Inmitten spielender Kinder – SOS-Kinderdorf würdigt ersten Dorfleiter Jürgen Froelich mit Gedenkstein

Als vor genau 50 Jahren die ersten Buben und Mädchen das erste deutsche SOS-Kinderdorf in Dießen eroberten, war er bereits da: Jürgen Froelich, erster Dorfleiter, Weggefährte und enger Vertrauter von SOS-Gründer Hermann Gmeiner und bis zuletzt wichtiger Mitstreiter im SOS-Kinderdorf-Verein. Im Oktober 2007 ist der Mann mit dem großen Herz für kleine Leute verstorben. Damit die Erinnerung an ihn in „seinem“ Dorf weiterlebt, wurden zum Jahrerswechsel eine Linde und ein Gedenkstein eingeweiht – nahe des Spielplatzes, inmitten „seiner“ Kinder.

Jürgen Froelich fand seine Lebensaufgabe erst mit 34 Jahren im SOS-Kinderdorf in Imst: Der gebürtige Hamburger besuchte 1954 das Dorf, von dem er schon viel in Zeitungen gelesen hatte. „Er war damals am überlegen, ob seine berufliche Tätigkeit für ihn auf Dauer das Richtige sei“, berichtete SOS-Kinderdorfleiter Erich Schöpflin in seiner Rede zur Gedenksteineinweihung. Froelich beschloss, sein Le- ben künftig in den Dienst benachteiligter Kinder zu stellen. Froelichs Lebenslauf ähnle damit dem vieler ehemaliger, jetziger und zukünftiger SOS-Kinderdorfmütter, betonte Schöpflin. Denn auch sie suchten aus einem aktiven Berufsleben heraus neue berufliche Erfüllung und fühlten sich von der Sinnhaftigkeit der SOS-Kinderdorfar- beit angesprochen. Kein Wunder also, dass Froelich zeitlebens den Kinderdorfmüttern eng verbunden war: Als Dorfleiter förderte und entlastete er sie, als erster Geschäftsführer des deutschen SOS-Kinderdorfvereins behielt er sie stets im Blick und auch als Rentner ließ er den Kontakt nicht abreißen und traf sich jeden Monat mit den ehemaligen SOS-Kinderdorfmüttern in Dießen. Viele von ihnen erlebten nun zusammen mit aktiven Kolleginnen, dem langjährigen Dorfleiter Hajo Rothkopf sowie Vertretern der Geschäftsstelle in München die Gedenksteineinweihung mit. Während Froelich sich in den fünf Jahrzehnten seines Wirkens für SOS-Kinderdorf stets dafür einsetzte, die Arbeit des Vereins publik zu machen, wollte er selbst nie ins Rampenlicht treten. Deshalb freute sich Verwaltungsratsvorsitzender Prof. Dr. Hanjo Sauer, der Baum und Stein weihte, besonders über den Empfang in der Bayerischen Staatskanzlei anlässlich des 50-jährigen Bestehens des Vereins: Denn dort hatte Froelich die verdienten Standing Ovations von seinen Mitarbeitern erhalten. Zuversicht, Mahnung, Mut Für den jetzigen Dorfleiter, Schöpflin, ist das Wirken seines Vorgängers verbunden mit „Zuversicht, Mahnung und Mut“: Zuversicht, dass sich immer wieder Menschen für die Mitarbeit im SOS-Kin- derdorf entscheiden werden, Mahnung, dass das sinnerfüllte und selbstbestimmte Arbeiten vor allem für die SOS-Kinderdorfmütter erhalten bleibt und Mut, im Interesse der Mütter und ihrer Buben und Mädchen auch einmal unbequem zu werden. Denn natürlich lagen auch die Kinder Froelich besonders am Herzen: In den Anfangsjahren des Vereins nahm er die Buben und Mädchen noch selbst auf und prägte sich ihre Namen ein. Den Kontakt zu ihnen ließ er nie abreißen, selbst noch im Rentenalter unternahm er regelmäßig Bergwanderungen mit den Jugendlichen. Eines der Kinder adoptierte er sogar: Friedel Froelich, der vergangenes Jahr den Anstoß zur Pflanzung der Linde gab. Für Baum und den Gedenkstein wurde deshalb bewusst nicht ein Ort der Besinnung gewählt. Beide erinnern vielmehr an dem Platz an ihn, den sich Froelich laut Schöpflin wohl selbst ausgesucht hatte: inmitten von vergnügt spielenden Kindern.

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