Ein echtes Schmuckstück

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Über den Erhalt des Kauferinger Haidenbucher Epitaphs durch die gelungene Instandsetzung freuen sich Umweltingenieur Josef Mayrock (links), Kirchenpflegerin Charlotte Kandziora und Pfarrer Norbert Marxer.

Kaufering – Etwas versteckt hängt in der Pfarrkirche St. Johannes Baptist das Haidenbucher Epitaph. Das auf Holz gemalte Bild erinnert an den Tod des Kauferinger Hofmarkherren Reinhardt Haidenbucher. Ab 2008 ist es für rund 28000 Euro vollständig renoviert worden und erstrahlt jetzt in neuem Glanz.

Das Epitaph oder (latinisiert) das Epitaphium ist eine Grabinschrift oder ein Denkmal zum Gedenken an einen Verstorbenen. Josef Mayrock aus Kaufering beschäftigt sich seit vielen Jahren mit dem Epitaph und den darauf dargestellten Personen. Es zeigt vor einem Kruzifix Reinhardt Haidenbucher, dessen erste Frau Barbara und die gemeinsame Tochter. Haidenbucher war in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts königlich bayerischer Beamter und Hofmarkherr in Kaufering sowie Kastner (Kämmerer) in Landsberg.

Josef Mayrock betrieb Ahnenforschung und stellte fest, dass Reinhardt Haidenbucher nach dem Tod seiner Frau Barbara am 21. Juni 1565 ein weiteres Mal heiratete. „Von dieser Frau wissen wir nichts, außer dass sie fünf Kindern das Leben schenkt – darunter die Zwillinge Maria Salome und Maria Cleophe“, sagt Josef Mayrock. Reinhardt Haidenbucher stirbt am 4. Dezember 1585, ist der Inschrift auf dem Epitaph zu entnehmen. Damit endet die 70-jährige Herrschaft der Haidenbucher, nach denen eine Straße in Kaufering benannt ist.

Die Töchter Maria Salome und Maria Cleophe machen Karriere und werden in den Klöstern Frauenchiemsee und Niederschönenfeld zu Äbtissinnen gewählt. Dabei haben die Haidenbucher Zwillinge in ihren Klöstern schwere Zeiten zu überstehen und müssen ihre Klöster vor dem Untergang bewahren, weiß Mayrock. Der Dreißigjährige Krieg bringt Leid, Schrecken, Hunger, Not und Tod nach Bayern.

Mehrmals finden Cleophe und ihre Mitschwestern auf der Insel im Chiemsee bei Äbtissin Maria Magdalena Haidenbucher Unterschlupf. „Zu lesen sind diese Ereignisse im Tagebuch der Äbtissin von Frauenchiemsee“, erklärt Josef Mayrock. Dieses Tagebuch führte Maria Magdalena bis ins Jahr 1649, knapp ein Jahr vor ihrem Tod am 29. August 1650 und das Tagebuch der Maria Magdalena ist bis heute vollständig erhalten. „Der Inhalt ist eine wichtige Quelle für die politische, volkskundliche, liturgische, soziale, wirtschaftliche und ordenskundige Geschichte jener Zeit“, so der Kauferinger Umweltingenieur Josef Mayrock.

Beim Stehempfang anlässlich der Verabschiedung von Pfarrer Norbert Marxer bedankte sich Josef Mayrock für seinen langjährigen und erfolgreichen Einsatz zur Erhaltung des Haidenbucher-Bildes. Das Epitaph in der Kauferinger Pfarrkirche hat nach Ansicht von Pfarrer Marxer einen „hohen ideellen Wert“. Er sagte in diesem Zusammenhang, dass die Haidenbucher-Tochter Maria Salome als Äbtissin Maria Magdalena Haidenbucher zu einer sehr bekannten Frau der bayerischen Geschichte wurde. „Sie ist Kauferings bedeutendste Frau“, so Marxer.

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