In China gibt‘s kein Doppelbock

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Das Essen ist gewöhnungsbedürftig: Sebastian Leiß als Missionar Ignaz Kögler und Johanna Deml als sein Begleiter überzeugen durch ihr Können.

Landsberg – Ein Theater in Stationen bietet das Stück „Ignaz – der Mandarin aus Landsberg“. Der Oberstufenkurs „Dramatisches Gestalten“ des Ignaz Kögler Gymnasiums zeigt das Leben des Missionars, der am Hof des Kaisers von China als Astronom arbeitete. Von der Säulenhalle geht es ins Foyer des Stadttheaters und von dort aus in den Theatersaal: Mit viel Tempo, einem genialen Bühnenbild und gutem Schauspiel erzählt das spannend aufgebaute Stück „Ignaz“ die sicher nicht allen bekannte Geschichte des Landsberger Missionars.

In der Säulenhalle. Ignaz Kögler (Sebastian Leiß) und sein Begleiter Slawiczek (Johanna Deml) sitzen frustriert am Tisch. Ein Brief Clemens XI. hat ihre Hoffnungen zunichte gemacht: Die chinesischen Traditionen werden vom Papst nicht toleriert – die Mission ist damit unmöglich. Für Ignaz bricht eine Welt zusammen: Zwar soll er eigentlich dem chinesischen Kaiser den Lunisolarkalender berechnen, aber sein Ziel ist die Mission. Doch bevor das Ende erzählt wird, springt die Regie zum Anfang aller Dinge: ins Klassenzimmer des Jesuitengymnasiums nach Landsberg.

Ignaz Kögler versucht verzweifelt, seinen Schülern die Schönheit der griechischen Sprache beizubringen. Die bewerfen sich jedoch nur gelangweilt mit Papierkügelchen. Wenn es denn Griechisch sein muss, dann bitte im Rap zum Song der Fantastischen Vier. Dann eben Grammatik. Was ist der Genitiv? Der „ist dem Dativ sein Tod“, meint einer der Eleven. Die Unwissenheit der Schüler lässt Ignaz zu den Studenten nach Ingolstadt fliehen. Doch auch dort trifft er nicht auf den Wissenshunger, den er sucht. Das Schreiben des Papstes kommt da gerade recht: Er als mathematisch bewanderter Missionar wird an den Hof des wissensdurstigen chinesischen Kaisers geschickt. Doch zuerst droht die gefahrenvolle Überfahrt in die portugiesische Kolonie Macau. Und deshalb zum Verabschieden des eifrigen Missionars: Ab ins Foyer des Stadttheaters.

Oben auf der Treppe zur Galerie thront der Kapitän (Luca Quast) vor seinem Steuerrad. Um ihn herum Segel, einzelne Passagiere rennen aufs Schiff und drapieren sich an der Reling, dem Geländer der Galerie. Ignaz und Slawiczek handeln die Überfahrt aus und schiffen sich ein. Doch kurz vor Macau kommt ein schwerer Sturm auf: Die Passagiere wanken in der dräuenden See, der Wind lässt die Segel knallen, Slawiczek betet einen Rosenkranz nach dem anderen… Es ist begeisternd, mit welch geringen Mitteln die Schauspieler einen Sturm so real werden lassen, dass man selbst fast seekrank wird. Schon in der Säulenhalle wandelte sich in Sekunden ein Zimmer zum Klassenraum, später wird es eine Kutsche mit Rädern aus sich drehenden Regenschirmen geben. Und eine Szene auf Chinesisch mit Untertiteln – chinesische Emoticons inbegriffen. Doch zurück zum Sturm. Das rettende Macau wird erreicht: Auf in den Theatersaal.

Hier begrüßt die Zuschauer China in bunten Farben und Formen: Zwei Plüsch-Wächterhunde in knallgelb und feuerrot becircen durch ihre Tapsigkeit, ein Papierdrache in Rot und Gold flattert über die Bühne. Nach einigen Problemen mit dem ungewohnten Essen – Slawiczek wird sich nicht nur da eine Schweinshaxe und ein Doppelbock wünschen – geht es an den Hof des Kaisers. Ignaz verrichtet seine astronomische Aufgabe, aber auch seine Ernennung zum Leiter des astronomischen Amtes und Mandarin Zweiten Grades ändert da nichts: Sein Herzblut gilt der Mission. Und die geht viel zu langsam.

Die Anordnung des Papstes, die chinesischen Traditionen zu verteufeln, empfindet Ignaz als arrogant: „Die Kardinalstugenden sind doch hier die gleichen!“ Als Kaiser Kangxi stirbt, ist alles verloren. Das Bekenntnis zum christlichen Glauben wird unter Todesstrafe gestellt, Missionare und Christen niedergemetzelt. Zudem wirft der Papst den Missionaren Machenschaften mit Chinas Kaiser vor: Sie selbst seien an den zahlreichen Toten schuld. Ignaz sieht sein Ziel gescheitert. Auch Slawiczeks letzter Versuch („Vielleicht benennen sie ja mal eine Schule in Landsberg nach dir.“) hilft nicht. Er erkrankt und stirbt in Peking, wo er auch begraben ist.

Das Regieteam Julia Andres und Wolfgang Nägele sowie die Lehrer Florian Kopp und Ferdinand Höng studierten das Stück ein. St. Ottilien lieh den Schauspielern die chinesischen Drachen. Doch die eigentliche Leistung liegt bei den Schauspielern und Stückeschreibern: Das Stück ist gut, spannend und kurzweilig. Und die Mitwirkenden können es, das Schauspielen.

Susanne Greiner

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