Warten auf ein Wunder

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Janne Kellner (links) und ihre Mitarbeiterin Christina wollen weiter für den Erhalt des Gnadenhofs Frauenwies kämpfen.

Pürgen – Seit 34 Jahren betreibt die Verhaltensbiologin Janne Kellner den Gnadenhof Frauenwies in der Nähe von Pürgen. Doch nun steht das Heim für Tiere, die sonst keiner mehr will, kurz vor dem Aus. Betreiberin Janne Kellner aber will weiter kämpfen und hofft gleichzeitig auf ein Wunder.

„Der Hof gehört den Tieren und ich bin ihr Sprachrohr“, sagt Janne Kellner, während sie über das Anwesen in Frauenwies geht. Drei große Schäferhunde begleiten sie. Auf den ersten Blick sieht man es ihnen nicht an, aber sie haben ein Handicap: Ludwig hat einen Hoden in der Bauchhöhle, Felix schaut nachdenklich in die Ferne. „Wäre er ein Mensch, würde man sagen er ist Autist“, erklärt die Biologin.

Neben den drei Schäferhunden leben derzeit 27 Pferde, fünf Ponys, vier Esel und einige wilde Katzen auf dem Gnadenhof. Wie und ob sie den Hof, den sie seit 1982 betreibt, weiterführen kann, weiß die 64-Jährige momentan nicht. „Wir warten auf ein Wunder.“ Denn nur eine einzige Nacht hat auf dem Hof alles verändert: In einer Nacht Mitte Oktober sind beide Hauptsponsoren verstorben. Sie sind für Personal- und Tierarztkosten aufgekommen. Mitarbeiterin Christina musste Kellner so bereits kündigen, aber auch Verwalter Peter muss sie entlassen, wenn sich nichts ändert. Alleine würde die Verhaltensbiologin die Arbeit nicht schaffen, aber auch das Landratsamt sitzt ihr im Nacken: Pro 20 Tiere muss eine Vollzeitkraft eingestellt sein. Das Futter geht in 14 Tagen aus, Schulden machen will Kellner aber nicht.

Janne Kellner hat einen Spendenaufruf auf Facebook (www.facebook.com/janne.kellner) gestartet. Unterstützung erhielt sie hier auch von der Seite „Du kommst aus Landsberg, wenn...“, die jetzt auch eine Adventsfeier auf dem Hof organisieren will. „Immer wieder kommen seitdem Leute vorbei und bringen Futter oder zehn Euro oder altes Brot.“

Weitere Sponsoren gibt es zwar, davon kann sie die Gehälter aber nicht zahlen. Außerdem fallen noch 4.000 Euro monatlich für Futter und Instandhaltung von Traktor und Hof an. Ihr Ziel wäre es deshalb, genug Leute zu finden, die bereit sind sie mit zehn Euro monatlich für ein Jahr zu unterstützen.

Vor allem aber will die 64-Jährige ihr Wort den Tieren gegenüber halten. „Als ich sie aufgenommen habe, habe ich ihnen versprochen, dass sie so lange bei mir bleiben, wie sie leben.“ Denn bei allen Tieren auf dem Hof handelt es sich um welche, die sonst keiner mehr haben will. Pferde, die nicht mehr reitbar sind oder nicht mehr zur Zucht eingesetzt werden können – oder die schlichtweg alt sind.

Doch schon einmal sah alles so aus, als müsste Janne Kellner aufgeben: Der Hof, der zuvor von einem Förderverein unterstützt wurde, wurde 2005 zwangsversteigert, da der Verein sich aufgelöst hatte. Kellner ersteigerte ihn und gründete daraufhin ihren eigenen Verein „Frauenwies – Heimat für Tiere e.V.“. Als das alles geklappt hatte, baute sie eine Kapelle auf dem Grundstück. In letzter Zeit geht sie oft dort vorbei und betet: „Es ist immer wieder ein Wunder passiert.“

So auch 2008. Damals starben zwei Pferde, vier wurden verletzt, als sie sich vor einem Baustellenfahrzeug, das zum benachbarten Solarpark gehörte erschreckten und in einen Stacheldraht liefen. „Wir schaffen das“, sagt die Hofbetreiberin immer wieder. Denn sie hat Pläne für die Zukunft: Irgendwann soll aus dem Gnadenhof eine Stiftung werden – für Menschen und Tiere mit Handicap.

Wer den Gnadenhof unterstützen will, kann beispielsweise auch über PayPal spenden an: 2007janne@gmx.de.

Astrid Neumann

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