"Rache genießt man kalt"

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Landsberg – Eine 28-Jährige aus Königsbrunn ist vom Amtsgericht Landsberg wegen zwei Fällen von Körperverletzung zu zehn Monaten Haft auf Bewährung verurteilt worden. 

Nach umfangreicher Beweisaufnahme stand für Richterin Simone Zwiener fest, dass die Frau in einer Disco in Aichach einer anderen ein Glas an den Kopf geworfen und vor dem Lands­- berger McDonald's einem jungen Mann einen Becher Kaffee übergeschüttet hat (der KREISBOTE berichtete). Eine Freundin, die der 28-Jährigen vor Gericht beispringen wollte, muss sich nun auf ein Verfahren wegen uneidlicher Falschaussage und versuchter Strafvereitelung gefasst machen.

Die beiden zur Verhandlung stehenden Vorfälle waren schwierig zu rekonstruieren und wurden von widersprüchlichen Aussagen umnebelt. Die Zeugen schienen in zwei Lager aufgeteilt: Freunde der Angeklagten und – im Falle des Glaswurfs – Freunde der Geschä­- digten. Diese gaben an, die Angeklagte habe ihr Getränk zunächst einer Unbeteiligten ins Gesicht geschüttet und dann das Glas der Geschädigten an den Hinterkopf geworfen. Vorausgegangen war eine Schubserei auf der Tanzfläche.

Für Verteidiger Joachim Feller war diese Version jedoch ein Komplott, um die Angeklagte zu belasten. Das Motiv: Rache aus Eifersucht wegen eines gemeinsamen Ex-Freundes. „Rache genießt man kalt“, so Feller. Die Geschädigte habe gewusst, dass die 28-Jährige bereits eine Vorstrafe wegen eines ähnlichen Vorfalls hatte, und habe gelogen, um der Kontrahentin eins auszuwischen. Dabei habe die Polizei kurz nach jener Nacht im Oktober 2012 keine Verletzung bei dem angeblichen Opfer feststellen können.

Ein ärztliches Attest präsentierte die Frau erst am Ende der Beweisaufnahme. Darin wurden Verletzungen beschrieben, von denen zuvor noch nie die Rede gewesen war. „Das ist dubios“, sagte Feller. Die Kopfschmerzen, über die das Opfer geklagt hatte, seien darauf zurückzuführen, dass die beiden Frauen sich gegenseitig an den Haaren gezogen hätten. Nicht wegdiskutieren ließ sich allerdings, dass die Geschädigte am Tag nach der Attacke für über zwei Wochen krank geschrieben wurde.

Brust oder Rücken?

Den Vorfall mit dem ausgekippten Kaffeebecher bei McDonald's wollte eine 24-jährige Freundin der Angeklagten auf sich nehmen. Sie behauptete im Zeugenstand, einem jungen Mann im Streit um eine Zigarette den Becher von vorne über die Brust gekippt zu haben. Dumm nur, dass der 21-Jährige Verbrühungen am Rücken aufwies und Kaffeeflecke die Rückseite seines T-Shirts zierten – nachzulesen im ärztlichen Attest, wie Richterin Zwiener in ihrer Urteilsbegründung ausführte. Außerdem sei die Angeklagte von einem Taxifahrer, der zufällig alles beobachtet hatte, als Täterin identifiziert worden.

Wegen zweier Vorstrafen und der hohen Rückfallgeschwindigkeit – nur wenige Monate vor dem Glaswurf war die Angeklagte schon einmal wegen Körperverletzung verurteilt worden – kam laut Zwiener nur eine Haftstrafe in Betracht. Mit zehn Monaten blieb sie knapp unter dem Antrag von Staatsanwalt Christoph Bauer, der ein Jahr gefordert hatte. Die Bewährungszeit wurde auf drei Jahre festgesetzt, außerdem muss die 28-Jährige 1000 Euro an eine soziale Einrichtung zahlen. Rechtskräftig ist das Urteil allerdings noch nicht.

Ulrike Osman

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