Dem Gifttod nur knapp entgangen

Fröhlich springt Sira auf der Veranda herum, schnappt sich einen Socken vom Wäscheständer, will spielen. Niemand würde vermuten, dass die siebenjährige Labradorhündin gerade erst eine lebensbedrohliche Vergiftung überstanden hat. Auf einem Spaziergang am nördlichen Ortsrand von Geltendorf verschluckte Sira einen Köder, der mit E 605 versetzt war. Nur weil ihre Besitzer innerhalb kürzester Zeit mit ihr beim Tierarzt waren, konnte die Hündin gerettet werden. Unglaublich: Für Sira war es bereits die zweite Giftattacke, die sie überlebte.

Die Hundebesitzer in Geltendorf und Umgebung wissen ein Lied davon zu singen: Immer wieder tauchen im Frühjahr vergiftete Köder in Wiesen und Feldern auf. „Es scheint unmöglich zu sein, dem Verantwortlichen das Handwerk zu legen“, sagt Tierarzt Peter Pizzinini aus Eismerszell und seufzt. Er weiß aktuell von mindestens vier betroffenen Hunden, von denen einer verendete. Zwei landeten bei ihm in der Intensivbehandlung, einer davon war Sira. Nach einem Spaziergang mit ihrem Besitzer Alexander Boneff zeigte die Hündin plötzlich die gefürchteten Symptome: starkes Zittern, Speichelfluss, Fieber. Ehefrau Elke Boneff raste mit ihr in die Tierarztpraxis, wo man die Infusion mit dem Gegengift schon bereit hielt. „Je früher die Behandlung einsetzt, desto besser“, weiß Pizzinini. Im Jahr zuvor war Sira bereits apathisch, als sie auf seinem Behandlungstisch landete. „Damals musste man sie sogar operieren, um festzustellen, wie stark die Bauchspeicheldrüse ge­schädigt war“, berichtet Elke Boneff. Seit Jahren verboten Die Hündin hatte Glück, nach vierwöchiger Behandlung mit Medikamenten wurde sie wieder ganz gesund. Nach dem Schrecken kauften die Boneffs eine lange Leine, um Sira genügend Bewegungsfreiheit zu geben, ohne sie völlig frei laufen zu lassen. „Aber manchmal muss sie eben auch rennen dürfen“, so die Besitzer. Die Wiese am nördlichen Geltendorfer Ortsrand, wo Sira den zweiten Köder verschluckte, meiden sie inzwischen. E 605, das verwendete Gift, ist ein Pflanzenschutzmittel, das in Deutschland seit Jahren verboten ist. „Offenbar hat jemand noch Altbestände“, sagt Tierarzt Pizzinini. Eine Geltendorferin brachte vor kurzem sogar einen gefundenen Köder in seine Praxis. „Das Granulat war in einem schönen Stück Rinderfilet verborgen, da kann man als Hund gar nicht nein sagen.“ Zusätzliche Gefahr Polizeihauptmeister Thomas Ziegler, Hundeführer bei der Polizeiinspektion Landsberg, weist auf eine zusätzliche Gefahr hin. Auch ganz legale Mäuseköder können für Hunde - und übrigens auch für Krähen und Bussarde – eine Gefahr darstellen. Dann nämlich, wenn sie nicht ordnungsgemäß ausgebracht werden. „Es handelt sich um fertige Kugeln, die in die Mauselöcher eingebracht werden müssen, damit sie nicht von anderen Tieren aufgenommen werden“, so Ziegler. „Nur gibt es leider auch faule Menschen, die die Köder einfach so verstreuen.“

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