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Klassik-Konzert der Kontraste

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Impression von „Klassik in Werk 3“ bei der Firma Rational. Die Musiker aus Prag mit Dirigent Hansjörg Albrecht (rechts) und Solist Alexander Kniazev am Cello.

Landsberg – Es war ein Klassik-Konzert der Kontraste: Von Mozarts fein und lieblich interpretierter „Jupiter-Sinfonie“ bis zu den neun symphonischen Tänzen aus Leonard Bernsteins „West Side Story“ mit vollem Streicher- und sattem Bläserklang und dem Ausreizen des ganzen Instrumentariums reichte das Repertoire bei „Klassik in Werk 3“ mit dem Orchester „Symphonie Prague“. 1450 Zuhörer erlebten in der großen Versandhalle eine außergewöhnliche Darbietung, zu der auch der Cello-Solist Alexander Kniazev maßgeblich beitrug.

Kniazev, Jahrgang 1961 und Preisträger mehrerer Wettbewerbe, ist seit 25 Jahren in bedeutenden Konzertsälen Europas, ja der ganzen Welt, zu Gast. Nun zeigte er in Landsberg beim mittlerweile vierten Konzert „Klassik in Werk 3“ seine Klasse. Nachdem das Orchester Peter Tschaikowskys Variationen über ein Rokoko-Thema mit einem schönen Hornsolo und dem Pizzikato der Streicher eingeleitet hatte, spielte der Solist voller Leidenschaft sein Cello.

Lange Töne intonierte er mit einem starken Vibrator voller Expressivität, die schnellen Sechzehntel und Zweiundreißigstel schüttelte er mit dem Bogen in der rechten Hand gleichsam aus dem Handgelenk, während die Finger der linken Hand nur so auf den Saiten wirbelten. Als Zugabe hörten die Zuhörer vor der Pause vom Solisten die Sarabande in D-Moll von Johann Sebastian Bach. Beeindruckend in diesem Stück ohne Orchester, wie so ein Cello doch so eine große Halle ausfüllen kann, vor allem in den Doppelgriffen. Es war eine virtuose, eine berührende Interpretation.

In der bekannten „Jupiter-Sinfonie“, die Wolfgang Amadeus Mozart im Sommer 1788 schrieb, schlug Dirigent Hansjörg Albrecht im ersten Satz, dem „Allegro vivace“, ein moderates Tempo an. Er wollte das feine Piano der Streicher und die duftigen Einwürfe in den Holzinstrumenten voll zur Entfaltung kommen lassen. Manchmal hatte man freilich den Eindruck, dass die mehr als ein Dutzend Violinen am ersten Geigenpult nur sehr verhalten folgten, wenn der Dirigent – bisweilen sogar mit beiden Händen – mehr Crescendo forderte.

Das sollte sich nach der Pause gründlich ändern. Mal abgesehen von dem kurzen Intermezzo mit einem Satz aus einer Klaviersonate von Mozart. Dieses trug Jürgen Geiger (gebürtig aus Apfeldorf, jetzt Kirchenmusiker in Weilheim), am Flügel vor. Es war wohl mehr als eine Auflockerung zwischen zwei großen Werken gedacht. Und als Atempause für Dirigent und Orchester vor dem finalen musikalischen Höhepunkt.

Zunächst gestalteten die Instrumentalisten aus Prag, die dort in mehreren großen Klangkörpern beruflich tätig sind, die Skizze „Ein Amerikaner in Paris“ gar farbenreich. George Gershwin hatte darin musikalisch verarbeitet, was er 1928 bei einem Besuch in der französischen Metropole gesehen und gehört hatte.

Bei den „Symphonischen Tänzen“ aus der „West Side Story“ holte Dirigent Hansjörg Albrecht, künstlerischer Leiter des Münchner Bachchors und -orchesters ist, aber auch mit mehreren andere Orchester von Neapel bis Moskau als Dirigent Werke einstudiert, unzählige Details aus dem gewaltigen Klangkörper herausgeholt.

Für dieses Werk ist das Orchester zum Konzert bei „Klassik in Werk 3“ nochmals aufgestockt worden. Das stets präsente, fast bissige Piccolo hat der spritzigen Interpretation ebenso gut getan wie der jazzige Trompetenklang oder wie die füllige Tuba. Nicht zu vergessen die breite Riege der Perkussion (mit Xylophon) oder die feinen Harfenklänge. Allein die Streicher sind – unter anderem mit acht Celli und sechs Kontrabässen – auf nahezu 50 Musiker angewachsen. Wann und wo erleben Freunde klassischer Musik abseits der Großstadt schon so ein großes Orchester mit lauter Profimusikern?

Jürgen Geiger musste bei den „Symphonischen Tänzen“ mehrmals zwischen E-Piano und klassischem Flügel wechseln. Noch viel mehr in Bewegung als der Pianist war freilich der Dirigent. Schon durch die exakte Zeichengebung führte Hansjörg Albrecht das Orchester präzise und zielstrebig. Hinzu kam bei ihm das temperamentvolle Mitgehen – mal federnd, mal auf dem Dirigentenpodium fast in die Knie gehend. Er war der Garant für eine einmalige, ja für eine fulminante Aufführung. Hansjörg Albrecht, obwohl mit Mitte 40 noch eher zu den jungen Dirigenten zu zählen, wirkte wie ein reifer, erfahrener Taktgeber. Er hatte aus dem großen Orchester mit dem breiten Instrumentariums alles herausgeholt.

Viermal in Folge

Die künstlerische Leitung bei „Klassik in Werk 3“ hat der Landsberger Kirchenmusiker Johannes Skudlik. Es war mittlerweile das vierte Konzert dieser Reihe, wie auch Rational-Vorstandsvorsitzender Dr. Peter Stadelmann in der Begrüßung erwähnte. Wie groß die Nachfrage bei diesem besonderen Klassik-Event ist, zeigt sich daran, dass die 1460 Karten innerhalb weniger Stunden im Vorverkauf weg waren. Der Erfolg der Aufführungen in den letzten drei Jahren, aber auch „der Geschäftsgang unserer Firma“ hätten dieses vierte Konzert ermöglicht, sagte Dr. Stadelmann vor den Besuchern, zu denen auch Landrat Thomas Eichinger, Oberbürgermeister Matthias Neuner und Landtagsabgeordneter Dr. Thomas Goppel gehörten.

Das Unternehmen werde aus dem Kartenverkauf eine Spende von 21.000 Euro übergeben, kündigte der Vorstandsvorsitzende an, der die Zuhörer auch im Namen von Firmengründer und Aufsichtsratsvorsitzendem Siegfried Meister willkommen hieß. Für welchen Zweck die Spende bestimmt sei, werde noch festgelegt.

Johannes Jais

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