einstiger Erzabt von St. Ottilien, feiert am 21. Juni seinen 70. Geburtstag. Aber da wird er in Rom sein, seinem jetzigen Wohnsitz. In seinem Heimatkloster St. Ottilien soll der Sekt am folgenden Wochenende kalt gestellt werden. Zu einem Pontifikalgottesdienst und einem Empfang auf dem Kirchplatz werden am Samstag zahlreiche Gäste erwartet. Die wichtigsten Stationen seines Lebens sind längst bekannt. Die Geschichte von dem Jungen, der, schon früh von den frommen Damen der Gemeinde ausersehen Priester zu werden, auf dem Dachboden ein Heft der „Katholischen Missionen“ fand und darin einen Bericht über das Leben des Missionars Pierre Chanel. „Christus braucht dich“, las Werner Wolf daraus, begann von der Südsee zu träumen und landete ein paar Kilometer weiter östlich seiner Heimatstadt Bad Grö­nen­­bach im Gymnasium der Missionsbenediktiner am Ammersee. Nach dem Abitur 1961 trat er als Mönch in St. Ottilien ein, begann ein Studium der Theologie und der Philosophie zuerst in Rom, dann weiter in München, mit Ausflügen in die Zoologie, die Chemie und die Geschichte der Astronomie, und wurde 1968 zum Priester geweiht. 1970 wechselte er wieder an die benediktinische Hoch­schule Sant’Anselmo in Rom als Professor für Naturphilosophie und Wissenschaftstheorie. Aber Bayern holte ihn sich wieder zurück, indem die Gemeinschaft von St. Ottilien Pater Notker 1977 zu ihrem Erzabt wählt. Schließlich war ihnen ihr Erzabt Viktor Josef Dammertz gerade nach Rom abhanden gekommen – als Abtprimas der Benediktiner. Dieser 37 Jahre junge Erzabt Notker, der zugleich Abtpräses der gesamten Kongregation wurde und sich um 20 Klöster weltweit zu kümmern hatte, war schon etwas Außergewöhnliches. Dass ihm das Kümmern lag, das Reisen, das Präsenz zeigen, sollte er gute 20 Jahre später in etwas erweiterter Form wieder unter Beweis stellen dürfen. Im Jahr 2000 holte ihn die alle vier Jahre tagende Versammlung aller benediktinischen Äbte erneut nach Rom, als Abtprimas, als höchster Repräsentant des Ordens. Nun fliegt er seit zehn Jahren um die Welt, hat Krankenhäuser in Nordostchina und Nordkorea geholfen aufzubauen, gibt den amerikanischen Klöstern Zuspruch in schwieriger Wetterlage und den ausblutenden Gemeinschaften in Europa Trost und Perspektiven. Er schreibt unermüdlich Bücher, taucht in fast allen Talkshows auf, um die Gier der Spekulanten anzuklagen oder die Rigorosität der Manager. Was um alles in der Welt macht ein Mönch mit so viel eingespieltem Geld? Notker Wolf hat einen Traum. Wenn er in gut zwei Jahren als Abtprimas abge­löst werden wird, will er sein Haus, sprich das Kloster und die Hochschule Sant’Anselmo, „bestellt“ haben. Er will den Hauptsitz der Benediktiner grundsaniert sehen. Darum hat er sich auch als Geburtstagsgeschenk von seinen Gästen die Finanzierung von 480 neuen Fenstern gewünscht. Das ist ein Millio­nen­betrag und deshalb müssen es nicht alle auf einmal sein.

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