Was passt in die Lücke?

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Auf dieser Wiese in „Insellage“ an der Hopfengartenstraße sollen demnächst zwölf Wohnungen entstehen.

Landsberg – Der Bau-, Planungs- und Umweltausschuss des Stadtrats berät am heutigen Mittwoch über ein umstrittenes Vorhaben. Auf einem von Einfamilienhäusern umschlossenen Inselgrundstück an der Hopfengarten- straße, das nach dem Abriss eines kleinen Hauses mit großem Gemüsegarten lange brachlag, soll zur Verwunderung der Anwohner ein Gebäude mit zwölf Wohneinheiten entstehen.

Für dieses Grundstück hatte der Investor, ein Bauunternehmen aus Buchloe, bereits zweimal Vorbescheide erbeten. Noch gültig ist ein positiver Bescheid zum Bau von zwei Doppelhäusern aus dem Jahr 2007. Da für das Grundstück von rund 1.500 Quadratmetern nur Baulinien festgelegt sind, ist für die Bebauung maßgeblich, ob sich das Vorhaben in die Eigenart der näheren Umgebung einfügt. Das hängt von Art und Maß der baulichen Nutzung, von der Bauweise und der zu überbauenden Grundstücksfläche, von der Sicherung der Erschließung und dem erforderlichen Schutz des Ortsbildes ab.

Die Verwaltung empfiehlt dem Stadtrat in der Vorlage, dem Vorhaben das gemeindliche Einvernehmen zu erteilen. Zwar räumt sie ein, dass nicht alle Kriterien erfüllt sind; in der Schlussbewertung heißt es aber, das geplante Gebäude könne in städtebaulicher Hinsicht als neues bereicherndes Element bezeichnet werden. Bedingt durch die rückwärtige inselartige Lage des Grundstücks entstehe ein Spielraum für eine von der unmittelbaren Umgebung abweichende Bauform. Mit dem vorgesehenen Baukörper könnten sowohl städtebauliche als auch architektonische Akzente gesetzt werden, die sich verträglich zu der Umgebungsbebauung verhielten.

Einzigartig

Das sehen die Anwohner allerdings ganz anders. Sie weisen darauf hin, dass das Vorhaben nominell deutlich von vorhandenen Maßen der Bebauung abweicht. Die Grundflächenzahl sei doppelt, die Geschossflächenzahl fast dreimal so hoch wie der Durchschnitt der vorhandenen Bebauung. Auch wäre die dreigeschossige Bebauung (geplant sind zwei zurückspringende Penthouses) für die nähere Umgebung einzigartig.

Ein weiterer Kritikpunkt besteht darin, dass die Erschließung am Spielplatz vorbei über die Hopfengartenstraße erfolgen soll. Damit kreuzen die Bewohner und Besucher des Hauses, die die 23 geplanten Stellplätze (davon 17 in einer Tiefgarage) ansteuern, den Fußweg von Eltern und Kindern. Die ursprünglich nur für ein Einfamilienhaus geplante Zufahrt geht zudem direkt an einem Wohnhaus aus den 60er Jahren vorbei. Ob man das als „gesicherte Erschließung“ bezeichnen kann, dürfte umstritten sein.

Kein offizielles Kriterium sind die geplanten Balkone des Mehrfamilienhauses, die nach der Rechtsprechung unberücksichtigt bleiben. Faktisch führt die Bebauung aber dazu, dass die dort bereits lebenden Anwohner auf ihren Terrassen und in ihren Gärten „Besuch von oben“ bekommen. Bei Doppelhaushälften würde die künftige Nutzung hingegen der bisherigen Umgebungsnutzung entsprechen.

Werner Lauff

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