Hannes Jaenicke zu Gast

Preisgekrönter Doku-Filmer beim Snowdance

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„So groß stand der Gorilla plötzlich vor Dir?“ scheint Tom Bohn seinen Stargast Hannes Jaenicke zu fragen. Im Likka erzählte der Schauspieler und Dokumentarfilmer zusammen mit seinem Partner und Kameramann Markus Strobel (rechts) von den abenteuerlichen Dreharbeiten seiner Independent-Dokureihe „Hannes Jaenicke im Einsatz für …“.

Landsberg – Kein Smoking, kein Roter Teppich wie in Cannes oder Berlin. Er war einfach da und plauderte ungezwungen mit den Landsberger Filmfans in der proppenvollen Likka-Lounge: Hannes Jaenicke, einer der renommiertesten deutschen Schauspieler, der sich auch als Dokumentarfilmer und Umweltaktivist einen Namen gemacht hat. Es ist eines der Erfolgsgeheimnisse des Snowdance Independent Filmfestivals, dass es hier Stars und Filmemacher zum Anfassen gibt. Ohne großen Rummel, einfach der tollen Sache wegen.

Diese Begeisterung strahlte am Donnerstag auch Initiator Tom Bohn aus, der Hannes Jaenicke und seinen Partner und Kameramann Markus Strobel zur preisgekrönten Dokumentarfilmreihe „Hannes Jaenicke im Einsatz für …“ auf der Likka-Bühne interviewte. Der Dießener Regisseur und Jaenicke sind sind seit dem 1995er-Tatort „Die Kampagne“ mit Lena Odenthal als Kommissarin (Drehbuch und Regie Tom Bohn) eng befreundet, so dass Jaenicke seine Einladung nach Landsberg sehr gerne annahm. Nicht nur als Interviewgast, sondern auch als kompetentes Jurymitglied für die Preisträgerauswahl der besten 20 Langfilme des Snowdance-Festivals.

Ganz locker und mit seiner berühmt-sonoren Stimme – Erfolgsgarant bei vielen Hörbüchern – erzählte Jaenicke von den schwierigen Anfängen der Filmreihe, die fast nicht zustande gekommen wäre. Jaenicke, immer schon engagiert für Tier- und Umweltschutz, musste für seine Idee der Dokureihe wie ein Hausierer bei den deutschen TV-Anstalten und -Sendern vorsprechen. Man fand das Projekt im Prinzip gut, wollte aber zuviel Mitspracherecht.

Die Verhandlungen zogen sich jahrelang hin, so dass es Jaenicke und Strobel selbst in die Hand nahmen: Sie finanzierten den ersten Film über die vom Aussterben bedrohten Orang-Utans auf Borneo aus eigener Tasche. Also ein klassischer Independent-Film, warum dieses Thema zum Landsberger Festival optimal passte. Ohne großes Equipment, meist mit versteckter Kamera, entstand auf Borneo eine packende Dokumentation. Oft unter Lebensgefahr gedreht, denn die Wilderer und Tierfänger kennen kein Pardon, wenn jemand ihre schmutzigen Geschäfte aufdecken will.

Über den im Alleingang entstandenen Film war letztendlich das ZDF so begeistert, dass daraus eine intensive Zusammenarbeit entstand. Inzwischen haben Jaenicke und Strobel Dokumentationen gedreht über Eisbären, Haie, Gorillas, Vögel, Elefanten und zuletzt über Löwen. Viele internationale Auszeichnungen krönen den Mut der beiden Filmemacher, ihre Idee einfach durchzusetzen, ohne die bremsende Mitsprache von Fernsehredakteuren. Sein beherztes Engagement für Natur- und Tierschutz bewies Hannes Jaenicke auch in seinem Bestseller „Wut allein reicht nicht: Wie wir die Erde vor uns schützen können“.

Der unterhaltsame und auch nachdenkliche Abend im Likka war denn auch für die vielen Gäste Anstoß, sich künftig mehr mit Umweltthemen zu beschäftigten. So wie es Jaenicke engagiert tut. Er verzichtet seit Jahren auf manch lukrative Fernsehrolle, um sich seiner Lebensaufgabe widmen zu können.

Dieter Roettig

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