Tonangebende Werkskapelle

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Die Hirschvogel-Werkskapelle im Benefizkonzert, dirigiert von Johannes Hafenmayr.

Fuchstal/Denklingen – Im Unternehmensalltag sind bei Hirschvogel die drei Herren der Geschäftsführung tonangebend. Anders war das beim Benefizkonzert der Werkskapelle, zu dem am Samstagabend gut 300 Besucher in die Fuchstalkapelle nach Leeder kamen. Da war Dirigent Johannes Hafenmayr der ton­angebende Mann. Mit dem gut 30-köpfigen Klangkörper hatte er ein Programm einstudiert, das einen starken Kontrast bot: Klassische Werke vor der Pause und eher moderne Stücke im zweiten Abschnitt.

Die Werkskapelle, die aus musizierenden Mitarbeitern zwischen Schongau, Landsberg und Kaufbeuren besteht und an diesem Abend mit einigen Gastspielern verstärkt wurde, besteht seit gut 25 Jahren. Seitdem ist Hafenmayr, der bei Hirschvogel im Stammwerk beschäftigt ist, auch der Dirigent.

Die Rumänienhilfe Altenstadt/Denklingen mit den Motoren Matthäus Unsin sowie Rudolf und Helga Lang besteht ebenfalls seit Anfang der 90er Jahre. Ende Oktober waren die Drei zusammen mit weiteren Helfern wieder vor Ort in Rumänien. Dort haben sie Päckchen bei der Caritas abgegeben, eine Schule besucht und Geschenke in ein Kinderheim bei Zagujeni gebracht, das von ihnen früher gebaut worden war. Dazu wurde jetzt ein fünfminütiger Film eingespielt, den Beppo Miller aus Altenstadt erstellt hatte. Zudem haben sie in der Wohnung einer schwerkranken Frau handwerkliche Arbeiten ausgeführt und einen jungen Mann aufgesucht, dem sie vor einigen Jahren eine kleine Unterkunft mit zwei Zimmern errichtet hatten.

Das Unterstützen der Rumänienhilfe Altenstadt/Denklingen war dem 2010 verstorbenen Unternehmenschef Dr. Manfred Hirschvogel ein besonderes Anliegen. Dies betonte dessen Sohn Marc Hirschvogel bei dem inzwischen dritten Benefizkonzert nach 2005 und 2011; er ist Hauptgesellschafter der Hirschvogel Holding. Freuen durften sich Unsin und das Ehepaar Lang namens der Rumänienhilfe auch über eine Spende von 2.500 Euro. Sie wurde im Konzert von Fritz Ressle übergeben. Er stammt aus Schongau, hat in Nordrhein-Westfalen eine Spedition und führt logistische Aufträge auch für Hirschvogel aus.

Frank M. Anisits, Geschäftsführer Produktion, erinnerte an den „Vollblutunternehmer“ und an die Persönlichkeit Manfred Hirschvogels. Dessen Führungsstil sei auf Vertrauen ausgelegt gewesen. Er habe Menschlichkeit gelebt. Zudem habe er mitunter aus dem Bauch heraus die richtige Strategie eingeschlagen. Hochachtung habe Dr. Hirschvogel gegenüber den Motoren der Rumänienhilfe gezollt. Den Initiatoren Lang und Unsin sei auch heute noch ein „unermüdliches Engagement“ zu bescheinigen, sagte Geschäftsführer Anisits.

In kurzen, launigen Ansagen führte Hans Willi Raeth, bei Hirschvogel in der Vorentwicklung tätig, beim Konzertabend in der Fuchstalhalle durch das Programm. Und das, obwohl er nur wenige Stunden zuvor von einer geschäftlichen Reise aus Japan zurückgekehrt war.

Nach dem imposanten Auftakt mit der „Music for the Fountain“ des tschechischen Komponisten Petr Hapka konnten sich die Zuhörer in Bösendorfers Komposition „Il Postiglione d‘ amore“ vorstellen, wie eine Frau der Ankunft des Grafen entgegenschmachtet. Es war eine flotte, opernhafte Musik im Stile Rossinis. Dirigent Johannes Hafenmayr hatte ein moderates Tempo gewählt, so dass die Figuren in Piccolo, Flöte, Oboe und Klarinetten gut zur Geltung kamen. Die Einwürfe in den Tenorhörnern und bei den Posaunen wirkten eher schwerfällig. So auch im Finale des „Viva Belcanto“. Das Drängen des Dirigenten im Accelerando nahmen die Musiker dieser Register nur zögerlich auf.

Mehrere Einsätze hatte Stefanie Herz als Gesangssolistin. Von ihr war unter anderem die Arie „Mein Herr Marquis“ aus der Operette die Fledermaus zu hören. Der „Chanson Napolitaine“ – ein Stück von Tschaikowsky, unterstrich ebenso den mehr klassischen Charakter des ersten Teiles wie der Marsch „Wien bleibt Wien“ des Komponisten Johann Schrammel oder die Polka „Vergnügungszug“ von Johann Strauß junior.

Schwungvoll ging’s mit dem Medley „Les Humphries Singers in Concert“ nach der Pause weiter. Im (modernen) Klassiker „Music“ von Johan Miles war erneut Stefanie Herz als Solistin gefragt; und ein weiteres Mal in der zweiten Zugabe, dem Lied „Guten Abend, gut‘ Nacht von Brahms.“

Seine Qualitäten – vor allem die Tonkraft und die Dynamik – konnte der versierte Klangkörper auch im „My way“ von Frank Sinatra zeigen. Des Weiteren erklangen der wunderbare Pop-Song „One Moment in Time“, 1988 von Whitney Houston zur Eröffnung der Olympischen Spiele in Seoul gesungen, sowie von Neil Diamond das Stück „Gentleman of Music“. Nach so ansprechenden Werken wollte der – in Blaskapellen schon leicht abgedroschen wirkende – „Radetzky-Marsch“ (war die erste Zugabe!) so gar nicht recht als Abrundung ins Programm passen.

Johannes Jais

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