Ziel bei jedem Wetter

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Für die Nutzung des Schloßberg-Areals werden derzeit Ideen gesammelt.

Landsberg – Der Schloßberg ist die Wiege und das Herz Landsbergs. Gebäude, die dort oben stehen, haben durch ihre exponierte Lage Stadtbild prägende Wirkung. Mit diesen Erinnerungen hat sich die Bauverwaltung beim Stadtrat zu Wort gemeldet und Kriterien für eine mögliche ergänzende Bebauung sowie die „Nebennutzung“ für Bürger und Besucher präsentiert.

Sollte die Stadt den Schloßberg nach Umzug der Mittelschüler einer Nutzung zuführen, die eine ergänzende Bebauung erfordert, werde das entscheidenden Einfluss auf das Erscheinungsbild haben, heißt es in dem Papier mit der Überschrift „Bestand schützen, zukunftsorientiert handeln“. Allerdings bedeutet das nicht, dass die Verwaltung eine solche Bebauung an der Stelle des jetzigen (abrissbedürftigen) Mittelschul-Anbaus ablehnt. Die städtischen Mitarbeiter schließen sogar „größere Gebäudevolumen“ nicht aus. Man müsse dabei dann aber über die Realisierung „einer neuen Landmarke“ nachdenken. Sie sollte „Identität schaffen und Erkennungsmerkmal zugleich sein“. Zweites Anliegen der Bauverwaltung ist es, den Schloßberg „zugänglich zu halten und in die erlebbare Stadt zu integrieren“.

Dazu schlagen die Planer vor, einen kleinen Baukörper in Art eines Pavillons über dem bestehenden Bierkeller zu errichten, um diesen zu schützen und zu konservieren. Darin könnte beispielsweise ein Tagungsraum entstehen. Auch könne darüber nachgedacht werden, in einem weiteren Schritt den Bierkeller zu sanieren und als Veranstaltungsraum zu aktivieren. Außerdem wäre es reizvoll, das Gewölbe wie einen Stollen nach Westen hin zu öffnen und mit Glas zu versehen. Die Bauverwaltung erinnert daran, dass der Schloßberg die Aussicht über die Stadt und das Umland ermöglicht. Vegetation und Bebauung sollten diese Aussicht begünstigen, schlagen die Planer vor. Die Gestaltung auf dem Schloßberg solle einladen, „sich zu setzen und den Blick schweifen zu lassen“.

Dabei sollten die Blicke der Besucher mit Infotafeln geleitet werden. Um Besucher auf den Schloßberg aufmerksam zu machen, kämen neben einer Gastronomie und kulturellen Angeboten auch kleine Attraktionen in Betracht. Dazu könnte „ein architektonisch ansprechender Aussichts­turm“ gehören. Die Topografie lasse eine Abfahrt über eine Rutsche wie am Duracher Wasserweg zu. „Maßnahmen wie diese sind nicht nur für Kinder spannend, sondern gestalten einen Ausflug für alle Altersklassen zu einem Erlebnis“, schreibt das Amt. Unabhängig von der Nutzung des Hauptgebäudes biete sich ein Café oder Restaurant mit Freibereichen an. Es sollte bei jedem Wetter den Schlossberg zu einem Ziel machen.

Bei weiterer Schulnutzung des Bestandsgebäudes wäre ein Angebot für die Schüler als Mensa „ein toller Synergieeffekt“. Auch für Veranstaltungen innen wie außen sollten Flächen vorgesehen werden. Für den alten Bierkeller wäre zum Beispiel eine kleine Brauerei wie in Stegen denkbar. Welche Hauptnutzung es für den Schloßberg geben wird, entscheidet sich frühestens nach Vorlage der neuen Schülerzahlen, die derzeit ermittelt werden. Vieles spricht dafür, dass das Haupthaus auch künftig ein Schulgebäude sein wird. Als weitere Möglichkeiten kommen auf Vorschlag der CSU ein „Schloßhotel“ und auf Anregung von Bürgermeister Axel Flörke eine Jugendherberge in Betracht. Diese sowie weitere Nutzungsoptionen werden zurzeit parallel geprüft.

Nur die Lösung „Stadtarchiv“ ist inzwischen offenbar ausgeschieden; die jetzt im Salzstadel angesiedelte Einrichtung, die wenig Publikumsverkehr hat, soll in das städtische Gebäude in der ehemaligen Lechrain-Kaserne umziehen, in der auch das Museumsdepot untergebracht ist. Und für die erwogene allgemeine kulturelle Nutzung bietet sich das freiwerdende Heilig-Geist-Spital an, das auch vom Landratsamt (für die Unterbringung von Berufs- und Fachschülern), der Volkshochschule und der Landsberger Tafel genutzt werden soll. Mit der kurzen, aber effektiven Präsentation hat die Stadtverwaltung durchaus Maßstäbe gesetzt. Das Amt macht den Stadträten und den Bürgern Lust auf eine aktive Stadtplanung an historischer Stelle. Und bestärkt sie sicherlich in dem Gefühl, dass der Schloßberg nicht „privatisiert“ werden darf; er ist nicht disponibel.

Werner Lauff

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