Großer Umzug mit 150 Marionetten

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PATRICIA ECKSTEIN Landsberg – Ende November ist es soweit: Nur noch sechsmal wird sich der Vorhang in dem kleinen stimmungsvollen Kellertheater des Landsberger Puppentheaters „Am Schnürl“ heben. Danach ist erst mal Theaterpause, denn das neue Domizil in der Kauferinger Grundschule steht erst im Herbst 2010 zur Verfügung. Mit der „Chinesischen Nachtigall“, einer Märchenadaption nach Hans Christian Andersen, geht ein kleines Stück Landsberger Kulturgeschichte zu Ende, denn bereits seit 1987 lassen Mitgründer und Regisseur Helmut Glatz und seine engagierten Kollegen die Puppen tanzen. Der sogenannte „Arbeitskreis Puppenspiel der Volkshochschule“ feierte 1991 mit „Prinz Rosenrot und Prinzessin Lilienweiß“ seine erste Premiere, damals noch in den Räumen der Schlossbergschule. 1995 verfolgten rund 500 Zuschauer die Abenteuer von „Prinz Marzipan im Regenbogenland“. Ein Jahr später bezogen die Puppenspieler ihr festes Theater im Keller der Katharinenschule und firmierten fortan offiziell zum „Landsberger Puppenspiel Am Schnürl“. Mit der Bestuhlung aus dem alten Stadttheater, einer festen Guckkastenbühne und vielen netten Details entstand hier ein liebenswürdiges kleines Theater, in dem sich seitdem rund 12000 kleine und große Zuschauer von den märchenhaften Inszenierungen verzaubern ließen. Nun wird der Kellerraum von der städtischen Schule selbst benötigt, die Puppenbühne muss ausziehen. Zwei Jahre Vorlauf Helmut Glatz und seine Kollegin Marlies Brambach geben einen kleinen Einblick in ihre Arbeit: Für eine neue Inszenierung braucht es eine Vorlaufzeit von etwa zwei Jahren. Ein Jahr ist der Stückauswahl, der Adaption für die Puppenbühne und den Vorbereitungen gewidmet. Sämtliche Puppen und Kostüme werden eigens für das neue Stück von den Mitgliedern selbst gefertigt, Kulissen werden entworfen und gemalt, das „Playback“ muss mit Musik und Sprechern eingespielt werden. Ein weiteres Jahr wird geprobt, bis sich die Marionetten bis zur Perfektion synchron zur Tonspur bewegen. Für die „Chinesische Nachtigall“ haben sich die Puppenspieler noch etwas Besonderes einfallen lassen: Um den gespenstischen Effekt mancher Szenen zu verstärken, arbeiten sie mit Schattenspiel und Schwarzlicht. Nach der letzten Vorstellung am 28. November heißt es dann „Packen“. Im überfüllten Magazin tummeln sich rund 150 Marionetten, die sorgfältig verstaut werden müssen: „Die Fäden verheddern dabei immer, das lässt sich nicht vermeiden“, schmunzelt Marlies Brambach. Dazu kommen zahlreiche Kulissen und unzählige kleine und große Requisiten. Bis zum Frühjahr muss in der Katharinenvorstadt alles geräumt sein. Barrierefreies Theater „Zum Glück hat uns die Gemeinde Kaufering eine Möglichkeit angeboten, unsere Ausstattung zwischenzulagern, sonst hätten wir wahrscheinlich alles wegschmeißen müssen“, erklärt Helmut Glatz. Zwar sei die Kündigung ein Schock gewesen, doch er hofft, mit dem neuen Domizil einen Gewinn zu machen: „Die Räume sind größer und vor allem höher, sodass sich die Marionettenspieler nicht immer den Kopf stoßen. Außerdem ist der Zugang barrierefrei, sodass auch Rollstuhlfahrer einfacher zu uns kommen können. Vielleicht haben wir ja sogar Platz für ein paar Schaukästen.“ Doch zunächst lassen Glatz und seine vielen eifrigen Puppenspieler noch einmal die Nachtigall in Landsberg singen… Infos und Aufführungstermine unter www.amschnuerl.de.

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