Dealer muss in den Knast

"Gras" für Minderjährige

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Landsberg – Wer als Volljähriger Drogen an einen Minderjährigen verkauft, muss mit einer vergleichsweise harten Strafe rechnen. Diese Erfahrung machte jüngst ein 23-jähriger Lechstädter vor dem Schöffengericht Landsberg. Weil er einem Jugendlichen 20 Gramm Marihuana gab, muss er für ein Jahr und vier Monate hinter Gitter.

Hätte der Angeklagte gleich zu Beginn der Verhandlung ein Geständnis abgelegt, wäre er unter Umständen mit einer Bewährungsstrafe davongekommen. Doch er leugnete den Tatvorwurf und räumte lediglich ein, was ohnehin bewiesen war – dass nämlich die Polizei im Januar dieses Jahres 0,6 Gramm Marihuana bei ihm gefunden hatte. Mit dem schwerwiegenderen Anklagepunkt wollte der Landsberger nichts zu tun haben. Demnach soll er im Dezember 2013 an einen damals 17-Jährigen aus dem südlichen Landkreis 20 Gramm Gras verkauft haben.

Wie ein Zeuge berichtete, hatte sich eine Gruppe Jugendlicher bei ihm zu Hause im Keller getroffen. Man kam auf die Idee, Drogen zu konsumieren. Der 17-Jährige habe daraufhin eine Whatsapp-Nachricht an jemanden geschickt, der eine Stunde später in einem dunklen Audi vorfuhr. Der 17-Jährige habe sich kurz zu dem Dealer ins Auto gesetzt. Wenig später „lag ein Riesenhaufen Gras auf dem Tisch“, so der heute 16-jährige Zeuge. Den Lieferanten kannte er nicht, bekam aber dessen Vornamen und damaligen Wohnort mit, ein Dorf im nördlichen Landkreis.

Pech für den Angeklagten, dass es seinen Vornamen nur fünfmal im Landkreis gibt, wie die Polizei später feststellte. Vier der fünf Namensträger – einer von ihnen ist noch ein Kleinkind – ließen sich ausschließen. So war der Täter schnell identifiziert. Dass er im fraglichen Zeitraum einen dunklen Audi gefahren hatte, behielt er vor Gericht zunächst für sich und sprach auf eine entsprechende Frage des Vorsitzenden Alexander Kessler lieber von seinem weißen BMW.

Auch, dass er das Alter seines Kunden gekannt hatte, stand zur Überzeugung des Gerichts fest. Die beiden waren auf Facebook befreundet, wo der Jugendliche sein Geburtsdatum angegeben hatte. Der heute 19-Jährige selbst wollte sich im Zeugenstand zunächst an nichts erinnern. Er wisse nicht mehr, von wem er vor eineinhalb Jahren das Gras gekauft habe, behauptete er – räumte aber schließlich doch ein, vom Angeklagten Drogen bezogen zu haben. An dieser Stelle erinnerte sich plötzlich auch der Angeklagte, dass er möglicherweise „zwei-, dreimal“ etwas an den Jugendlichen verkauft habe. Um noch als Geständnis gewertet zu werden, kam die Aussage jedoch zu spät.

Staatsanwalt Marco Ottaviano wies außerdem auf die hohe Rückfallgeschwindigkeit des Angeklagten hin. Er war erst im November 2013 – also einen Monat vor der Tat – wegen Drogenbesitzes zu einer Geldstrafe verurteilt worden. Unter diesen Umständen kam für das Gericht eine Bewährungsstrafe nicht in Frage.

„Sie haben versucht, uns für dumm zu verkaufen“, wandte sich Richter Kessler an die Adresse des 23-Jährigen, der demnächst eine Stelle als Einzelhandelskaufmann antreten wollte. Nun wird er stattdessen ins Gefängnis gehen müssen. Rechtskräftig ist das Urteil allerdings noch nicht.

Ulrike Osman

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