Von wegen kreidebleich:

Wahl-Graffiti der besonderen Art

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Mit ihrem Kreide-Wahl-Graffiti sorgt die Landsberger Mitte seit Dienstag für Aufsehen.

Landsberg – Wiehert da etwa der Amtsschimmel? Handelt es sich um eine Verschmutzung des öffentlichen Verkehrsraumes? Auch wenn es aus der Spraydose kommt, so ist es doch nur Kreide. An exponierten Stellen macht die Landsberger Mitte damit gerade auf sich aufmerksam – sehr zum Ärger des Ordnungsamtes.

Seit gestern stößt man in der Lechstadt vielerorts auf das Logo der Landsberger Mitte – stets auf öffentlichem Grund, meist auf dem Gehsteig. In kräftigem Blau mit leuchtendem Orange. Schön anzuschauen; es sticht förmlich ins Auge. Ein echter Kontrast zum schnöden Plakat-Einerlei. „Das hat doch mal was“, sagen die Einen, „so geht’s aber nicht“, meinen die Anderen, „da könnte ja jeder daherkommen.“

Wer omnipräsent sein möchte, der muss mit Schablone arbeiten.

Die Kandidaten der Landsberger Mitte um ihren Vorsitzenden Hans-Jürgen Schulmeister fühlen sich bestätigt. Sie wollen, dass man über sie spricht, was sie längst erreicht haben. Zudem wollen sie „im öffentlichen Raum viele potenzielle Wähler ansprechen“, deshalb das Logo an „stark frequentierten und gut sichtbaren Orten“. Dazu gehört übrigens auch der Bereich vor dem Haupteingang des Landratsamtes – an den Gehweg vor der Stadtverwaltung haben sie sich noch nicht gewagt – noch nicht.

Die pfiffige Aktion zeigt in der Stadtverwaltung ebenfalls Wirkung – wenngleich nicht die gewünschte. Dort haben sich Ordnungsamtsleiter Ernst Müller und Tiefbauchef Hans Huttenloher am Tag nach dem Aktionsstart darauf verständigt, die bunten Graffitis von Mitarbeitern des Bauhofes beseitigen zu lassen. Den Aufwand an Zeit und Personal werde man dokumentieren und eventuell bei der Landsberger Mitte in Rechnung stellen. Das Malen auf dem Gehweg könne man nach dem Bayerischen Straßen- und Wegegesetz durchaus als „Verschmutzung“ ansehen, sagt Ernst Müller auf Anfrage des KREISBOTEN.

Generell müsse man sich fragen: „Wo führt das hin? Bei der Landsberger Mitte fängt’s an, wo hört’s auf?“ Auch in Wahlkampfzeiten gehe es um ein ansprechendes Stadtbild, betont der Ordnungsamtsleiter, dem auch die weiter wachsende Plakatflut und die immer größeren Wahlwerbebanner die Sorgenfalten auf die Stirn treiben. Aktuell hätten die Parteien und Gruppierungen allein im Stadtgebiet rund 1000 Standorte für ihre Plakate angemeldet – „da ist eine Kontrolle einfach nicht mehr möglich“, so Müller.

Hans-Jürgen Schulmeister will die Diskussion ums Landsberg Mitte-Graffiti nicht zulassen. „Wo liegt das Problem?“ Der nächste Regen spüle es ohnehin wieder weg, „ist doch nur Kreide.“ Außerdem: Wenn die kleinen Kinder mit Straßenkreiden den Gehsteig bemalen, sei das Ordnungsamt auch nicht gleich zur Stelle. „Die Aktion wird weitergeführt“, gibt sich Schulmeister ganz (wahl)kämpferisch. Und: „Wir sind noch nicht fertig, wir haben noch viel bessere Ideen.“

Toni Schwaiger

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