"Ich bin der, der lernt!"

Er ist es gewohnt, selbst kräftig anzupacken: Geltendorfs neuer Pfarrer Thomas Simon. Foto: Osman

Im Pfarrhaus Zu den Heiligen Engeln in der Schulstraße herrscht wieder Leben. Fast eineinhalb Jahre nach dem Weggang von Markus Schäfler hat Geltendorf einen neuen Pfarrer. Thomas Simon Wagner ist 39 Jahre jung, sportlich, dynamisch, offen. Am 7. September tritt er offiziell seinen Dienst an.

Wagner kennt die Welt nicht nur durch die theologische Brille. Der gebürtige Meringer ist ausgebildeter Krankenpfleger, arbeitete in der Anästhesie und auf Intensivstationen. Diesen Beruf hat er, wie er sagt, sehr geliebt. Nach einigen Jahren entschloss er sich trotzdem, das Abitur zu absolvieren und neue Wege einzuschlagen. „Was mich angetrieben hat, war der pure Ehrgeiz“, erzählt er. „Alle meine Freunde hatten Abitur, und da dachte ich mir, das kann ich auch.“ Er landete am katholischen Spätberufenen-Gymnasium St. Matthias in Wolfratshausen und vertiefte hier seine ohnehin schon intensiven Kontakte zur Kirche. Mit der Idee, Klinikseelsorger zu werden, nahm er ein Theolo­giestudium auf. Allmählich reifte jedoch der Entschluss, die „Lebensform Priester“ zu wählen. Seine Eltern hätten „schon ein wenig gebraucht“, um diese Entscheidung zu akzeptieren, räumt er ein. „Aber mittlerweile sind sie sehr stolz.“ Eine „trauernde Freundin“ habe es nicht gegeben. Es sei nie eine Beziehung so stark gewesen, dass sie zu einer Lebenspartnerschaft geführt hätte. Zeit für die Nachfolge Als Nachfolger von Markus Schäfler, der, wie im KREISBOTEN berichtet, sein Amt aufgab, um zu heiraten, tritt Wagner eine durchaus sensible Stelle an. Ängste, dass sich die Geschichte wiederholen könnte, nimmt der neue Pfarrer in Geltendorf dennoch nicht wahr – und wenn, dann wären sie unbegründet, betont er. „Ich bin gesettelt.“ Mit der Neubesetzung der Stelle habe sich die Diözese bewusst fast eineinhalb Jahre Zeit gelassen, damit sich die „Verstörungen“ nach Schäflers Weggang legen konnten. In dieser Zeit haben die engagierten Laien in Pfarrgemeinderat und Kirchenverwaltung vieles alleine stemmen müssen. Deshalb geht Wagner, der zuletzt Kaplan in der Pfarreiengemeinschaft Königsbrunn war, behutsam an die neue Aufgabe heran. Er möchte erst einmal „ein Jahr da sein und mitleben“, bevor er mögliche Veränderungen zur Diskussion stellt. „Zunächst bin ich der, der lernt.“ Dass Geltendorf, Kaltenberg und Hausen, die bisher schon von einem einzigen Pfarrer betreut wurden, nun zu einer Pfarreiengemeinschaft zusammengelegt werden, ist ein organisa­torischer Schritt, von dem die Gläubigen in der Praxis wenig merken werden. Selbstversorger In seiner knappen Freizeit liebt es Wagner, Gastgeber zu sein und als begeisterter Hobbykoch eine große Runde zu bewirten. Dafür steht ein großer Freundeskreis und eine vielköpfige Familie zur Verfügung – Eltern, vier Geschwister, neun Nichten und Neffen, vier Großnichten und -neffen. Dass er in seinem neuen Pfarrhaushalt als Selbstversorger tätig sein wird, unterstützt höchstens von einer Putzhilfe, ist für Wagner selbstver­ständlich. „Ich gehöre einer Generation an, die gelernt hat, Dinge selber zu machen.“ Die Krise, in der die katholische Kirche steckt, möchte Wagner in erster Linie als Chance verstanden wissen. Fast sei die Situation vergleichbar mit der der allerersten Christen, die durch die Hoffnung und Begei­sterung, die sie ausstrahlten, Zulauf gewannen. Auch junge, kirchenferne Menschen könne man als Pfarrer durchaus erreichen, sagt er, und kann das mit ganz persönlichen Erfahrungen belegen. „Als ich im vergangenen Jahr einen jungen Mann beerdigt habe, kam anschließend einer der Freunde des Verstorbenen zu mir und sagte, durch meine Predigt habe er Hoffnung bekommen“, erzählt Wagner. „So etwas ist wie ein Gnadenge­schenk.“

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