Mit dem Eicher zum Rekord

+
Hubert Berger aus Unterdießen will mit seinem Traktor einmal um die Welt und damit einen Rekord aufstellen.

Unterdießen – „Der Eicher schafft das!“, sagt Hubert Berger immer wieder. Der Eicher, das ist genauer gesagt ein Eicher Tiger 2, Baujahr 1970. Mit ihm will der 57-Jährige aus Unterdießen das wagen, was vor ihm noch keiner geschafft hat: Einmal mit dem Traktor um die Welt. Mit dieser Tour will Berger nicht nur einen Weltrekord aufstellen, er will vor allem noch einmal ein ganz großes Abenteuer erleben – und den Alltag hinter sich lassen.

Fünf Kontinente, 33 Länder, 50000 Kilometer auf dem Landweg, einen Gebirgspass mit über 4900 Metern Höhe und den Äquator will Hubert Berger auf seiner Abenteuer-Reise mit seinem 45 Jahre alten Traktor überwinden. Die Idee zu dem Vorhaben kam dem 57-Jährigen nach zwei Fernsehberichten. Er habe eine Reportage über ein Ehepaar gesehen, das mit dem Traktor nach Mallorca gefahren ist. Kurz darauf dann einen Bericht über eine Rallye rund um die Welt. Und dann kam ihm die Idee: „Warum nicht mit dem Traktor um die Welt? Das gab es noch nie.“ 

Und weil es das noch nie gab, hat Berger sein Projekt auch gleich bei Guinness World Records angemeldet. Nach Monaten des Wartens kam dann am 28. Januar endlich die erhoffte Mail: Der Weltrekordversuch wird akzeptiert als „Longest journey by tractor“. Seitdem laufen bei dem gelernten KFZ-Mechaniker die Vorbereitungen. Die Route ist genau geplant, allerdings müs- se man immer mit Änderungen rechnen, sagt Berger. Sei es wegen politischer oder anderer Gründe. 

Der Weltrekord-Anwärter will zunächst von Deutschland über Afrika nach Südamerika. Weiter soll es dann über Mittel- und Nordamerika gehen. Mittelamerika sieht Berger als wohl gefährlichste Station an – wegen der Krimina- lität, wie er erklärt. Die USA will er von Osten nach Westen durchqueren, von Miami nach Los Angeles. Von dort soll es weitergehen nach Neuseeland und Australien, über Thailand nach Japan. 

Berger schätzt, dass er mit seinem Eicher rund 200 Kilometer am Tag fahren wird. Er wäre also ein Jahr unterwegs – reine Fahrtzeit. Dazu komme schätzungsweise noch ein Dreivierteljahr für die Verschiffungen des Eichers. Kostenpunkt des ganzen Vorhabens: ungefähr zwischen 120000 und 150000 Euro. An der Finanzierung hängt das Projekt bisher auch noch: „Im Moment habe ich noch gar kein Geld“, gesteht der Abenteurer. 

Eigentlich müsste er aber bereits um die Weihnachtszeit los. Im letzten Drittel seiner Reise will er nämlich in den Himalaya und von Tibet nach Kathmandu fahren: „Das geht aber nur im Sommer.“ Vielleicht startet er aber auch erst im Frühjahr, dann muss er die Route umdrehen. Richtiges Neuland betritt der Unterdießener aber nur in kleinen Teilen seiner Reise-Route. Berger war über zehn Jahre als Reisebusfahrer tätig und ist bereits auf allen Kontinenten gefahren. „Der Omnibusführer- schein hat mein Leben damals komplett verändert“, erzählt der 57-Jährige. Nur Südamerika, Japan und Neuseeland wird er zum ersten Mal bereisen. 

Ein Höhepunkt wird für Berger der Karakorum-Highway, den er bereits 15 Mal gefahren ist. Der Khunjerab-Pass verbindet Pakistan und China. Wegen des Sauerstoffgehalts nicht nur für den Menschen eine Herausforderung, sondern auch für den Motor des Traktors. Doch wieder hat Berger volles Vertrauen in sein Gefährt: „Der Eicher wird’s schaffen.“ 

Strenge Auflagen 

Bis es allerdings so weit ist, muss das 45 Jahre alte Gefährt noch auf Vordermann gebracht werden. Zusätzlich soll der Traktor „sicher gemacht“ werden. Ein Metallkäfig wird den Fahrer vor Angriffen und Überfällen während seiner Reise schützen: „Dazu konnte ich die von Guinness überreden.“ Denn die Auflagen für den Weltrekord sind streng: An jeder Grenze muss er sich eine Bescheinigung unterschreiben lassen, stündlich muss er eine mindestens zweiminütige Videoaufnahme machen, auf der Uhrzeit und Datum eingeblendet sind. Auch Ortsschilder oder markante Landschaftspunkte muss der Weltrekord-Anwärter filmen. 

Ein Wohnwagen, in dem Berger in der Zeit seiner Weltreise leben wird, muss auch noch gefunden werden. Dass er während seiner Reise auf einmal vor unlösbaren Problemen stehen wird, schließt der 57-Jährige aus. Schließlich habe er genug Erfahrung und wisse, worauf er sich einlässt. Und wenn es in diesem Jahr nicht mehr klappen sollte, dann eben im nächsten. Machen wird er diese Reise auf jeden Fall, denn: „Wenn einen das Abenteuerfieber einmal packt, lässt es dich nicht mehr los.“

Astrid Erhard

Meistgelesene Artikel

Der Entwurf steht

Landsberg – Die Hochwasserschutzmauern oberhalb der Karolinenbrücke sind 1913 erbaut worden – nach über hundert Jahren sind sie marode und müssen …
Der Entwurf steht

Vollgas auf eisiger Piste

Reichling – Frostiges Motorsportspektakel unter Flutlicht: Am Freitag, 20. Januar, richtet der MSC Reichling wieder die Zugspitzmeisterschaft im …
Vollgas auf eisiger Piste

Caligula auf Ritalin

Landsberg – Der Inn gurgelt, das Hochwasser kommt, der Pegel steigt. Sigi Zimmerschieds Auftritt im Landsberger Stadttheater spült alles weg, was …
Caligula auf Ritalin

Kommentare