2000 Unterschriften interessieren nicht

Kein zweiter Zebrastreifen auf dem neuen Hauptplatz

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Es bleibt dabei: Die einzige vorgegebene Querung des neuen Hauptpatzes befindet sich vor der Musikschule.

Landsberg – Ein Antrag aus der Bürgerversammlung und eine Liste mit über 2000 Unterschriften reichten nicht aus: Der Stadtrat lehnte es klar ab, einen weiteren Zebrastreifen über den Hauptplatz einzurichten. Die Verwaltung soll jetzt „alternative Lösungen“ erarbeiten.

Grundsätzlich waren sich alle Räte zwar einig, dass die Situation für die Fußgänger verbessert werden sollte. Dem Zebra­streifen standen die meisten aber kritisch gegenüber, darunter auch Oberbürgermeister Mathias Neuner (CSU). „Das würde den Fußgängerverkehr wieder kanalisieren und eine Sicherheit vortäuschen, die es nicht gibt.“ Zudem würde die „Idee des gemeinsamen Raumes konterkariert.“ Ein weiteres Problem: Um die nötige Fahrbahnbeleuchtung am Übergang zu erreichen, müssten zwei Lichtmasten beiderseits der Fahrbahn aufgestellt werden.

Die rechtliche Lage machte Ordnungsamtsleiter Ernst Müller klar: Schaue man sich die Richtlinien an, gebe es nur zwei bindende Möglichkeiten. „Eine ist ein Zebrastreifen. Bei diesem Verkehrsvolumen ist aber möglicherweise sogar einer Fußgängerampel der Vorzug zu geben – und ich denke, die will kein Mensch.“

Stattdessen spannte sich in der Diskussion ein bunter Reigen an Ideen auf, wie die Passanten sicherer über die Fahrbahn gelangen könnten. Stadtbaumeisterin Annegret Michler präsentierte einige farbige Fahrbahnbemalungen aus anderen Städten und Ländern und regte an, von der Akademie der Bildenden Künste entsprechende Entwürfe erarbeiten zu lassen.

Lebensgroße Metallfiguren am Fahrbahnrand wurden ebenso vorgeschlagen wie ein Schild „Freiwillig Tempo 20, Fußgänger queren“, das den größten Anklang fand. „Die Idee gefällt mir gut, wenn wir das an mehreren Stellen aufhängen, setze ich auch auf den Erziehungseffekt“, plädierte Ludwig Kaiser (SPD) wie einige andere Räte dafür, noch etwas Zeit ins Land gehen zu lassen und erst dann Maßnahmen zu ergreifen.

Keine der vorgeschlagenen Lösungen gefiel Medardus Wallner (UBV). „Ich bin auch mit einem Zebrastreifen nicht glücklich. Man hätte einfach früher aufpassen müssen, da ist soviel falsch gemacht worden. Ich schäme mich für die Planer, die diesen Platz geplant haben.“

Henrik Lüßmann (Grüne) sah dagegen die Chance, das ursprüngliche Konzept doch noch durchzusetzen: „Wir haben ja jetzt einen teilweise erneuerten Stadtrat. Vielleicht können wir doch noch einmal versuchen, den Hauptplatz auf eine Gemeindestraße herabzustufen.“ Man müsse sich die Realität anschauen, hielt dem Dr. Reinhard Steuer (UBV) entgegen. „Und die ist, dass ,shared space‘ in Deutschland nicht zulässig ist und dass jeden Tag 14000 bis 17000 Autos über diesen Platz fahren.“ Seine Schlussfolgerung: „Es gibt nur eine einzige Möglichkeit für eine sichere Querung und das ist ein Zebrastreifen.“ Steuer sorgte dann auch dafür, dass der Übergang nicht einstimmig abgelehnt wurde (26:1).

Stattdessen wurde die Verwaltung damit beauftragt, Vorschläge auszuarbeiten, wie die Autofahrer sensibilisiert werden können – ohne dass mögliche Entwürfe aussehen dürfen wie offizielle Verkehrsschilder.

Professor Hermann Knoflacher hörte der Diskussion mit einem Schmunzeln zu und kommentierte auf Nachfrage: „Sie erleben die Geburtswehen einer neuen Verkehrskultur. Das ist eine schwere Geburt, die schaffen Sie auch nicht mit alten Werkzeugen.“

Mulden abflachen

Einig war sich das Gremium dann bei der Frage der Regenmulden beidseitig der Fahrbahn. Diese haben sich inzwischen als echtes Hindernis für Rollatoren, Rollstühle und Kinderwagen herausgestellt. „Es gibt deswegen schon eine Petition im Landtag. Wir haben schon einige Male besprochen, dass wir das lösen wollen, wir müssen das jetzt endlich auch machen“, drängte Behindertenbeauftragte Barbara Juchem. Der Stadtrat beschloss dann einstimmig, dass die Mulden „an mehreren Stellen“ (darunter am Zebrastreifen) deutlich abgeflacht werden, um das Überqueren zu erleichtern.

Christoph Kruse

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