Denkmalpflegepreis in Gold

"Der Preis ist Anerkenntnis und Impuls"

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Die Konservierung der Tonröhrenbunker (Foto, vor der Maßnahme) im KZ-Außenlager Kaufering VII  ist mit dem Bayerischen Denkmalpreis in Gold gewürdigt worden.

Landsberg – Die Arbeit der „Europäische Holocaustgedenkstätte Stiftung“ ist mit dem Bayerischen Denkmalpflegepreis in Gold ausgezeichnet worden. Anlass der Ehrung, die alle zwei Jahre von der Ingenieurekammer-Bau und dem Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege vergeben wird, ist die von der Stiftung initiierte Konservierung der Tonröhrenbauten im KZ-Außenlager Kaufering VII. Der KREISBOTE hat Deiler am Tag nach der Verleihung des Preises in Schloss Schleißheim befragt.

Herr Deiler, wem außer Ihnen hat Landsberg diesen Preis zu verdanken?

Deiler: „Einem ganzen Team. Allen voran nenne ich das Landesamt für Denkmalpflege, das in den vergangenen sechs Jahren ungeahnte Unterstützung geleistet hat. Hinzu kommt die Leistung des Architekten, der Ingenieure und des Restaurators – hätten wir erste Entwürfe verwirklicht, hätten wir zwar die Tonröhren erhalten, aber sicher keinen Preis bekommen.“

Wer waren die aktivsten Mitstreiter hier in Landsberg?

Deiler: „Vincenzo Minutillo aus Kaufering und Wolfgang Bechtel aus Herrsching, nicht zuletzt aber auch meine Frau, die das Kuratorium leitet. Ohne deren Standhaftigkeit, auch gegenüber abweichenden Vorstellungen aus eigenen Reihen, wäre das Projekt gescheitert.“

Was ist eigentlich Konservierung?

Deiler: „Wir haben den vorgefundenen Zustand für die Zukunft erhalten, aber nicht den Ursprungszustand wiederhergestellt. Ziel ist, dass die nächste Generation eine Chance hat, die Geschichte vor der eigenen Haustür erlebbar zu machen.“

Und die jetzige Generation?

Deiler: „Die Relikte des Lagers VII, darunter die Tonröhrenbauten, sind das Kernmodul für das Dokumentationszentrum, das sich die Stiftung wünscht. Schon 2012 waren alle zuständigen Institutionen des Freistaats der Auffassung, dass es ein Gebäude braucht mit geregelten Öffnungszeiten, einem Archiv, einem Schulungsraum, Sonderausstellungen, WCs. Dann kann man Schüler, Studenten und Besucher, auch Angehörige der Opfer, sachgerecht betreuen.“

Wie weit sind diese Planungen?

Deiler: „Voraussichtlich im Oktober findet die Abschlussbesprechung der inzwischen fertiggestellten Machbarkeitsstudie über die künftige Dokumentation der Außenlager statt. Dann kommt es auf eine breite Unterstützung der Vorschläge an. Darum bemühen sich beispielsweise derzeit die Landsberger Landtagsabgeordneten in einer gemeinsamen Initiative.“

Was bedeutet der Preis für Sie?

Deiler: „Es ist die Anerkenntnis, dass wir doch alles richtig gemacht haben. Er vermittelt das gute Gefühl, dass sich weiteres Engagement lohnt. Für uns ist diese Auszeichnung ein Impuls.“

Werner Lauff

Bei der Preisverleihung in Schloss Schleißheim (von links): Heinrich Schroeter (Ingenieurekammer), Oberbürgermeister Mathias Neuner, Stiftungspräsident Manfred Deiler, Ex-Oberbürgermeister Franz Xaver Rößle, Jörg Rehm (Ingenieurbüro Barthel&Maus), Architekt Franz Hölzl und Restaurator Thomas Salveter.

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