Immer mehr Bienen sterben

Blühende Wiesen voll mit goldgelbem Löwenzahn über denen es summt und brummt? Das gibt es immer weniger. Auch im Landkreis Landsberg nimmt die Zahl der Bienenvölker ständig weiter ab. Die Gründe für das Bienensterben sind vielfältig – der lange Winter und der Befall der Varroa-Milbe sind da nur Teilursachen. Der KREISBOTE sprach mit Arno Bruder, dem Imkerei-Fachberater für Oberbayern, der auch den Einsatz von Pflanzenschutzmittel kritisiert. Bruder leitet die Imkereischule des Regierungsbezirks am Agrarbildungszentrum in Landsberg.

Oberbayerns Imker haben jetzt ihre Bienen-Bestände begutachtet. Wie sehr sind die Imker vom Bienensterben betroffen? Arno Bruder: „Ganz unterschiedlich. Wir haben Imker, die sind mit der Auswinterung zufrieden und beklagen keine Verluste. In anderen Fällen gibt es Totalverluste. Insgesamt gibt es überproportional hohe Winterausfälle. Früher lagen sie im Schnitt bei rund zehn Prozent – heute sind es teilweise 30 Prozent und mehr. “ Wie lassen sich die Zahlen richtig abschätzen? Arno Bruder: „Ein guter Indikator ist der Bienenmarkt. Die Nachfrage nach Bienenvölkern ist im Moment sehr hoch. Das Angebot reicht dafür aber in keinster Weise aus. Es werden Bienenvölker aus Spanien, Frankreich, Italien und anderen Ländern geordert. Die Händler sagen mir, der Markt sei absolut leergefegt. Man muss Glück haben, wenn man überhaupt noch Bienenvölker bekommt.“ Welche Ursachen gibt es für das Bienensterben? Arno Bruder: „Der lange Winter ist nicht der einzige Grund für das Bienensterben. Bienen können sich normalerweise auf die Kälte einstellen – doch nur wenn die Bienenvölker groß genug sind. Je stärker die Völker in den Winter gehen, desto geringer waren die Ausfälle bei harten Wintern. Heute sind die Bienenvölker aber oft geschwächt. Als Ursachen dafür gelten Pestizide, Parasiten oder Virenbefall und Stress. Ein großes Problem ist dabei der Befall durch die Varroa-Milbe, die wir zu bekämpfen versuchen.“ Wie schätzen sie die Auswirkungen von Monokulturen auf den Feldern für die Bienen ein? Arno Bruder: „Das ist wie beim Menschen. Wenn sich die Bienen einseitig ernähren – es gibt immer mehr Monokulturen (Mais- und Getreidefelder) und immer weniger blühende Wiesen – ist das schlecht für den Organismus der Tiere. Ihre Lebenszeit verkürzt sich. Die Winterbiene hält dann nicht mehr so lange durch. Was können Landwirte für die Bienen tun? Arno Bruder: „Zum Beispiel sollte erst abends gemäht werden, wenn keine Bienen mehr auf Wiesen und Feldern unterwegs sind, sonst werden die Tiere massenhaft getötet. Auch Blütenspritzungen sollten erst in den Abendstunden erfolgen. Meiner Meinung nach, wird ohnehin viel zu viel gespritzt. Hier sollten unsere Landwirte vorsichtiger sein.“ Wird da zu einseitig gedacht? Arno Bruder: „Ja. Man muss einfach sehen, dass sich alle Entscheidungen in der Natur auch auf alle auswirken. Es ist alles miteinander vernetzt. Wenn es keine Bienen mehr gibt, werden die Blüten von Obstbäumen nicht mehr bestäubt. Auch Süßkirschen-, Himbeeren- oder Erdbeeranpflanzungen brauchen die Bienen, genauso wie viele Naturpflanzen, die ohne Bestäubung keinen Samen bilden. Die Samenbildung ist Grundlage für den Fortbestand der Pflanzen. Nebenbei sind viele Kleinstlebewesen und Vögel auf diese Nahrungsquellen angewiesen.“ Wie viele Bienenvölker gibt es derzeit im Landkreis Landsberg? Arno Bruder: „Zu Beginn des Jahres haben wir 2717 Bienenvölker gezählt. Im Laufe der letzten Jahre hat die Zahl aber abgenommen. Aber auch wenn die Bienenvölker weniger werden – das Interesse an der Imkerei ist groß. Im Landkreis gibt es 298 Imker, die in fünf Vereinen organisiert sind.“ Wie zeigt sich dieses Interesse an der Imkereischule in Landsberg? Arno Bruder: „Wir können uns kaum retten vor Anfragen und arbeiten an der Kapazitätsgrenze. Zuletzt hatten wir etwa 1700 Kursteilnehmer. Neben Kursen, gibt es Fortbildungen für Multiplikatoren, die dann ihr Wissen in die Vereine weitertragen. Die Schule bietet aber auch Dienstleistungen für die Imker, nicht nur für den Honig, sondern auch für die Wachsverarbeitung.“ Wenn es immer weniger Bienen gibt – woher kommt dann der Honig, der angeboten wird? Arno Bruder: „Wir haben hier in Deutschland eine absolute Unterversorgung mit heimischem Honig. Weniger als 20 Prozent dessen, was benötigt wird, kommt von deutschen Imkern. Daher wird importiert – Verschnitthonig aus aller Welt, aus Südamerika und mittlerweile auch aus Asien. Nicht immer hat dieser Honig auch eine hohe Qualität.“ Worauf sollte man beim Honig-Einkaufen achten, wenn man auf Qualität setzt? Arno Bruder: „Ich rate dazu, Regionalmarken zu kaufen. Am allerbesten ist es natürlich, sich einen Imker in der Nähe zu suchen.“

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