Er ging mit dem Granatapfel

Ernst Lösche ist tot. Der Dießener Keramiker verstarb am 17. April im Alter von 87 Jahren. Lösche hat sich um die Geschichte, Tradition und Kultur des alten Hafnerortes und des gesamten Ammer­see­raumes verdient gemacht und gilt als „Vater der Keramikforschung“.

Rund 65 Jahre lang gab Ernst Lösche dem tönernen Handwerk eine eigene Richtung. Seine Werkstätte und das kleine Museum am Kirchsteig waren Begegnungsstätte für Wissenschaftler und Sammler aus der gesamten Welt. In vielen Vitrinen und Haushalten finden sich von Ernst Lösche gefertigte Einzelstücke: frei gedrehte Gefäße, Vasen aus Steinzeug und Porzellan oder Irdenware in reduziertem Schwarzbrand. Lösche prägte die Entwicklung der neuen deutschen Keramik mit, suchte aber auch immer die besten Ergebnisse, um die alten Glasuren und Brände nachzuempfinden. Bekannt ist neben seiner Gartenkeramik vor allem das Dießener Blau-weiß-Geschirr. Für die Herstellung werden Nachbildungen von Dießener Fayencen aus dem 17. und 18. Jahrhundert verwendet, die Originale fand der gebürtige Münchener Anfang der 60-er Jahre bei Grabungen auf seinem Grundstück. Ernst Lösches Arbeiten in Dießen und München – er war 1968 Mit­begründer der Galerie Hand­werk – seine Forschungsergebnisse, sein Wirken im Vorstand der Arbeitsgemeinschaft Dießener Kunst (ADK) wie auch sein Einsatz als langjähriger Vorsitzender der Ammersee-Hei­mat­forscher wurden mit diversen Auszeichnungen gewür­- digt. Zuletzt erhielt er im Jahr 2006 die Denkmalschutzmedaille. Dem Keramiker wurde zwei Mal der Bayerische Staatspreis (jeweils in Gold) sowie Jahres- und Ehrenpreis der Danner­stiftung verliehen. 1992 bekam der Dießener das Bundesverdienstkreuz am Bande, die Marktgemeinde verlieh dem Keramiker 2005 schließlich den Goldenen Ehrenring. Ernst Lösche ist gegangen mit einem roten Granatapfel in der Hand – ein christliches Symbol, das in seinem Schaffen immer wieder kehrte und das für das Leben steht. Lösches Werk wird nach seinem Tod fortgesetzt. Zwei Generationen Keramikermeister und Keramiker arbeiten daran, allen voran die Kinder Dagmar Larasser und Wolfgang Lösche. Die Weichen für den 10. Töpfermarkt am See, der vom 13. bis 16. Mai stattfindet, hat Ernst Lösche noch selbst gestellt. „Seitdem“, sagt Sohn und Markt­leiter Wolfgang Lösche, „läuft die Produktion bei uns auf Hochtouren, um die Ausstellungen im Museum, in den Werkstätten und im Keramikpark sowie am See und im ADK-Pa­- villon in seinem Sinne einzurichten und auszustatten“.

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