Im Taumel noch ernst

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Begeisterten beim Benefizkonzert in der Christuskirche: Béla Radics (Geige), Géza Kállai (Cimbalom) und István Horváth (Kontrabass).

Landsberg – „Jetzt musste die Kirche 100 Jahre warten, bis Musiker wie diese hierher kommen und die Herzen der Zuhörer durch ihr wahrhaftiges Spiel, ganz ohne Showeffekte und bühnenwirksame Technik, so stark berühren.“ So tasteten sich nach dem Benefizkonzert von Roma für Roma die ersten Worte von Pfarrer Detlev Möller an die bewegte Stimmung der Zuhörer heran.

Tosender Beifall mit stehenden Ovationen erfüllte das Kirchenschiff. Unter dem Motto „Christuskirche und Solidarität" zelebrierten Béla Radics mit seiner Geige, Géza Kállai am Cimbalom und István Horváth am Kontrabass ein unterschiedlichste Stilrichtungen umfassendes Programm ungarischer Zigeunermusik im Rahmen der Veranstaltungsreihe zum Festakt des 100-jährigen Jubiläums der evangelischen Kirche in der Von-Kühlmann-Straße. Eine Musik ohne Schlacken, bei der selbstverständliche Virtuosität, die nie Selbstzweck war, das mit Leichtigkeit ausgeführte Rankenwerk der Paraphrasen, formale Komplexität der Improvisationen und lyrische Kantilenen die Zuhörer fliegen ließen.

Im einführenden Vortrag war zu erfahren, welch breites Spektrum von Ausdrucksformen sich hinter dieser Musik verbirgt, die ihre Wurzeln in der indischen Musikkultur hat und jeweils mit der Folklore des Landes, in dem Roma und Sinti leben, eine Symbiose einging. Umgekehrt beeinflusste sie auch die europäischen Musikstile, zum Beispiel durch die Kunst des Ornamentierens und ihren narrativen Charakter. Haydn, Brahms, im Besonderen Liszt und Ravel wurden durch ihre Musik inspiriert. In den letzten Jahrzehnten entwickelten sich auch gegenseitige Einflüsse mit dem sehr viel jüngeren Jazz. Die Sinti und Roma sind in diesem Sinn die eigentlichen Europäer. Ihre Musik ist wie ein Baum, der sich immer weiter entfaltet.

Ohne Gage

Ein Volk, das nie Krieg geführt hat, um Land zu besitzen, steht seit jeher zwischen Diffamierung und Romantisierung und leidet unter verallgemeinernden Aussagen, die für keine Bevölkerung gelten. Der primitive Geist des Nationalistischen und Faschistischen macht sich in Europa wieder breit, besonders unter Viktor Orbán in Ungarn. Aus diesem Grund spielten, um den ärmsten Roma in Ungarn zu helfen, die Künstler ohne Gage; sie hoffen damit, die Aufmerksamkeit auf die katastrophalen Zustände zu lenken.

So war der Abend auch ein voller finanzieller Erfolg, die begeisterten Zuhörer spendeten 1600 Euro.

Claudia Radics

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