Ideen sammeln und Samen setzen

Sind inhaltlich sehr zufrieden mit der Entwicklung des Bürgerforums Kaufering im ersten Jahr des Bestehens: Wolfgang Haberecht (links) und Peter Vonnahme. Foto: Weh

Die Entwicklung des Marktes Kaufering einmal mit den Augen der Enkel sehen, das hat sich das Bürgerforum Kaufering zum Ziel gesetzt. Seit seiner Gründung vor etwa einem Jahr hat der lose Zusammenschluss interessierter Bürger um die Sprecher Peter Vonnahme und Wolfgang Haberecht zahlreiche Ideen entwickelt, wie ein solches Kaufering in einigen Jahren aussehen könnte. Jetzt haben die beiden erstmals Bilanz gezogen.

„Inhaltlich war das Bürgerforum ein Erfolgsmodell“, erklärte Peter Vonnahme in einem Gespräch mit dem KREISBOTEN. „Vier ganz große Themen“ packte die Gruppierung im vergangenen Jahr seit ihrer Gründung am 26. Februar 2010 an: die Forderung eines Ortsentwicklungsplanes, ein Ortszentrum oder eine Ortsmitte als Identifikationspunkt im Bereich des jetzigen Containerplatzes, eine verkehrsberuhigte Shared-Space-Zone zwischen Kolpingstraße und B17alt sowie ein Marktkaree, welches das Gebiet zwischen Fuggerplatz und Kolpingstraße umfasst. „Wir haben einige wichtige Denkanstöße für Kaufering gegeben“, so Vonnahme. Allerdings sei es dem Bürgerforum zunächst nicht gelungen, diese Ideen in die Köpfe der zuständigen Organe zu transportieren. „Uns ist klar, dass unsere Ideen viel Geld kosten, aber alles, was wir wollen, ist eine Diskussion.“ Nach langem Hin und Her und einigen Missverständnissen, wie Vonnahme sagt, sei es ihnen Anfang März nun doch erstmals gelungen, sich mit Bürgermeister Dr. Klaus Bühler und einigen Marktgemeinderäten an einen Tisch zu setzen. „Das waren intensive Gespräche“, beurteilt er den Ausgang des Treffens. „Wir haben keinen Durchbruch geschafft, aber der ein oder andere wird sicher über unsere Ideen nachdenken.“ Dies wertet auch Wolfgang Haberecht als einen ersten Erfolg. Hauptthema sei die Verkehrsberuhigung der B17alt gewesen. „Hier gibt es auch von Seiten des Marktgemeinderates einige Ideen dazu. Wir haben festgestellt, dass die Gespräche fortgesetzt werden müssen.“ Und Vonnahme ergänzt: „Wir haben uns nicht in den Zielen unterschieden, nur in den Wegen.“ Auch mit Landrat Walter Eichner (CSU), in dessen Verantwortungsbereich die B17alt inzwischen fällt, habe es bereits „eine sehr gute inhaltliche Diskussion“ gegeben. „Die Ideen werden transportiert, das ist unser Hauptanliegen“, erklärt Haberecht. Wenngleich die beiden Sprecher mit der inhaltlichen Entwicklung des Bürgerforums durchaus zufrieden sind, so „sind wir doch ein Bürgerforum ohne Bürger“, bekennt Vonnahme. Von den anfänglich bis zu 15 Bürgern hat sich inzwischen ein mehr oder weniger fester Kreis von nur noch sechs Personen gebildet, der sich einmal im Monat trifft und Ideen entwickelt. „Es hat sich ein Klärungsprozess abgespielt. Wir hatten anfangs nicht ganz klar formuliert, was wir wollen“, schildert Vonnahme das Problem. Viele dachten wohl, das Bürgerforum sei eine Art Bürgerinitiative, die für Einzelmaßnahmen kämpfe. „Wir haben Bürger verloren, die gesagt haben: Ihr redet zuviel und macht zu wenig. Aber wir wollen nicht an den Entscheidungen des Gemeinderates herummäkeln, sondern einen Blick von oben wagen“, meint Vonnahme. "Kontraproduktiv" Was nicht heiße, dass das Bürgerforum sich nicht zur Tagespolitik äußere, stellt Haberecht klar. „So ist der Fuggerplatz für uns definitiv kein richtiges Ortszentrum.“ Die Pläne, die Bücherei dort neu zu bauen, um die Attraktivität zu steigern, halten beide für „kontraproduktiv“. „Die Bücherei gehört nicht dorthin. Das kostet viel Geld und ist nicht die optimale Lösung“, so Vonnahme. Er sieht das Ortszentrum nach wie vor im Bereich des Containerplatzes, sofern die Bayernstraße auf B17alt-Niveau angehoben werden würde, wie es schon mal Bühlers Pläne waren. „Man könnte dort Kultureinrichtungen schaffen, das Rathaus unterbringen und auch die Bücherei integrieren. Nicht sofort, aber in ferner Zukunft.“ Die Zukunft Kauferings ist es, die den beiden am Herzen liegt. Deshalb werden sie auch trotz mangelnden Interesses der Bürger weitermachen. Neben den bisherigen Konzepten stehen demnächst die Themen „Demokratie und Bürgerbeteiligung“ sowie vorrangig aus gegebenem Anlass ein Energie- ­konzept auf der Tagesordnung. „Kaufering ist im Prinzip auf dem richtigen Weg, indem der Bürgermeister seinen Blick auf alternative Energien richtet“, so Vonnahme. Nicht diskutiert werde allerdings, wo sich Energie einsparen lasse. „Die Potentiale sind gewaltig. Was ich einspare, muss ich nicht produ­zieren.“ Deshalb will sich das Bürgerforum intensiv mit der aktuellen Energiesituation in Kaufering auseinandersetzen und aufzeigen, an welchen Stellen, „beispielsweise in öffentlichen Gebäuden“, Energie eingespart werden kann. Der Bürger soll dabei von vornherein miteinbezogen werden, so dass er sich mit den Ideen identifizieren kann, sagt Haberecht. „Denn ich sehe das Bürgerforum als langfristige Perspektive: Wir sammeln Ideen und pflanzen Samen. Vielleicht wachsen daraus ja mal Bäume und unsere Enkel können sagen: Toll, was Ihr hier in Kaufering gemacht habt.“

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