Guter Start: "Prominente führen" – Mit Stadtpfarrer i.R. Martin Bucher durchs Neue Stadtmuseum

So viele Besucher wie an diesem Samstag zählt das Neue Stadtmuseum normalerweise nur bei Eröffnungen von Sonderausstellungen. Als echter Magnet, reichlich eine Woche vor den Faschingsferien, erwies sich die neue Reihe „Prominente führen“. Martin Bucher, Stadtpfarrer (i.R.), stellte seine Führung durch die Sonderausstellungen mit Arbeiten des in Hohenfurch lebenden Bildhauers Egon Stöckle und des 1967 verstorbenen Memminger Künstlers Joseph Madlener unter das Motto „Mach’s wie Gott und werde Mensch“.

„Lass dich ansprechen, lass dir etwas zeigen!“ fordere das Zitat des Altbischofes von Limburg, Franz Kamphaus, aus einer Weihnachtsbotschaft auf, interpretierte Bucher. Sowohl Stöckle als auch Madlener würden „als Boten Gottes mit Visionen uns Zeichen geben“. Den kleinen Kunstwerken Madleners in Form von Sammel- oder „Gut“- bildchen“ mit Hochkonjunktur in den 20er Jahren des vorigen Jahrhunderts mit der Schwäbischen Weihnacht, der Heiligen Familie und immer wieder dem Christkind schreibt Bucher im ersten Eindruck ein „ganz schön kitschig, süßlich“ zu. Aber Madlener habe mit diesen Arbeiten Kindern die Botschaft des Evangeliums nahe gebracht, eingebettet in die heimatliche Landschaft, zu einer Zeit, wo in Deutschland schon ein verhängnisvoller Weg vorbereitet wurde. „Madlener hat das Lächeln Gottes wahrgenommen und es weitergegeben“. Auf den Kern reduziert Einer Werkinterpretation unterzog Bucher Stöckles große Rauminstallation „Gesicht“ aus Holz, Eisen und Natursteinen. „Gott schaut uns mit Kinderaugen an, Gottes Auge schaut uns an, und da ist das Auge, das vom Kreuz blickt. Gottes Ohr hört den Hilferuf seines Sohnes: Habt Erbarmen mit mir! Der geöffnete Mund Gottes spricht: „Hab’ keine Angst!“, so der Stadtpfarrer im Ruhestand. Die kleinen Bronzearbeiten „Verwackelt“, „Kleines Gesicht“ und ein Bozetti für das große Gesicht dokumentieren, mit welcher Hingabe sich Egon Stöckle mit dem Thema „... und das Wort ist Fleisch geworden“ oder „Mach’s wie Gott und werde Mensch“ auseinander setzt, erläuterte der Geistliche weiter. Stöckle, der vor allem den Werkstoff Bronze ins Herz geschlossen hat, besticht durch die Konzentration auf das Wesentliche, durch die Reduzierung auf den Kern. So verwunderte es nicht, dass Bucher seinen Rundgang mit einer Parallele zu Mozart schloss, der in seinen letzten Werken zurück zu einer kindlichen Linie gefunden habe. So fasziniere die „Zauberflöte“ gerade mit dem kindlich Einfachen, mit Menschen, die sich lieben und finden, die sich allen Ränkespielen widersetzen. Auch Madlener und Stöckle sei diese „Einfältigkeit“ im positiven Sinn und im Gegensatz von „Vielfältigkeit“ oder „Zerrissenheit“ eigen. Stöckle, der an der Führung teilnahm, widersprach seinem langjährigen Freund Bucher nicht. Keinen Tag länger Martin Bucher betreute von 1974 bis 1994, exakt 20 Jahre lang – „keinen Tag kürzer und keinen Tag länger“ – die Landsberger Pfarrei „Zu den Heiligen Engeln“. Und er hat seine Profession noch lange nicht verlernt. Theologische Interpretation verknüpft mit persönlichen Erlebnissen – Schreckliches am Ende des Zweiten Weltkrieges als achtjähriger Junge, der den Zug von KZ-Häftlingen sieht, oder sein glückliches Leben mit zeitgenössischer Kunst – und immer wieder Minuten des Schweigens, die Raum für das Nachdenken gestatteten, ließen die ungewöhnliche Führung zu einem Erlebnis werden. Der große Zuspruch für diese Prominentenführung war Bestätigung für Museumsleiterin Dr. Margarete Meggle-Freund: Die Strategie, mit vielfältigen Angeboten das Haus für neue Besuchergruppen zu öffnen, ist richtig. "Der Himmel auf Erde" Anfang April beginnt das Neue Stadtmuseum Landsberg sein Ausstellungsjahr 2009/’10 nach der Winterpause im Februar und März mit der Sonderausstellung „Der Himmel auf Erden“. Sie gibt Einblick in eine barocke Altarwerkstatt. Die Kernexponate, die aus der frühesten Zeit des städtischen Museums datieren, waren bislang nicht öffentlich zugänglich und konnten auch nicht eingeordnet werden. Dem Zufall ist es geschuldet, dass die Kunsthistorikerin Elisabeth Hinterstocker bei Recherchen zu ihrer Promotion vor geraumer Zeit auf die Sammlung in Landsberg stieß und deren Historie exakt bestimmen konnte.

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