Seit 2014 ein voller Erfolg

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Sanierter Altbau, schöner Garten – So lässt es sich aushalten: Barbara Schneider (Mitte) mit den beiden Bewohnerinnen der inklusiven WG, Regina (links) und Patricia.

Landsberg – Als Projekt ging die Inklusive WG von Regens Wagner im September 2014 an den Start. Sie sollte zwei geistig Behinderten helfen, durch das Zusammenleben mit drei nicht-behinderten Bewohnern Freiheiten zu erlangen. Gut eineinhalb Jahre später ziehen WG-Mitglieder und Organisatoren ein rundum positives Fazit.

Die Entscheidung, wann man die eigenen vier Wände betritt und verlässt, wann Besuch kommt und überhaupt, wie der Tag so abläuft, das ist für die meisten Menschen Alltag. Mit Behinderung stellt sich das schwieriger dar. Barbara Schneider, Koordinatorin der Offenen Hilfen Ostallgäu bei Regens Wagner erklärt, dass es für viele geistig Behinderte bei der Wahl der Wohnform zwei Pole gäbe: Komplette Selbstständigkeit oder das Heim. Dazwischen rangieren zwar ambulant betreute Mischformen, ein inklusiver Ansatz fehlt aber meist. Doch eine Ausnahme gibt es seit September 2014 in Landsberg. Denn seitdem leben in einem von Regens Wagner angemieteten Haus in der Malteserstraße drei nicht-behinderte mit zwei geistig behinderten Menschen in einer inklusiven WG zusammen.

Ein- bis zweimal pro Woche schaut eine Betreuerin vorbei, ansonsten gehen alle fünf ihrem Alltag völlig selbstbestimmt nach. Ein großer Gewinn an Freiheit für Patricia (25) und Regina (50), die tagsüber in den Magnus-Werkstätten zur Arbeit gehen. Auch sonst böten sich viele neue Möglichkeiten: Zur Bushaltestelle sei es nicht weit, zu Fuß geht es schnell in die Stadt und das als Einkaufs- und Freizeitmöglichkeit sehr geschätzte In-Center liegt um die Ecke.

Als entsprechend großen Erfolg bewertet Schneider die WG, die nun eineinhalb Jahre lang in derselben Zusammensetzung zusammenlebte. Bis jetzt, denn auch wenn das Bedauern groß ist, verabschiedet sich das erste nicht-behinderte „Urgestein“. Die Ausbildung ist abgeschlossen, der Zusammenzug mit dem Freund steht an. Eine Nachfolgerin ist aber bereits gefunden, die weibliche Überzahl bleibt ab Anfang Mai gewahrt. Verena – der Neuen – gleich die Stadt zu zeigen, hat sich Patricia vorgenommen und sie hofft, auf einen „lustigen, netten und gesprächigen“ Neuzugang. Auch ein Schuss Fußballbegeisterung schadet sicher nichts, denn die Bundesliga und das interna­tionale Geschehen werden mit größtem Interesse verfolgt und heiß diskutiert.

Einen „pädagogischen Auftrag“ gibt es für die nicht-behinderten Bewohner, von denen keiner einen Regens-Wagner-Background mitbringt, indes nicht, berichtet WG-Mitglied Andi aus seiner Erfahrung. Zumindest keinen, der speziell mit der WG zu tun habe. Viel mehr gehe es „ganz normal“ zu, wie überall variierten eben die Vorstellungen, wie beispielsweise der gemeinsame Haushaltsplan umzusetzen sei. Gemeinsame Zeit, die alle Bewohner als Bereicherung erleben, werde beim Kochen, Essen oder beispielsweise Gesellschaftsspielen verbracht. Nachdem jüngst ein WG-Zimmer frei geworden war, gab es eine „Flut“ an Anfragen, berichtet Schneider. Die günstige Miete sei für viele junge Menschen, wie Studenten, Praktikanten und Azubis reizvoll. Viele Interessenten seien auch „Leute in Not“ gewesen, die teils zu zweit oder dritt einziehen wollten. Die Nachfrage nach Wohnraum sei eben groß, was auch die Umsetzung weiterer inklusiver WGs erschwere.

Auf Wohnungssuche sind möglicherweise auch Regina und Patricia bald. Die inklusive WG soll beide auf eine eigenständige Haushaltsführung vorbereiten. Patricia liebäugelt mit einem Umzug ins Allgäu, wo sie aufgewachsen ist, Regina könnte sich ein eigenes Domizil nahe des Englischen Gartens vorstellen. Denn dann wäre der Fußweg der Ministrantin in die Kirche kürzer. Den nimmt sie aktuell aber gern in Kauf, ihre WG sei einfach „toll“.

Rasso Schorer

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