Kunstgegenstände verschwunden

Selbstbedienung im Spital?

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Trügt der Schein? Am Heilig-Geist-Spital sind derzeit 67 Kunstgegenstände spurlos verschwunden.

Landsberg – Wenn Stefan Meiser im Stadtrat präsentiert, wird es manchmal durchaus etwas ungemütlich. Diesmal kam der Vorsitzende des Rechnungsprüfungsausschusses allerdings gar nicht dazu, vorzutragen, was er im Rahmen des Jahresabschlusses für 2013 im Heilig-Geist-Spital festgestellt haben will: Seiner Ansicht nach sind mindestens 67 Kunstgegenstände von teilweise unbekanntem Wert derzeit spurlos verschwunden.

Oberbürgermeister Mathias Neuner (CSU) blieb am Tag nach der Sitzung nebulös. Er habe Meiser einen Teil seiner Präsentation in öffentlicher Sitzung untersagt, da es sich „bis jetzt lediglich um Behauptungen handelt, die man jetzt erst einmal überprüfen muss.“ Um welches Thema es dabei gehen sollte, sagte das Stadtoberhaupt nicht.

Sollte stimmen, was Meiser herausgefunden haben will, dürfte das allerdings für erheblichen Wirbel sorgen. 39 Stücke, deren Wert für die Versicherung mit insgesamt gut 53000 Euro beziffert wurde, sind momentan nicht auffindbar. Dazu gehören unter anderem ein Messgewand (1500 Euro), Figuren für 10000 und 15000 Euro sowie ein Bild von der Kreuzabnahme Jesu (10000 Euro). 28 weitere Gegenstände sind zwar inventarisiert, aber nicht bewertet; darunter Bilder, Uhren, Plastiken und ein Weihwasserkessel.

Es sei jetzt nochmals zu prüfen, wo die Gegenstände denn verblieben sind und ob eventuell Diebstähle bei der Versicherung gemeldet wurden, fordert der Ausschussvorsitzende in dem bislang nicht veröffentlichten Vortrag.

Abgesehen vom Fehlen der wertvollen Stücke hatte Meiser noch mehr zu bemängeln. So sei die letzte Inventur 1997 erfolgt, eine vollständige Liste sei nicht vorhanden gewesen, teilweise fehle die Bewertung der Gegenstände, die außerdem nicht in der Bilanz des Spitals, wohl aber bei der Stiftung ausgewiesen und somit eine „Leihgabe“ seien. Für die Zukunft plädiert Meiser dafür, die Kulturgüter „jährlich im Rahmen der Ermittlung des Anlagevermögens der Heilig-Geist-Spital-Stiftung zu sichten.“

Stefan Meiser bat um Entlastung

Oberbürgermeister Mathias Neuner wehrt sich gegen den Vorwurf, er habe Stefan Meiser als Vorsitzenden des Rechnungsprüfungsausschusses entscheidende Passagen zum Jahresabschluss des Heilig-Geist-Spitals nicht vortragen lassen. Gleichzeitig verteidigt er die Entscheidung, über die angeblich verschwundenen 67 Kunstgegenstände im Spital nicht in öffentlicher Sitzung zu sprechen.

„Der Ausschuss ist ein wichtiges Instrument, um die Arbeit der Verwaltung zu kontrollieren“, so Neuner gegenüber dem KREISBOTEN. „Allerdings haben auch die Mitarbeiter ein Schutzrecht.“ Sollte es tatsächlich Verfehlungen geben, würden diese dienstrechtlich behandelt. „Aber ich kann nicht mit jedem Verdacht, und mehr ist es im Moment nicht, an die Öffentlichkeit gehen, das würde ja auch kein Unternehmen tun“, betont Neuner.

Aus diesem Grund habe er Stefan Meiser tatsächlich untersagt, in öffentlicher Sitzung vorzutragen, dass nach dessen Recherchen derzeit mindestens 67 Kunstgegenstände im Spital (mit unbekanntem Wert) nicht auffindbar sind. „In nicht-öffentlicher Sitzung hätte er das durchaus sagen können, ich kann ihm das Reden gar nicht verbieten.“ Wenn es um den Bericht aus dem Rechnungsprüfungsausschuss gehe, sei dessen Vorsitzender sogar Sitzungsleiter, stellt der OB weiter klar, „ich sage da kein Wort und kann auch nicht mitstimmen.“

Für Neuner ist die Aufregung um die fehlenden Antiquitäten allerdings ohnehin nur teilweise nachvollziehbar. „Soweit ich weiß, sind bis jetzt nur Listen abgeglichen worden. Es könnte durchaus sein, dass Einiges einfach an anderer Stelle aufbewahrt wird.“ So sei etwa bei ersten Nachforschungen eine Figur der Patrona Bavariae schon wieder aufgetaucht. „Da wurde umdekoriert und die stand nicht da, wo sie sonst steht. Vermutlich wird das bei mehreren Gegenständen so sein.“

Dass schließlich der Jahresabschluss 2013 trotz der ungeklärten Sachlage durchgewunken wurde, ist für Neuner ebenfalls nicht problematisch. „Nicht ich, sondern Herr Meiser als Vorsitzender des Rechnungsprüfungsausschusses hat im Stadtrat die Entlastung beantragt.“

Christoph Kruse

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