"Riesenabenteuer und Experiment"

Mut wächst mit der Gefahr

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Ralf Weikinger (rechts) und die Teilnehmer seines Theaterprojektes proben die Anfangsszene des Abends: Eine Collage aus Liedern, Szenen, Gedichten und Tänzen. Am Samstag ist Premiere im Stadttheater.

Landsberg – Schauspieler Ralf Weikinger sieht es als „Riesenabenteuer und Experiment“: Seit März gestaltet er mit mehreren Immigranten zusammen einen Theaterabend, und dieses Wochenende geht es endlich auf die Bühne. Vor Publikum. Es sind hauptsächlich junge Männer aus Syrien, Iran, Afghanistan und Eritrea, die zusammen eine Collage aus Szenen, Liedern und Tänzen sowie Gedichten zeigen werden. „Ich mag es nicht so sehr, ein fertiges Stück einzuüben“, sagt Weikinger, „so rein im Kopf ausgedachtes Zeug.“ Er will mit den Menschen und ihren Erfahrungen direkt arbeiten.

Weikinger geht demnächst wieder mit Ibsens „Volksfeind“ und „Don Carlos“ von Schiller auf Tournee. Im Moment hat er aber Zeit, sich seinem Projekt in Landsberg zu widmen. „Egal, wie man zu der aktuellen Lage steht – die Leute sind jetzt da, und jetzt geht es um Integration.“ Das „Zauberwort Integration“ heißt für den Schauspieler vor allem eines: Austausch. „Das ist für uns kein Problem, sondern eine großartige Möglichkeit, Fremdes kennenzulernen.“ Wichtig für ihn sind dabei drei Punkte: Wer sind diese Menschen? Woher kommen sie und warum? Und was sind ihre Hoffnungen und Träume?

Bereits 2014 startete er ein ähnliches Projekt in Memmingen. Aus diesem Projekt entstanden ein Buch und sogar ein internationaler Chor. In Landsberg hofft Weikinger auf einen Abend, „der auf ganz eigene Art die aktuelle Situation abbildet: Schauspiel am Puls der Zeit.“ Das Motto klingt hart: „Etwas Besseres als den Tod findest du überall“, ein Zitat aus den „Bremer Stadtmusikanten“. Weikinger formuliert es in ein Zitat aus Schillers „Räuber“ um: „Der Mut wächst mit der Gefahr.“ Und das gelte nicht nur für die Projektteilnehmer, sondern auch für uns: „Wir müssen jeden Moment genießen.“

Einige der Männer und Frauen seien erst seit ein paar Monaten da, andere schon über ein Jahr. „An den Sprachkenntnissen merkt man deutlich, wer arbeitet oder in die Schule geht und wer nicht.“ Das Verstehen untereinander sei kein Problem: „Wichtige Dinge werden von den Teilnehmern untereinander übersetzt. Einer von Ihnen kann insgesamt fünf Sprachen, darunter auch Farsi, Tigrinya und Paschtu.“ Ungefähr 15 Proben haben Weikinger und seine Truppe hinter sich. Und jede war ein bisschen anders: „Das Ganze wird vielleicht auch eine Art Happening-Charakter haben“, schmunzelt der Schauspieler. Wichtig ist ihm, dass die Teilnehmer etwas Außergewöhnliches erleben, „dass auf sie dieser Funke des „Ich habe es geschafft“ überspringt.“

Eine Schwierigkeit bei dem Projekt sei die große Fluktuation: „Einer bekommt plötzlich einen Arbeitsplatz, der andere muss in eine andere Stadt umziehen oder er bekommt Angst vor einem Auftritt.“ Auch wenn Weikinger den Teilnehmern noch so oft versichert, dass „wir hier eine Spielwiese haben und alles dürfen, es muss nicht hundertprozentig politisch korrekt sein“. Aber auch die Theaterbühne selbst flöße den Leuten Angst ein. Als er und seine Truppe aus den Räumen der VHS zum ersten Mal auf die „Bretter der Welt“ zogen, sei das schon ein großer Schritt gewesen. „Das kenne ich auch aus meinen Schauspielkursen: Der Blick auf die vielen Sitze kann schon einschüchtern.“

Probleme als Umwege

Ein weiteres Problem ist erst kürzlich aufgetaucht: Der muslimische Fastenmonat Ramadan hat begonnen. „Und da fragt man sich schon: Wie sind die drauf, wenn sie den ganzen Tag nichts essen? Dürfen sie überhaupt tanzen, singen, feiern?“ Aber der gemeinsame Fokus auf die beiden Auftritte habe geholfen, ebenso die gegenseitige Akzeptanz und gute Stimmung untereinander. Weikinger bezeichnet all diese Probleme als Umwege. „Und auch die sind zu etwas gut: Sie fördern die Ortskenntnis.“

Die zwei Theaterabende sind am 25. und 26. Juni um 20 Uhr im Stadttheater Landsberg. Der Eintritt ist frei. Unterstützt wird das Projekt von der Rational AG, der VHS Landsberg und dem Stadttheater.

Susanne Greiner

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