Projekt brilliert bundesweit

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So sieht das Wort „Applaus“ in der Gebärdensprache aus. Der Applaus kam von der Klasse 1b der Kauferinger Grundschule. Das Projekt „Gebärdensprache“ fand bundesweit Beachtung und wurde durch die Verleihung des Primus-Preises gewürdigt.

Kaufering – Es gibt Menschen, die sprichwörtlich mit Händen und Füßen reden. Was sich wie ein flapsiger Spruch anhört, hat einen sehr ernsten Hintergrund. Gehörlose Menschen sind auf diese Art der Kommunikation angewiesen. Auch in Kaufering leben zahlreiche gehörlose Mitbürger. Das weiß auch Henriette ­Beltz, Leiterin der Grundschule in der Marktgemeinde. „Wir hatten ein gehörloses Kind und wir haben Kinder, deren Eltern gehörlos sind“, sagte die Schulleiterin.

Henriette Beltz hat daher mit der Unterstützung ihres Kollegiums und des Fördervereins der Grundschule vor fast zwei Jahren das Projekt „Gebärdensprachenunterricht in der Grundschule“ ins Leben gerufen. Die Bemühungen wurden nun belohnt. Henriette Beltz konnte den mit 5000 Euro Preisgeld verbundenen „Primus-Preis 2015“ entgegennehmen. Eigens für die Verleihung der Urkunde aus Berlin angereist waren die Geschäftsführerin der Stiftung Bildung und Gesellschaft Andrea Frank und ihre Stellvertreterin Birgit Ossenkopf.

Für das Projekt hatte die Grundschule Ingo Langlotz aus Pürgen verpflichtet. Der 49-Jährige ist selbst gehörlos. Da er zusammen mit Henriette Beltz immer die wöchentliche Unterrichtsstunde gestaltet, ist inzwischen die Schulleiterin selbst fast perfekt in der Gebärdensprache. Andrea Frank und Birgit Ossenkopf von der Stiftung Bildung und Gesellschaft hatten anlässlich der Preisverleihung die Gelegenheit, eine Stunde in der Klasse 1 b von Anita Waidhauser den Unterricht mit zu verfolgen.

Auf dem Stundenplan stand das spannende Märchen von dem „dicken fetten Pfannkuchen“. Man sah es den Kindern an, dass ihnen die Gebärdensprache großen Spaß macht. Andrea Frank war begeistert. „Das Kaufering Projekt ist eine gute Antwort auf die Frage der Inklusion“. Die Geschäftsführerin der Stiftung lobte das Projekt als vorbildlich. Es zeige, wie man Gebärdensprache in den Unterricht integrieren kann. Für Andrea Frank ist das Projekt ein Brückenschlag zwischen Hörenden und Gehörlosen und stellt ein Beispiel für gelebte Inklusion dar.

Die Stiftung Bildung und Gesellschaft mit Sitz in Berlin verleiht jeden Monat einen Preis für vorbildhafte Projekte im Schulbereich. Am Ende des Jahres wird der Jahrespreis über ein Online-Voting ermittelt. Die Kauferinger Grundschule hatte mit ihrem Projekt bundesweit die Nase vorn. Der 2. Platz ging nach Hessen, der 3. Platz nach Baden Württemberg. Ingo Langlotz und Henriette Beltz sei es in Kaufering gelungen, mit kindgemäßen Themen die Kinder in die wunderbare Welt der Gebärdensprache einzuführen.

Mit den Händen zu sprechen sei dabei nicht nur spannend, es fördere auch die Wahrnehmung, die Konzentration und Motorik, heißt es von der Stiftung. Allerdings wurde dieses Projekt erst durch den Förderverein ermöglicht. Karin Mitsching vom Förderverein der Kauferinger Grundschule ist stolz auf die vielen Spender, die mitgeholfen hätten, das Projekt zu ermöglichen. Die 5000 Euro Preisgeld sollen dafür genutzt werden, den Gebärdenunterricht für ein weiteres Jahr zu sichern, so die Pressemitteilung.

Siegfried Spörer

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