Sound der Großstadtcowboys

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Von echten und von Großstadtcowboys erzählt die Berliner Underground-Band „Infamis“ in ihren Liedern.

Landsberg – „Viel Spaß, wir singen euch Lieder.“ Mit dieser Kurzformel hat Infamis- Frontman René Schwettge das Publikum im Stadttheater begrüßt. Lieder: der Begriff scheint bewusst gewählt, es sind Lieder, keine „Songs“, kein Gedudel, sondern ganze Welten, die sich darin verbergen – rockig, schräg, atmosphärisch, laut und mit ganz eigener Sogwirkung.

Regisseur Wim Wenders war nicht nur zum Konzert „seiner“ Band vor Ort, sondern auch zur Aufführung von „Pina“ im Olympia-Filmtheater und zur Sonntagsmatinee im Stadttheater, wo „Salt of the earth“ gezeigt wurde.

Fünf Bandmitglieder, vier Männer, eine Frau, alles Multi- Instrumentalisten. Sänger René Schwettge greift öfter zur Gitarre, zu verschiedener Kleinpercussion oder gar zur Melo- dika. Mit rauer Stimme erzählt er die Tragödie des Mannes, der vergeblich versuchte, Billy the Kid zu erschießen, vom Feigling, der Jesse James ermordete, die Songs tragen Namen wie „Underground 1“, „Apologies“, sind aber doch nahezu alle auf Deutsch, was ihnen eine hohe Authentizität verleiht, Geschichten aus der Großstadtwüste. Der Sound erinnert an Johnny Cash, Nick Cave, ab und zu an Phillip Boa, ist aber doch etwas ganz eigenes. Im Hintergrund laufen Videoinstallationen: einsamer Cowboy (Schlagzeuger Benno Verch) in einer kahlen Landschaft, ein kleines Mädchen auf der Suche, starke Bilder, die die Atmosphäre der Lieder noch verstärken. Als Hommage an Landsberg, wo Johnny Cash immerhin seine erste Band gründete, spielten Infamis „Ghost Riders in the sky“.

Wim Wenders entdeckte die 1987 gegründete Berliner Underground-Band eher zufällig, bei einem Besuch eines Musiksenders in San Francisco. Der Moderator schenkte ihm eine EP (Extended Play) der Band, die seitdem in Wenders Koffer mitreiste. Beim Hören dann faszinierte ihn die Musik der Berliner, erzählt er im Stadttheater. „Ich mag Rock ’n’ Roll, ich mag Western, Johnny Cash, Infamis ist das alles“. Glücklicherweise hatte Wenders bereits ein eigenes Musiklabel „Wendersmusic“ gegründet, aus der Not heraus, da niemand seinen Soundtrack zu „Pina“ herausbringen wollte. Also nahm er „Infamis“ gleich unter Vertag, als sie ein Label für ihr sechstes Album „Im Westen der Himmel“ suchten.

Die Landsberger teilten die Begeisterung des Regisseurs für die Band, tosender Applaus begleitete die Band, die sich mit mehreren Zugaben, zuletzt einer furiosen Version von Bob Dylans „Man in a long black coat“ verabschiedete.

Patricia Eckstein

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