Ein Zugewinn für Kaufering

"Die Kletterei" steht in den Startlöchern

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So könnte sie aussehen: „Die Kletterei – Kletter und Boulderparadies am Lech“, die mit ihren Angeboten maßgeblich zur Attraktivität Kauferings beitragen könnte.

Kaufering – Eine weitreichende Entscheidung steht in der Sitzung an, die der Kauferinger Marktgemeinderat am Mittwochabend abhält: Damit die Kletterhalle, die Unternehmer Markus Wasserle in Kooperation mit der Kauferinger und Landsberger Sektion des Deutschen Alpenvereins (DAV) nahe des Bahnhofs bauen will, Wirklichkeit werden kann, muss das Gremium sein Einverständnis zum Grundstücksverkauf erklären. Wasserle und seine Mitstreiter sehen dem Termin gespannt entgegen; sie sind sich sicher, dass alle Auflagen in ihren bereits weit gediehenen Planungen Berücksichtigung finden. Neben einem großzügigen Sportbereich soll die Anlage unter dem Namen „Die Kletterei – Kletter- und Boulderparadies am Lech“ vielfältige weitere Angebote, wie einen „Semmel-Drive-In“, Seminarräume und einen Indoor-Spielbereich beinhalten.

Wird Kaufering ab September nächsten Jahres zum Kletter- und Boulder-Mekka? Wenn es nach Unternehmer Markus Wasserle und seine Mitstreiter, die Sektionen Kaufering und Landsberg des DAV geht, dann ja. Am Freitag traten sie mit ihren Überlegungen an die Öffentlichkeit. Und diese bilden ein breites Spektrum an Angeboten ab, das in Kaufering südlich des Bahnhofs, zwischen Filmpalast und Druckerei Geiselberger, verwirklicht werden soll.

Resultat der Planungen ist eine Anlage, die noch deutlich großzügiger ausfallen soll, als ursprünglich angedacht. Allein der Boulderbereich wird eine Hallenfläche von 700 Quadratmetern messen. Beim Bouldern steigen die Sportler ohne Seil bis zu vier Meter empor, erklärt Wasserle. Mit der Größe an In- und Outdoor-Boulderflächen rangiere sein Projekt auf Augenhöhe mit vergleichbaren Anlagen in München und Augsburg, so der Investor. Seilkletterer kommen auf einer Fläche von 1.000 Quadratmetern auf ihre Kosten .

Wahrzeichen Kauferings

Der 15 Meter hohe Außenfelsen solle „ein weithin sichtbares Wahrzeichen Kauferings“ sein, wünscht sich der Unternehmer. Innen fordern 50 Routen aller Schwierigkeitsgrade das Geschick der Aktiven heraus. Zusätzlich sorgen mehrere Trainings- und Ausbildungsräume für einen reibungslosen Ablauf und ein breites Angebot.

Von 6 bis 22 Uhr wird „Die Kletterei“ an sieben Tagen pro Woche ihre Pforten öffnen, vor allem das Erdgeschoss könnte sich als echter Anziehungspunkt für die Bevölkerung erweisen: Neben einem Café sollen Veranstaltungs- und Seminarräume buchbar sein, teils kostenlos und ohne Abnahmeverpflichtungen. Am „Semmel-Drive-In“ können Bahnpendler vom Auto aus ihr Frühstück ordern. Daneben ist ein Grill- und Aufenthaltsplatz auf dem Außengelände sowie ein Indoor-Spielbereich für Kinder vorgesehen. Das begeistert vor allem Hermann Huber, Geschäftsführer des Kauferinger Kinos, der darin eine „lang ersehnte Ergänzung“ seines Filmpalasts sieht. Er freue sich auf eine „nachhaltig gute Nachbarschaft“. Auch mit der angrenzenden Druckerei Geiselberger haben sich Wasserle und sein Planer Michael Riedle, Landsbergs Kreishandwerksmeister, bereits über die beidseitigen künftigen Interessen abgestimmt. Daneben stießen sie Untersuchungen zum Lärmschutz an, denn insbesondere die Belange der Bewohner des nördlich der Bahngleise gelegenen Wohngebiets gelte es laut Riedle zu wahren. Die bisherigen Erhebungen hätten durchwegs positive Resultate erbracht.

Auf eigene Rechnung

Das Areal erwerben will Wasserle seinerseits zu regulären Bezügen, auf Fördermittel verzichtet er gänzlich. Fachmann Riedle, Wasserle und die DAV-Vertreter sehen sämtliche Auflagen und Voraussetzungen für einen Grundstückserwerb als „mehr als erfüllt“ an und spielen den Ball nun der Gemeinde zu. Diese könnte, neben einem attraktiven Freizeitangebot – Georg Schappele, Vorsitzender der Sektion Landsberg, rechnet jährlich mit 30.000 bis 40.000 Besuchern – auch die Ansiedlung eines aufstrebenden Unternehmens in trockene Tücher bringen. Denn Wasserle will gleichzeitig den Sitz seiner Gebäude­reinigungsfirma nach Kaufering verlegen und im Obergeschoss des Gebäudes einquartieren. Das sei durchaus möglich, denn das Gros seiner 200 Mitarbeiter sei im Außendienst unterwegs. Sein privates Domizil würde der Unternehmer dann unter dem Dach einrichten. Klar, dass das wirtschaftliche Risiko dabei nicht unerheblich ist. „Das ist mein bisher größtes Projekt“, hofft der Initiator der Ausbildungsmesse auf positive Signale vonseiten der Marktgemeinde.

Vereine im Boot

Dem schließen sich die beteiligten Vereine an. Kauferings DAV-Vorsitzender Helmut Hohenadl betont, dass „wir uns eine Kletterhalle schon ewig wünschen“. Wasserle habe stets ein offenes Ohr für geäußerte Wünsche, das Zusammenspiel harmoniere prächtig. Und das alles wohlweislich ohne finanzielles Risiko für die Vereine. Das erachtet auch Schappele, dessen Sektion zeitgleich die Sanierung der vereinseigenen Landsberger Hütte im Tannheimer Tal vorantreiben muss, als wichtiges Pfund. Wasserle habe sich bemüht, alle Voraussetzungen „schnellstens“ zu erfüllen. Die Sektion stehe parat, zahlreiche Mitglieder und Trainer hätten weitreichende ehrenamtliche Bemühungen unternommen, um zum Gelingen beizutragen. Denn ein beträchtlicher Teil des Betriebs in der Halle soll auch durch die beiden Sektionen geschultert werden, beispielsweise durch das Abstellen von Trainern. „Klappt es jetzt nicht, ist das Projekt wohl auf Dauer gescheitert.“ Die heutige Ratssitzung wird zum Schicksalstermin.

Sendet der Marktgemeinderat positive Signale, stellt Wasserle sein Pläne nochmals gesondert der Öffentlichkeit vor. Am Sonntag, 24. Juli, hält der DAV Kaufering von 11 bis 17 Uhr im Garten seines Vereinsheims ein Sommerfest ab, anlässlich dessen der Investor seine Pläne erörtern wird.

Rasso Schorer

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