Die Lechstadt aufwerten:

Das Schlosshotel ist machbar!

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Schock-Therapie: Die Städtsilhouette würde durch den Schlossberg-Hotel-Anbau (rechts) völlig verändert.

Landsberg – Nach der Präsentation der auf Hotelplanung spezialisierten Architekten Astrid Bohne und Tom Krause in einer gemeinsamen Sitzung zweier Stadtratsausschüsse steht fest: Die Schlossbergschule kann zu einem Hotel umgebaut werden – wenn in einem zusätzlichen Trakt weitere Zimmer, ein Ballsaal sowie Räume für Konferenzen und Veranstaltungen entstehen. Nur dann ist das Vorhaben langfristig wirtschaftllich und nur dann profitieren auch die Landsberger Bürger davon. Der Nachteil: Dadurch verändert sich die Stadtsilhouette.

Gefühlsmäßig ist die Sache klar: Landsberg braucht endlich ein Hotel für gehobene Ansprüche. Eines mit großzügigen Zimmern, Restaurant, modernen Veranstaltungsräumen, einem Spa, einer Außengastronomie und einer Piano-Bar. So oder ähnlich wünschen sich das Unternehmen im Landkreis für ihre Kunden und leitenden Mitarbeiter, die nur vorübergehend in die Region kommen. Viele Landsberger hätten ein solches Hotel mit Saal gerne für Hochzeiten und andere Ereignisse. Und die Verantwortlichen für den Tourismus sehen darin eine große Chance, denn die Gästezahlen gehen zurück.

Attraktiv genug?

Mit MICE – Meetings, Incentives, Conferences und Events – könnten diese Träume in Erfüllung gehen. Allerdings braucht man zunächst Planer, die von der Sache etwas verstehen. „Wir wollen ein Hotel“ ist leicht daher gesagt. Wird es ausgelastet sein oder steht es zur Hälfte leer? Ist es attraktiv genug, um auch Gäste außerhalb des Übernachtungsbereichs zu generieren? Hat es die richtige Größe, um wirtschaftlich zu sein? Oder wird es irgendwann von Betreiber zu Betreiber weitergereicht, um letztlich Bauruine zu sein? Deswegen hat die CSU mit Hilfe von Unternehmer Wolfgang Schmitz, dem Gründer des Freizeit-Verlags Landsberg (Top-Hotel) und Stadtrat Harald Reitmeir die Hotelplaner „Krause Bohne“ gebeten, sich das Areal des Schlossbergs anzusehen, das nach dem Wegzug der Schlossbergschule eine neue Nutzung braucht.

Die ersten Erkenntnisse der weltweit tätigen Architekten sind einerseits vielversprechend, andererseits ernüchternd. Das aus dem Jahr 1905 stammende unter Denkmalschutz stehende Gebäude, das von der Mittelschule genutzt wird, kann in der Tat zum Hotel umgebaut werden. Aber in diesem Haus würden im Erdgeschoss nur die Gastronomie (mit Zugang zu einem Biergarten) und im Obergeschoss nur die geräumigen „Schloss-Suiten“ Platz finden.

Um das „Schlosshotel Landsberg am Lech“ auf die notwendigen 120 bis 150 Zimmer zu bringen und es um Veranstaltungsräume und den Spa-Bereich zu erweitern, müssten zwei weitere Gebäude in Richtung Stadtmauer angefügt werden. Und die wären nicht so niedrig wie der jetzige Schulanbau, sondern hätten die gleiche Traufhöhe wie das Schulgebäude. Mit anderen Worten: Die Silhouette der Stadt würde sich deutlich verändern. Neben das alte Gebäude träten zwei moderne Bauten – denn „historisierend anbauen“, das mag auch der Denkmalschutz nicht.

Schock-Therapie

Um klar zu machen, was das in Sachen Stadtoptik bedeutet, legten Krause Bohne eine Zeichnung vor, in der die Kontur des neuen Baukörpers unstrukturiert dargestellt ist. In Wirklichkeit wird das Gebäude naturgemäß viel Glasflächen und auch sicher vor- und zurückspringende Teile haben. Es ist zu vermuten, dass die beiden Architekten mit dieser Schock-Therapie ihren Kostenaufwand reduzieren wollen: Wenn die Landsberger jetzt nicht ablehnend reagieren, lohnt sich das Weiterplanen. Es macht aber wenig Sinn, umfangreiche Vorarbeiten zu leisten, um dann irgendwann später doch an der Optik zu scheitern. Diese kritische Frage muss man praktisch „vor die Klammer ziehen“. Ebenso verhält es sich mit der Idee, die 80 Plätze große Tiefgarage des Hotels mit einer weiteren Durchfahrt durch die Stadtmauer zu erschließen.

Zumindest in den beiden Ausschüssen (Wirtschaft sowie Bildung/Soziales/Kultur) gab es eine solche komplette Ablehnung der Ideen von Krause Bohne freilich noch nicht. Lediglich Stadtbaumeisterin Birgit Weber konnte sich das Projekt überhaupt nicht vorstellen. Die Stadträte, die sich zu Wort meldeten, zeigten sich eher positiv überrascht. Auch denjenigen, die spontane Sympathie erkennen ließen, zum Beispiel Margit Däubler (SPD) und Jonas Pioch (Landsberger Mitte), war aber klar, dass die Stadt hier noch ganz am Anfang steht. Die nächsten Schritte wären, Krause Bohne mit der Konkretisierung der Pläne zu beauftragen, was die Firma zu einem Preis von 45.000 Euro anbietet – im Vergleich zu sonstigen Honoraren ist das ein günstiger Preis.

Auf Erbpacht-Basis

Die Architekten sind in zwei Richtungen vernetzt: Sie sind mit Betreibern von Hotels wie der Maritim-Kette vertraut, kennen aber auch Investoren, die die Baukosten von grob geschätzten 40 bis 45 Millionen Euro finanzieren würden. Dabei gilt: Erst die Planung („wir müssen zunächst die Braut hübsch machen“), dann der Betreiber, dann der Investor. Krause Bohne ist dabei von vorneherein klar, dass das Ganze nur auf der Basis von Erbpacht stattfinden kann. Landsberg wird das Gelände, auf dem früher die Namengeberin der Stadt, die Landespurch, stand, natürlich nicht veräußern.

Der Stadtrat muss nun zunächst entscheiden, ob er Krause Bohne bitten soll, die Planungsarbeiten fortzusetzen, um letztlich mit einem Paket aus Raumplanung, Betreiber, Investor und Gästeprognose wiederzukommen. Auch andere Nutzungen des Schlossbergs sind nach wie vor im Gespräch, unter anderem die Verlagerung von Grundschulen. Ausgeschieden sind bislang lediglich die Nutzung als Jugendherberge – der Jugendherbergsverband hat abgewunken – und die Wohnnutzung.

Die aus dem rheinischen Esch­weiler kommenden Planer, die derzeit auch in Füssen und in Weilheim tätig sind, hätten wohl Spaß daran: „Wir finden diesen Standort großartig."

Werner Lauff

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