500 Jahre Reinheitsgebot

Ein Prosit auf den Gerstensaft

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Gäste von Prinz Luitpold von Bayern und Prinzessin Beatrix waren Landrat Thomas Eichinger (links) und Ex-Minister MdL Thomas Goppel (rechts).

Kaltenberg – „Wer hat‘s erfunden?“ In Anlehnung an den Werbespruch eines Kräuterbonbons steht in den Annalen der Wittelsbacher die Erfindung bzw. Verordnung des „Reinheitsgebotes“ fest und unauslöschbar geschrieben. Bierfreunde und Brauereien in ganz Deutschland feiern derzeit das 500-jährige Jubiläum dieses ersten Lebensmittel- und Verbraucherschutzgesetzes, wonach das Volksgetränk Bier nur aus den Bestandteilen Hopfen, Malz und Wasser bestehen darf.

Prinz Luitpold von Bayern, Nachfahre des Wittelsbacher Reinheitsgebots-Erlassers Herzog Wilhelm IV. und Chef der König Ludwig Schlossbrauerei Kaltenberg, hatte aus Anlass des Jubiläums zu einem Bierfest der Superlative eingeladen. Über 6.500 Mitglieder von 290 Trachten-, Schützen-, Musik- und Traditionsvereinen aus ganz Bayern sowie Tausende von Bierfreunden hatten sich im Schlossgelände und der Ritterspiele-Arena versammelt, um das Reinheitsgebot zu feiern und die Wittelsbacher hochleben zu lassen. Darunter die Volkstanzgruppe Kaufering, Trachtenverein und Alphornbläser aus Dießen sowie die Blaskapellen aus Apfeldorf und Geltendorf.

Kaltenberg feiert das Bier

Sie formierten sich mit den anderen Musikgruppen zu einem 1.300 Mann und Frau starken Orchester, das den Festgottesdienst in der Arena musikalisch umrahmte, geleitet vom Geltendorfer Dirigenten Daniel Klingl. Der feierliche Gottesdienst in der Arena, zelebriert von Pfarrer Thomas Wagner aus Geltendorf und Kollegen aus der Region, war Höhepunkt der Feierlichkeiten. Dabei auch Landrat Thomas Eichinger, Bürgermeister Wilhelm Lehmann, Ex-Minister und MdL Thomas Goppel und als Gastgeber natürlich Prinz Luitpold von Bayern mit Gattin Prinzessin Beatrix und Familie. Umrahmt von Trachtlern mit über 200 Traditionsfahnen hob Pfarrer Wagner ein Loblied auf das Bier an, das die Grundlage unserer bayerischen Lebensfreude sei und auch bei allerlei Zipperlein helfe. Die Predigt endete mit dem Satz „Hopfen und Malz, Gott erhalt‘s. Amen“ Der Wettergott vernahm das gnädig und hielt seine Schleusen bis auf ein paar gelegentliche Tropfen dicht.

500 Cent pro Maß

Was der Feierlaune nach dem Gottesdienst keinen Abbruch tat. In drei Festzelten sowie in der Schlossgastronomie und in den Biergärten floss das Bier in Strömen. 500 Cent für eine Maß war schließlich ein Angebot, zu dem man nicht Nein sagen konnte. Die Schankkellner hatten alle Hände voll zu tun und die fleißigen Bedienungen schleppten Hendl, Spanferkel und Ochsenbraten zu den hungrigen Gästen. Auf jeder Bühne wurde aufgespielt, gesungen und getanzt.

Draußen sorgten Böllerschützen und Goaßlschnalzer für bombige Stimmung. Dass das deutsche Reinheitsgebot das beste Verkaufsargument in alle Welt ist, betonte Prinz Luitpold. So wurde seine Feier live per Video-Konferenz zu seinen Großkunden in China, Georgien und sogar in die Mongolei übertragen. Besonders stolz präsentierte dabei der Bier-Prinz seine streng limitierte „Sonderedition Wittelsbach“ mit fünf königlichen Jahrgangsbieren, die allesamt in alten Portweinfässern bis zu acht Jahren reifen konnten. Sie sind benannt nach Bierlegenden wie den Bayern-Königen Max I. Joseph, Ludwig I. und Ludwig II. sowie nach Herzog Wilhelm IV. von Bayern und Kurfürst Maximilian I. von Bayern. Jedes dieser Jubiläumsbiere hat eine eigene Geschmacksnote, die Biersommelier Artem Vynogradov bei einer Verkostung fachkundig erklärte.

Großes Interesse beim Publikum fand die Sonderausstellung „Königliche Braukunst“ im Schloss. Denn keine andere Dynastie hat für die weltweite Bierkultur so viel getan wie die Wittelsbacher. In ihrer fast achthundertjährigen Regentschaft als Herzöge, Kurfürsten und Könige haben sie Maßstäbe gesetzt, die auch heute noch in vielen Ländern Gültigkeit haben. Mit dem Reinheitsgebot von Wilhelm IV. wurde die Beimischung von billigen und gefährlichen Zusätzen verhindert und so der erste echte Qualitätsstandard für Bier gesetzt. Nicht zuletzt war es Kurfürst Maximilian I., der 1577 den Wittelsbachern für zweihundert Jahre das Monopol auf das Brauen von Weißbier sicherte.

Über 40 familieneigene Weißbierbrauereien sorgten dafür, dass Bier zum bayerischen Nationalgetränk wurde. Durch das Weißbiermonopol konnte das Haus Wittelsbach die bayerischen Staatsfinanzen derart sanieren, dass Bayern im 30-jährigen Krieg eine besonders starke Rolle spielte und dadurch die Oberpfalz und die Kurfürstenwürde hinzu gewann. Dieser Größenzuwachs ist später mit einer der Hauptgründe, weshalb Bayern im 19. Jahrhundert zum Königreich wurde. Prinz Luitpold humorvoll: „Wenn man so will, hat Bayern seine Königswürde nicht erheiratet, sondern ertrunken. Und ohne das Reinheitsgebot würde es Bayern in seiner heutigen Form nicht geben.“ Auch das Oktoberfest wurde von den Wittelsbachern gegründet, ebenso die brauwissenschaftliche Universität Weihenstephan durch Ludwig II.

Heute führt Prinz Luitpold von Bayern mit seinen königlichen Bieren die große Tradition der Wittelsbacher fort. Er setzt sich vehement für den Erhalt des Reinheitsgebots ein. „Für einen echten Brauer ist das keine Fessel, sondern ein Auftrag, sauber zu arbeiten!“ In ein Bier gehöre Hopfen, Malz, Hefe und Wasser. Nichts anderes. Zucker, Mais, Enzyme, Geschmacksverstärker, künstliche Stabilisatoren oder Konservierungsmittel hätten in einem guten Bier nichts verloren. Wer das Reinheitsgebot angreife, öffne diesen Stoffen Tür und Tor. „Das Reinheitsgebot ist kein Selbstzweck, sondern die Grundlage für die einzigartige Erfolgsgeschichte unserer Biere.“ Der Erfolg des Kaltenberger Jubiläumsfestes zum Reinheitsgebot gibt Prinz Luitpold jedenfalls recht. Es hat gefallen und fast alle freuen sich schon auf die weltberühmten Ritterspiele, die hier vom 15. bis 31. Juli stattfinden.

Dieter Roettig

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