Große und kleine Kunst

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Auf großes Interesse stießen bei der Jahresausstellung der Künstlergilde auch die verschiedenen Fotografieprojekte, hier Peter Wilsons „Landsberger Leute“.

Landsberg – „Wo ist er hingegangen?“ Der zweite Vorsitzende der Künstlergilde Roland Müller konnte nur drei seiner Bilder ausstellen – das vierte war zur Vernissage der Jahresausstellung am Samstag spurlos verschwunden. „Wir haben am letzten Wochenende kuratiert, am Montag war’s dann weg“, erzählt die erste Vorsitzende Petra Ruffing. Ein mysteriöser Raub, denn das Gebäude der Berufsschulen Landsberg war abgeschlossen. Ruffing hofft, dass es sich „nur“ um einen Halloweenscherz handelt.

Die Ausstellungsbesucher haben dennoch genug anzuschauen: 42 bildende Künstler zeigen ihre 107 Werke, in einem getrennten Bereich sind zudem circa 15 Fotografen, teilweise aus Bernd Kittlingers VHS-Kurs, mit ihren Arbeiten zu sehen. Neongrüne Baustellenhütchen führen den Besucher durch die Gänge: Von figurativen, realistischen Werken bis hin zu abstrakten Arrangements ist alles vorhanden. „Leider haben wir nicht viele Skulpturen dieses Jahr“, bedauert Ruffing.

Obwohl die Schulhallen für Skulpturen geeigneter scheinen: Die Bilder hängen nicht immer optimal, oft spiegeln Oberlichter oder die einfallende Sonne blendet. Teilweise ist zwischen den Bildern viel leere Betonwand – was allerdings den zahlreichen Besuchern der Vernissage zugute kam: Alle Werke konnten in Ruhe betrachtet werden. Für nächstes Jahr sagte Ruffing Neues voraus: Man wolle anfragen, ob die Ausstellung zur Langen Kunstnacht im Rathauskeller verlängert werden könne. Zudem werde 2016, auch anlässlich des 250. Todestages und des 300. „Zuzugstages“ des Stukkateurs Dominikus Zimmermann in die Stadt, ein Kunstpreis vergeben. Ein zwei- und ein dreidimensionales Kunstwerk zum Thema LICHTgestalten soll mit jeweils 2000 Euro ausgezeichnet werden, eine Ausstellung in der Säulenhalle ist ebenfalls geplant.

Kulturbürgermeister Axel Flörke lobte Landsbergs Kulturleben. Es biete ein unglaublich vielfältiges Spektrum, „und das haben wir auch der Künstlergilde zu verdanken“. Dieses breite Spektrum zeige auch „Licca percussiva“, die den musikalischen Rahmen zur Vernissage boten: Auf Vibraphon und diversen Trommeln lieferten die drei Musiker ein Rhythmusfeuerwerk, das sichtlich begeisterte. Man solle sich aber nicht nur berieseln lassen, riet Flörke: „Lassen Sie sich von den ausgestellten Kunstwerken gefangen nehmen.“ Als Anleitung für den Kunstrundgang sprach Kunsthistoriker Dr. Christoph Engels aus München. Er definierte den Kunstbegriff im Wandel der Zeiten, von der Antike über Renaissance und Romantik bis hin zu Josef Beuys „Jeder ist ein Künstler“. Dabei vergesse man jedoch oft dessen zweiten Satz: „Aber damit sage ich noch nichts über die Qualität.“ Jeder Betrachter solle sich nicht fragen, ob etwas Kunst sei oder nicht: „Es geht vielmehr darum zu entscheiden, ob es große oder kleine Kunst ist.“

Um das zu beurteilen, riet Engels, die Werke „mit der Seele und mit Gefühl zu rezipieren.“ Mit dieser Anweisung gestärkt wandelten die Besucher durch die Ausstellung. Beim Besuch eines etwas abseits liegenden Raumes trifft man auf ein vom Borkenkäfer zerfressenes Stück Holz. Schaut man Walter Frieseneggers Werk genauer an, sieht man das winzige Biwak mit einem ebenso kleinen Bergsteiger, die das Stück Holz in einen schroffen Gebirgshang verwandeln. Viel zu sehen gibt es auf Werner Heymanns Wimmelbildern, am Jugendstil orientierte Zeichnungen von Veronika Rehm-Graf zieren einen der Gänge. Gernot Kragls Lichtspiele wirken durch Farbe, während Dietlind Sadowskys Bilder realistisch bis zum letzten Ästchen sind. Besonderes Interesse zeigten die Besucher auch an den Fotografien: Joachim Giebelhausen baute Holzmodelle, die er anzündete und dann fotografierte: einmal ein Modellhaus, daneben ein Modell-Kartenhaus.

Auch Peter Wilsons Fotoprojekt „Landsberger Leute“ fand großen Anklang: Wilson porträtiert Einwohner Landsbergs mit ihren „typischen“ Accessoires: Der „Eismann“ der Landsberger Eishalle vor seiner Zamboni-Maschine, der Waldhornspieler der Stadtkapelle neben einem Mitglied des Pürgener Schützenvereins. Wer am Abend genug visuelle Kunst konsumiert hatte, konnte von der Vernissage gleich ins Rathaus gehen, um beim Akademistenkonzert der akustischen Kunst zu frönen. Landsberg bietet seinen Bewohnern tatsächlich viel. Der Künstlergilde bleibt die Rückkehr von Müllers Bild zu wünschen. Und für das Dominikus-Zimmermann-Jahr 2016 ein Gebäude, in dem so viele Bilder wie bei der Jahresausstellung ansprechend präsentiert werden können.

Susanne Greiner

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