Bootshaus jetzt nach Dießen?

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Seit dem Jahr 2005 liegt das Polizeiboot WSP7 von Frühjahr bis Herbst einsatzbereit am Dampfer­steg in Dießen. Jetzt wird vom Polizeipräsidium Oberbayern geprüft, ob man an dieser Stelle ein Polizeibootshaus errichten kann.

Dießen – Der Wonnemonat Mai endet für Dießens Bürgermeister Herbert Kirsch alles andere als wonnig. Am 30. Mai wird im Marktgemeinderat verkündet, ob nach genauer juristischer Prüfung dem Antrag auf ein Bürgerbegehren gegen den Ausbau der Wolfsgasse statt gegeben wird. Überschattet wird das Ergebnis vom Pflanzengiftanschlag auf die Hecke am Privatanwesen des Bürgermeisters (siehe Titel). Und für den 31. Mai hat sich Besuch im Rathaus angekündigt. Vertreter des Polizeipräsidiums Oberbayern wollen mit Kirsch erörtern, ob man am Dampfersteg in den Seeanlagen ein Bootshaus für das Polizeiboot WSP7 bauen kann.

Kirsch kann über dieses Ansinnen nur mit dem Kopf schütteln, zumal man sich von Seiten der Regierung ja bereits für Holzhausen als Standort des Bootshauses entschieden habe: „Der Kunstpavillon in unseren Seeanlagen steht unter Denkmalschutz, über einen sich harmonisch einfügenden Neubau des Kiosks wird nach dem Bürgerentscheid heftig weiter diskutiert. Und jetzt will man den Dampfersteg mit einem klotzigen Bootshaus verschandeln und den Blick nach Andechs einschränken?“ Seit 2005 liegt das Polizeiboot von Frühjahr bis Herbst am Dießener Dampfersteg, ohne groß zu stören.

Man hat sich daran gewöhnt, zumal Staatsminister Dr. Beckstein damals verkündet hatte, „dass das Boot künftig auf Dauer einen Liegeplatz am Dampfersteg der Staatlichen Seenschifffahrt in Dießen erhalten soll.“ Es sei aber ein Unterschied, ob das Boot im Wasser dümple oder ob da ein klobiges Bootshaus den Dampfersteg verunstalte, so die Meinung der Dießener, die wir zu diesem Thema befragt haben. Als prädestinierter Liegeplatz für das Polizeiboot hat sich der Dampfersteg bislang erwiesen, da er für die Beamten der Polizeiinspektion Dießen bei einem Einsatz schnell erreichbar ist.

So war es für viele unverständlich, dass das Boot in das sieben Kilometer entfernte Holzhausen und dort in ein noch zu bauendes Bootshaus am Dampfersteg umziehen solle. Auf den letzten 50 Metern ist dort die Zufahrt zum „Holzi“ sehr schmal und Einsatzfahrzeuge der Polizei würden Spaziergänger, Schiffsgäste und Radfahrer behindern. Stellplätze für Dienstfahrzeuge fehlen ganz. Laut dem Polizeipräsidium Oberbayern brauche das 2002 für 165.000 Euro angeschaffte Boot nunmehr endlich ein Bootshaus, damit es ganzjährig einsatzfähig sei und nicht in der Stegener Werft überwintern müsse. Man habe alle möglichen Alternativen zu Holzhausen geprüft – Wartaweil, Stegen, St. Alban oder Dießen – und habe sich letztendlich für den historischen knapp 100 Meter langen Dampfersteg in Holzhausen entschieden.

Warum man jetzt trotz „von ganz oben“ abgesegneter Entscheidung für Holzhausen doch wieder Dießen ins Gespräch bringt, liegt vielleicht auch am vehementen Widerstand des Vereins „Unser Dorf“ und der Initiative „Dampfersteg Holzhausen“. In medienwirksamen Aktionen hatten sie gegen die „in der Sache unverhältnismäßige, unnötige und auf den Ort gesehen zerstörerische Baumaßnahme“ protestiert. Erst Ende April war eine Delegation im Münchner Innenministerium, darunter Wolf-Dietrich Lüps (Vorstand Verein Unser Dorf), Daniel Fusban (Initiative Dampfersteg Holzhausen), Karl Sauter (Gemeinderat Utting) und Alex Dorow (MdL für Landsberg). In einem sachlichen Gespräch mit Staatssekretär Gerhard Eck wurden plausible Standortalternativen und Lösungen vorgestellt, die keinen Bootshausbau benötigen. Mit einer Enteisungsanlage und einer Standheizung könne das Polizeiboot in Dießen bleiben und sei ganzjährig einsatzbereit.

Bleibt es aber beim Standort Holzhausen, käme man laut Innenministerium den Initiativen entgegen. Man würde die Uttinger Bürger bei der Planung mit einbeziehen und die Ausmaße des Bootshauses deutlich reduzieren. Auch die Höhe würde nicht das Steggeländer überschreiten. Ob Holzhausen oder Dießen, Bootshaus oder nicht – es bleibt spannend, wie sich Ministerium und Polizeipräsidium letztendlich entscheiden. Der Uttinger Gemeinderat hatte sich bereits im Januar gegen Holzhausen ausgesprochen, obwohl er hier eigentlich nichts zu melden hat. Denn der See ist ein sog. „außermärkisches Gebiet“.

Dieter Roettig

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