Großer Schaden, große Reue

Emotionsgeladen ist es am Mittwoch im Amtsgericht Landsberg zugegangen – auch Tränen sind geflossen. Dass ihr 17-jähriger Sohn eingebrochen war und gestohlen hatte, konnte seine Mutter nur schwer verwinden. „Ich schäme mich für meinen Sohn“, erklärte sie in der Verhandlung. Ein Stein muss auch den beiden anderen Angeklagten vom Herzen gefallen sein, wie Richter Alexander Kessler mutmaßte, denn sie erhielten für Einbruchsdiebstähle noch eine Chance: Bewährung.

Die Drei waren im vergangenen Jahr in die Montessori-Schule (März) und in einen Getränkemarkt (Juli) in Kaufering eingebrochen. Beim Versuch, in eine Landsberger Tankstelle in der Münchener Straße (August) einzudringen, „störte“ sie ein Wachmann. Das Jugendschöffengericht hatte es hier nicht mit einer geplanten Einbruchsserie zu tun. „Wir sind anscheinend total bescheuert. Ich weiß nicht, warum wir das gemacht haben. Es war nur Dummheit, ohne Grund“, versicherte der älteste der drei Freunde, dessen Strafmaß mit 21 Jahren schon nach dem Erwachsenenstrafrecht bemessen wurde. „Sie darf man wohl nirgends vorbeifahren lassen“, meinte Kessler, denn die Idee zum ersten Einbruch war den Angeklagten in dem Moment gekommen als sie an der Schule vorbeifuhren. Über den Neubau gelangten sie ins Schulgebäude. Mit Steinen schlugen sie Fensterscheiben und Glastüren ein. Wahllos wüteten die jungen Männer in den Räumen und richteten 15000 Euro Schaden an. Geklaut wurde ebenfalls: unter anderem elf Flachbildschirme. Eine sinnlose Aktion, denn später brachten sie die Monitore zum Wertstoffhof. In einem Getränkemarkt nahmen die drei gelangweilten Eindringlinge dann schon mehr mit: Energy-Drinks, Alkohol und einen Rucksack voll Zigaretten. Hier diente ihnen ein Vorschlaghammer, Diebesgut aus der Montessori-Schule, als „Einbruchs-Werkzeug“. Groß der Schaden und groß die Reue – besonders bei dem Ältesten und dem Jüngsten: Der 21-jährige Einzelhandelskaufmann aus Kau­fering entschuldigte sich persönlich bei der Schulleitung und bot seine Hilfe an. Schüchtern und sichtlich geknickt, wirkte der 17-jährige Auszubildende während der Verhandlung. „Ich habe hier den kleinsten Fisch“, bemerkte Rechtsanwalt Peter Amend über seinen Mandanten. Dieser hatte wohl „nur“ mitgemacht, zum Beispiel Schmiere gestanden beim Einbruchsversuch an der Tankstelle. Während die anderen oben in der Stadt versuchten die Tür aufzubrechen, musste er auf der Karolinenbrücke nach der Polizei Ausschau halten. Er sollte seine Kollegen per Handy warnen. Alle drei Angeklagten waren geständig – Richter Kessler würdigte das in der Urteilsbegründung. „Es war knapp, aber es hat bei ihnen noch zur Bewäh­rung gereicht“, erklärte er den beiden Älteren. Für den 21-Jäh­rigen hielt er eine Bewährungsstrafe von einem Jahr und neun Monaten, für den 20-Jährigen ein Jahr und sechs Monate als angemessen. Der Jüngste muss drei Wochen Arrest absitzen. Besonders eindringlich redete Kessler auf den 20-jährigen Angeklagten aus Igling ein. „Gehen sie in sich“, warnte er, denn sein vorheriges Verhalten wog schwer: Der junge Gärtner hatte den Schul-Einbruch nur einen Tag nach einem Jugendarrest be­gangen. Mit Hilfsdiensten in sozialen Einrichtungen müssen die drei jeweils 80 Stunden zusätzlich für ihre Taten büßen. Von weiteren Geldzahlungen – Wiedergutmachungen zahlen sie ohnehin schon – sah das Jugendschöffengericht ab. Staatsanwältin Karin Prechtel hatte ein viel strengeres Urteil gefordert: Freiheitsstrafen ohne Bewäh­rungszeit für die beiden Hauptverantwortlichen und einen längeren Dauerarrest für den Jüngsten.

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