Ilse Aigner in Denklingen

"Wir brauchen neue Gründerinitiativen"

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Im Gespräch. Wirtschaftsministerin Ilse Aigner und Werner Dacher von Hirschvogel Automotive. Hinten CSU-Ortsvorsitzender Michael Kießling.

Denklingen – „Wir brauchen eine neue Gründerinitiative.“ Das betonte Wirtschaftsministerin Ilse Aigner beim politischen Josefitag der CSU in Denklingen. Dafür werde der Freistaat Bayern einen Wachstumsfonds mit einer halben Milliarde Euro bereitstellen. Vor 200 Zuhörern befasste sich die stellvertretende Ministerpräsidentin mit zahlreichen Themen, kristallisierte aber einen Schwerpunkt heraus: die Bedeutung des Unternehmertums, vor allem des Mittelstandes.

Freitagabend in Denklingen. Ilse Aigner, in eleganter hellgrüner Jacke und im schwarzen Rock, zieht zusammen mit Bürgermeister Michael Kießling, MdL Dr. Thomas Goppel sowie weiteren Christsozialen in die weiß-blau dekorierte Mehrzweckhalle ein. Die Musikkapelle, dirigiert von Sandra Lin- der, spielt dazu den Bayerischen Defiliermarsch.

Für den erst vor wenigen Wochen neu gegründeten CSU-Ortsverein Fuchstal ist der politische Abend mit der stellvertretenden Ministerpräsidentin ein Feiertag, ein erster Höhepunkt. Michael Kießling, Vorsitzender des jetzt größeren CSU-Ortsverbandes, will mit der Kundgebung an frühere Josefi-Feiern in Denklingen anknüpfen; zu einer war mal der frühere hessische Ministerpräsident Roland Koch als Redner gekommen.

Mehr Arbeitsplätze

Ilse Aigner spricht ohne Manuskript. Die Rede dauert eine Dreiviertelstunde. Die ehemalige Bundesministerin für Landwirtschaft und Verbraucher- schutz (2008 bis 2013) unterstreicht anfangs den Beitrag der Bauern für die Kulturlandschaft und kommt als nächstes auf das Handwerk zu sprechen. Zwei Millionen Menschen seien seit 1990 nach Bayern gezogen – wegen der Schönheit des Landes, aber auch wegen der Arbeitsplätze.

Diese seien allesamt von Unternehmern – häufig mittelständischer Prägung – geschaffen worden, gibt die 50-jährige Politikerin zu bedenken. Sie ist selbst als jüngste Tochter in einer Handwerkerfamilie mit vier Kindern aufgewachsen ist und habe das „tägliche Ringen um Aufträge“ als Kind intensiv erfahren.

Das Bild der Unternehmer dürfe nicht „wegen einiger schwarzer Schafe“ in den Schmutz gezogen werden, betont die Wirtschaftsministerin. Gewinne seien unerlässlich, um Investitionen zu ermöglichen. Darum werde sie dagegen kämpfen, dass bei der Erbschaftssteuer mittelständische Betriebe massiv heran gezogen werden.

Zur Bildung sagt Ilse Aigner, es gebe Theoretiker und Praktiker. Alle hätten ihre Potenziale; sie seien „gleichwertig, aber nicht gleichartig“. Laut wird die Stimme der Ministerin, als sie den Satz ins Mikrofon ruft: „Der Mensch beginnt nicht erst beim Abitur.“ Da kriege sie echt einen Hals, wenn die Mittelschule in Bayern als Restschule bezeichnet werde. Heutzutage gebe es bei jedem Abschluss immer einen Anschluss.

Als Herausforderung sieht sie die Tendenz, dass immer mehr Ärzte, Architekten oder Rechtsanwälte nicht mehr freiberuflich, sondern als Angestellte arbeiten. Auch deshalb bedarf es einer neuen Gründerinitiative.

Eine andere Herausforderung sei die Digitalisierung, die Aig­ner als „eine der Jahrhundertaufgaben“ beschreibt. Es gehe darum, riesige Mengen Daten zu verarbeiten. Daran zu verdienen, sei mit dem „Gold des 21. Jahrhunderts“ vergleichbar. Die Wirtschaftsministerin ergänzt, dass der Freistaat Bayern 1,5 Milliarden Euro für die Breitverkabelung ausgebe und zudem 200 Millionen Euro in die Forschung zur Digitalisierung investiere, um Zukunftstrends rechtzeitig zu erkennen.

Abspann mit Goppel

Für das (gar ausführliche) Schlusswort, bevor die Kapelle die Bayernhymne spielt, ist Polit-Routinier und MdL Thomas Goppel zuständig. Er spannt einen breiten Bogen bei den Themen. Bis hin zu der Ansage, dass die Brezen an den Tischen gratis seien. Die 200 Besucher, die vorwiegend aus dem Landkreis Landsberg kamen, einige aber auch aus dem westlichen Weilheim-Schongau und dem angrenzenden Ostallgäu, nehmen es wohlwollend auf.

Johannes Jais

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