Die große Chance nicht genutzt

„Warum der ganze Krampf?“ Eine Antwort auf diese Frage von Richter Alexander Kess­ler ist der Angeklagte schuldig geblieben. Eine Mischung aus Alkohol, Frust und Langeweile hatte den jungen Mann aus der Nähe von Landsberg eine Reihe relativ geringfügiger Straf­taten begehen lassen. Dies allerdings, während er unter offener Bewährung stand. Da­mit war für das Jugendschöffengericht nun das Fass übergelaufen. Der 21-Jährige muss für zwei Jahre und acht Monate in Haft.

Fahrlässige Gefährdung des Straßenverkehrs, Beleidigung, Bedrohung, Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte, Sachbeschädigung und Verwendung von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen, so die Liste der Anklagepunkte. Der gravierendste Vorfall ereignete sich in der Nacht des 14. August letzten Jahres. Der junge Mann fuhr betrunken mit seinem Auto durch Penzing, als eine Polizeistreife vorbeikam. Da sowohl er als auch sein Wagen bereits poli­zeibekannt waren, wollten die Beamten ihn kontrollieren, was den Angeklagten dazu veranlasste, kräftig aufs Gaspedal zu drücken und sich mit dem Streifenwagen eine Verfolgungsjagd zu liefern. Schließlich landete der junge Mann mit seinem Auto im Si­cher­heitszaun des Fliegerhorsts. Danach wehrte er sich gegen seine Festnahme, demolierte eine Tür in der Polizeiinspektion Landsberg, beschimpfte und be­leidigte die Beamten und auch den Arzt, der ihm Blut abnahm. In einem anderen Fall beleidigte und bedrohte der Angeklagte einen Penzinger Anwohner, der sich über den Lärm be­- schwert hatte, den der damals 20-Jährige mit ein paar Freunden nachts vor seinem Haus gemacht hatte. Und schließlich gab es ein weiteres unglückliches Zusammentreffen mit einer Polizeistreife, die den jungen Mann angetrunken in seinem parkenden Auto erwischte und ihm daraufhin den Wagenschlüssel abnahm. Bei der Gelegenheit soll er „Sieg heil!“ gegrölt haben. Diesen einzigen Punkt bestritt der ansonsten geständige Angeklagte. Nicht „Sieg heil!“, sondern „Wie geil!“ habe er gerufen. Für den Ausgang des Verfahrens spielte dieses Detail jedoch keine Rolle. „Das Fass ist übergelaufen“, betonte Staatsanwalt Hans-Peter Dischinger. Der Angeklagte war bereits wegen Einbruchdiebstahls, Sach­be­schädigung, Beleidigung und Widerstands vorbestraft und kam vor zwei Jahren nur mit Glück in der Berufungsinstanz um eine Haftstrafe herum. „Er hat diese Chance nicht genutzt“, so der Anklagevertreter. Vor diesem Hintergrund kämpfte Verteidiger Peter Amend auf verlorenem Posten, obwohl er durchaus einiges zugunsten seines Mandanten ins Feld führen konnte. Der 21-Jäh­rige geht einer geregelten Arbeit nach, zahlt zuverlässig seine Schulden aus früheren Verurteilungen, erscheint regel­- mäßig bei seiner Bewährungshelferin und zeigt sich dort auch durchaus gesprächsbereit. Nicht vertretbar Eine weitere Bewährungsstrafe kam für das Gericht trotzdem nicht in Frage, „das wäre beim besten Willen nicht mehr vertretbar“, so Richter Kessler. Mit zwei Jahren und acht Monaten blieb das Urteil nur knapp unter dem Antrag des Staatsanwalts, der zwei Jahre und zehn Monate gefordert hatte. „Nutzen Sie die Zeit in Haft als Chance“, legte Kessler dem Angeklagten ans Herz. Im Jugendstrafvollzug stehe der Erziehungsgedanke im Mittelpunkt, es gebe Beratungen und Therapien, die ihm helfen könnten, mit seinen schädlichen Neigungen fertig zu werden.

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