150000 Euro und kein Gold

"Goldjunge" muss in den Knast

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Für zwei Jahre und acht Monate muss ein 64-jähriger "Goldjunge" aus München ins Gefängnis.

Landsberg – Er hat drei Geschädigte um viel Geld gebracht und muss dafür hinter Gitter. So das Resultat einer Verhandlung vor dem Schöffengericht Landsberg gegen einen 64-jährigen Münchner. Der vielfach vorbestrafte Mann hatte sich von einer 81-jährigen Witwe, einem Augsburger (27) und einer 60-Jährigen aus Landsberg insgesamt 140000 Euro geben lassen, um damit Gold zu kaufen. Dieses wollte er dann gewinnbringend weiterveräußern. Angeblich wurde er dabei selbst gelinkt – das Geld ist jedenfalls weg und der Münchner schuldig der Untreue.

Der 64-Jährige erzählte den Opfern von einem Geschäftspartner, den er übers Internet kennengelernt habe. Dieser biete an, Gold für zehn Prozent über dem Marktpreis anzukaufen. Warum? Das wollte keiner der Geschädigten so genau wissen, auch der Angeklagte nicht. Es sei wohl um Geldwäsche gegangen, vermutete er.

Einer gebrechlichen 81-jährigen Nachbarin schwatzte der Angeklagte 45000 Euro ab, dem jungen Augsburger sogar 75000 Euro – das gesamte Vermögen des Mannes, der dabei war, sich eine Existenz aufzubauen. Im März vergangenen Jahres kaufte der Münchner dann für knapp 100000 Euro Gold und fuhr damit zu einem Treffen mit dem angeblichen Geschäftspartner an den Comer See. Er habe dem Mann das Gold übergeben und dieser sei ohne Gegenleistung damit verschwunden, behauptete der Angeklagte vor Gericht.

Mit Mann und Gold

Trotzdem startete er ein weiteres Geschäft. Er suchte Kontakt zu der 60-jährigen Lands- bergerin, die selbst im Goldhandel arbeitet, und köderte auch sie mit der Aussicht auf einen schnellen Gewinn. Die Frau lieh sich 20000 Euro, kaufte davon 500 Gramm des Edelmetalls und fuhr den Angeklagten nach Bergamo. Zur Gold-Übergabe an den Abnehmer durfte sie allerdings nicht mitkommen. Der Mann wolle nur jemanden treffen, den er kenne, behauptete der Münchner.

Diesmal kehrte er mit einem schwarzen Stoffbeutel zurück, darin angeblich 150000 Euro. Den Beutel wollte der Angeklagte auf der Straße entgegen genommen haben – ohne hineinzusehen oder das Geld zu zählen. „Es lauerten dort zwielichtige Gestalten herum“, behauptete er. „Darum habe ich den Beutel nicht aufgemacht.“ Man fuhr zurück nach Deutschland, wo er der Frau ein Bündel Geldscheine übergab. Inzwischen war es dunkel geworden. So merkte sie erst am nächsten Tag, dass es sich um Spielgeld handelte.

Auch dem Augsburger versuchte er die wertlosen Scheine anzudrehen. Der merkte allerdings sofort, was Sache war. „Ich wäre ihm am liebsten an die Gurgel gegangen“, sagte der 27-Jährige im Zeugenstand. „Er hat mich ruiniert.“ Dass er auf den Münchner hereingefallen war, habe an dessen reifem Alter und seinem vertrauenswürdigen Auftreten gelegen. „Er war sehr fürsorglich, die Chemie stimmte.“ Von den sage und schreibe 30 Vorstrafen des gelernten Waffenschmieds ahnte niemand was.

Ob der italienische Geschäftspartner überhaupt existierte oder eine Erfindung des 64-Jährigen war, ließ sich vor Gericht nicht klären. Der Vorwurf der gewerbsmäßigen Untreue hielt jedoch in jedem Fall Stand. Der Angeklagte habe das Vertrauen der Geschädigten missbraucht und sei mit ihrem Geld nicht so sorgsam umgegangen, wie er es hätte tun müssen, so die Vorsitzende Richterin Sabine Grub. Er habe das Gold ohne Gegenleistung oder Sicherheit aus der Hand gegeben, habe trotzdem noch eine weitere Kundin akquiriert und später die angeblichen 150000 Euro nicht überprüft. Auch hatte er den Geschädigten gegenüber behauptet, schon viele erfolgreiche Geschäfte mit dem Italiener gemacht zu haben, was nicht stimmte.

Umsonst versuchte Verteidiger Ekkehard Dehn, den Angeklagten als Opfer darzustellen. Er sei, ebenso wie die Zeugen, „arg gutgläubig“ gewesen und deshalb freizusprechen. Das Gericht fällte jedoch einen Schuldspruch und blieb mit zwei Jahren und acht Monaten Haft nur knapp unter dem Antrag von Staatsanwalt Christian Engelsberger, der den Münchner gern für drei Jahre hinter Gittern gesehen hätte. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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