"Ich fühle mich nicht eingeschränkt"

Zacharias Wittmann aus Apfeldorf spielt in der U22-Basketball-Nationalmannschaft Foto: Schmid

Eigentlich hatte Zacharias Wittmann nur Basketball gespielt, weil es ihm unglaublichen Spaß machte – bis er von Talentsuchern entdeckt wurde: „Und zack war ich im Leistungssport“, erzählt der junge Mann, der bereits mit 16 Jahren in die U19-Rollstuhl-Nationalmannschaft kam und heute, im Alter von 20 Jahren, im Nationalteam der U22 aktiv ist.

Wer sich unter Rollstuhl-Basketball bislang vielleicht ein eher tempoarmes Spiel vorgestellt hat, wird eines besseren belehrt, wenn er Wittmann beim Training zusieht: „Man stellt sich unter einer Behindertensportart oft so einen ganz langsamen Sport vor“, hat der 20-Jährige festgestellt – „doch es handelt sich hierbei um eine äußert schnelle Sportart.“ Da er selbst entweder als Aufbauspieler oder auf dem Flügel spielt, ist Schnelligkeit für den U22-Nationalspieler besonders wichtig. Nicht nur blitzschnell, sondern auch recht wendig ist der Sportler in seinem extra für’s Basketball konzipierten, 5000 Euro teuren Rollstuhl, der unter anderem mit einem Rammbügel und schräg gestellten Reifen ausgestattet ist. Was ihm bei dieser Sportart am meisten Spaß macht? „Dass man dabei auch mit anderen Menschen, die keine Behinderung haben, in einem Team zusammen spielen kann“ – „das geht bei anderen Sportarten nicht“, antwortet Wittmann spontan. In solch einer gemischten Mannschaft treten alle Spieler – egal ob behindert oder nicht – im Rollstuhl an. „In der Nationalmannschaft ist dieses Zusammenspiel allerdings nicht möglich“, räumt der junge Mann ein – wohl aber in der Liga: Denn wenn der Basketballer gerade nicht mit dem Nationalteam unterwegs ist, spielt er für den SV Reha Augsburg in der zweiten Bundesliga. Dafür nimmt es der 20-Jährige auch in Kauf, dreimal die Woche nach Augsburg ins Training zu fahren, was immerhin rund 63 Kilometer von seinem Wohnort Apfeldorf, wo er seit August letzten Jahres lebt, entfernt liegt. Die Strecke vom Wohn- zum Trainingsort legt er allein im Auto zurück, einer Spezialanfertigung für Rollstuhlfahrer. Barrieren kennt Zacharias Wittmann so gut wie keine – was lange nicht nur auf seine sportliche Karriere oder das Zurücklegen von langen Wegstrecken zutrifft, sondern vor allem auch auf sein tägliches Leben: „Ich fühle mich überhaupt nicht eingeschränkt – das meiste geht auch im Rollstuhl“, versichert der 20-Jährige, der es aufgrund einer angeborenen Krankheit (Spina bifida) noch nie erlebt hat, wie es ist, laufen zu können. „Ich habe selbst acht Jahre Schule ohne Aufzug ganz gut überlebt“, erzählt er von seinen frühen Schuljahren. „Die ersten Jahre musste man mich immer hoch tragen – später hatte ich dann eine Treppenraupe bekommen.“

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