Offene Türen und Herzen

Moderatorin Isabella Nieberle assistiert dem „Dreamteam“ des Caritasverbands Landsberg, dem Vorsitzenden Gerhard Gantenhammer (Mitte) und Geschäftsführer Alois Handwerker, beim Anschneiden der Jubiläumstorte.

Landsberg – „Porta patet cor magis – die Tür steht offen, das Herz noch mehr“, lautet das Motto der Caritas. Geht es nach Prälat Peter C. Manz, trifft sie damit mehr denn je den Nerv der Gegenwart „Die Caritas liefert die Antwort auf die Probleme unserer Zeit.“ So auch in Landsberg, wo sie am Donnerstag im Pfarrzentrum Zu den Heiligen Engeln das 25-jährige Bestehen ihres Kreisverbands feierte. Doch ein Umbruch zeichnet sich ab: Gerhard Gantenhammer, seit 25 Jahren ununterbrochen Vorsitzender, kündigte seinen Abschied von der öffentlichen Bildfläche an.

Türen standen zunächst im Mittelpunkt des Interesses. „Durch wie viele sind sie heute schon gegangen?“, wollte Moderator Jörg Harald Werron von den Gästen wissen, die sich zur Jubiläumsfeier des Caritasverbands Landsberg eingefunden hatten. Dass das Öffnen und Durchschreiten einer Tür mit ganz unterschiedlichen Vorzeichen, Erwartungen und Gefühlen einhergehen kann, verdeutlichte er im Zusammenspiel mit Kollegin Isabella Nieberle. Beide schlugen damit die Brücke zu den Hilfesuchenden, die an der Tür der Caritas anklopfen. Entsprechend dem Leitbild „porta patet cor magis – die Tür steht offen, das Herz noch mehr!“.

Die aufgebaute Tür neben dem Rednerpult hatte auch Gerhard Gantenhammer zu durchschreiten. Was er dahinter erwarte, wollte Werron wissen. „Applaus“, lautete die Antwort. Und den gab es üppig für den Mann, der seit der Gründung des Caritasverbands Landsberg an dessen Spitze steht. Er habe im Jahr 1991 nicht so recht gewusst, was ihn erwarte, gab Gantenhammer zu. „Aber die positiven Ereignisse überwiegen bei weitem.“ Dabei sei er selbst nur der juristische Vertreter des Verbands, die „Seele“ sei Geschäftsführer Alois Handwerker, so der 78-Jährige bescheiden, der auch die Kompetenz und Hingabe der Mitarbeiter in den Vordergrund stellte. Der gute Name der Caritas werde auch durch die Resonanz der Klienten bestätigt, freute sich Gantenhammer, der ankündigte, dass dies sein letzter öffentlicher Auftritt sein werde.

"Alles verändert"

Ihm folgte Domkapitular Prälat Peter C. Manz ans Mikrophon. Schon zum zehnjährigen Jubiläum hatte er an derselben Stelle gestanden, doch in der Zwischenzeit habe sich „alles“ verändert. „Die Welt ist eine andere geworden. Die Probleme werden nicht kleiner, sondern anders.“ Die Gesellschaft verrohe in beunruhigendem Maße, in Schlagzeilen, Worten und Reden fielen regelmäßig fast unerträgliche Sätze. Die „Flüchtlings-Obergrenze“ sei so ein Beispiel. „Wollen wir Menschen nur noch abzählen?“, fragte er in den Raum. Ein nach Belieben festgesetztes Limit könne nicht das Ziel sein. Die Frage laute viel mehr, was denn noch zu schaffen sei. „Welche Gesellschaft wollen wir?“

Die Menschen sehnten sich seiner Einschätzung zufolge nach einem roten Faden. Gesellschaftliche Spielregeln wie „Jeder ist seines Glückes Schmied“ und „Leistung für Gegenleistung“, die sich vermehrt nach neoliberalem Vorbild durchsetzten, könnten aber nicht die Lösung sein. Für einen Christ müsse die unantastbare Würde eines Jeden an oberster Stelle stehen. Er taxiere einen Menschen nicht nach dessen Wert, den es erst zu erwerben gelte.

„Die Caritas begibt sich ins Leben hinein“, so Manz. Die Motivation sei vielfältig. Das historische Erbe des Verbands zählt er auf, die Außendarstellung und Präsenz der Kirche sowie mitunter auch wirtschaftliche Vorgaben. Doch all dies stehe hinten an, denn: „Was wir tun, tun wir auf Jesu Geheiß. Alle Motive tragen nicht, wenn sie nicht aus dieser Quelle gespeist werden.“ Die Caritas verbinde Glauben und Handeln, Diakonie sei ein Ort religiöser Erfahrung. Daraus speise sich ihr Mehrwert. „Gemeinschaften, die im stillen Kämmerlein ihre Frömmigkeit pflegen, sind mir suspekt“, findet Manz. Seine Organisa­tion stehe für eine handelnden Glauben. „Wer Gott ins Zentrum stellt, stellt den Menschen ins Zentrum.“

Wichtigstes Ziel sei stets eine Haltung der uneingeschränkten Wertschätzung und der Solidarität. Ohne diese Größen zerfiele die Gesellschaft, spannt er den Bogen zum Anfang seiner Rede. „Die Caritas liefert damit die Antwort auf die Probleme unserer Zeit.“

Engagement seit 1991

Der Landsberger Kreisverband engagiert sich insbesondere für Menschen in finanziellen Notlagen, mit psychischen Problemen oder Suchterscheinungen. Schon 1994 widmete man sich dem Aufbau einer Schuldnerberatung, richtete eine erste von mehreren Wohngemeinschaften und eine Kleiderkammer ein. Zur Jahrtausendwende übernahm der Verband die Trägerschaft des sozialpsychiatrischen Dienstes , der in der Folgezeit um eine Gerontopsychiatrie Fachstelle erweitert wurde, vom Diözesanverband Augsburg. 2001 wurde auch die Tagesbegegnungsstätte für psychisch Kranke eröffnet.

Weitere Meilensteine unter mehreren Aktivitäten markierten die Mitbegründung der Tafel Landsberg im Jahr 2005, die Erweiterung der Schuldner- um eine Insolvenzberatung und der Aufbau einer Außenstelle in Dießen im selben Jahr. 2009 wurden die ersten Plätze für betreute Einzelwohnungen für Suchtkranke vergeben, 2012 öffnete die Tagesbegegnungsstätte „Kathi 38“.

Rasso Schorer

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