Gespür fürs Knifflige

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Jörn Stöhler begeistert sich für Zahlen, Naturwissenschaften und Denksport. Damit ist der 19-Jährige sehr erfolgreich.

Kaufering – Wenn es so richtig knifflig wird, ist Jörn Stöhler in seinem Element. Dem 19-jährigen Augsburger, der in Kaufering aufgewachsen ist, bereiten anspruchsvolle mathematische Aufgaben großen Spaß. Je verzwickter, desto besser. Und mit dieser Begeisterung feiert er bemerkenswerte Erfolge: Jüngst gelang ihm bereits zum vierten Mal ein Sieg im Bundeswettbewerb für Mathematik, zweimal vertrat er Deutschland bei der internationalen Endrunde der Mathematikolympiade.

Den Unterschied zwischen beiden Schülerwettbewerben beschreibt Stöhler so: „Der Bundeswettbewerb für Mathematik ist ein Hausaufgabenwettbewerb. Man erhält vier bis sechs anspruchsvolle Fragestellungen, die es zu bearbeiten gilt.“ Dabei spiele auch die Darstellung der Lösung eine Rolle. Nach der ersten öffentlichen Runde folgten zwei weitere Durchläufe, ehe die Sieger nach einem Kolloquium feststünden. Das sei schon sehr anspruchsvoll. Die Möglichkeit zur Teilnahme besteht ab der 9. Klasse, nach Alter werde innerhalb der Teilnehmer nicht unterteilt.

Am Bundeswettbewerb nahmen im letzten Jahr 1.400 Schüler teil. Anders bei der Matheolympiade, in deren erster Runde 225.000 Köpfe ab der 5. Klasse rauchten. „Die Matheolympiade ist ein Klausurwettbewerb, bei der ungefähr vier Stunden lang zentral, also zum Beispiel in Schulen, Prüfungen absolviert werden.“ Vorab gibt es aber auch eine Hausaufgabenrunde, wodurch die hohe Teilnehmerzahl zu erklären sei. Die Besten ihrer Altersklassen hangeln sich nach der Vorrunde dann weiter. Einem Einladungsprinzip folgend, werden die begabtesten Hirne ausgesiebt und in Vorbereitungsmaßnahmen, zum Beispiel Seminaren, für den internationalen Vergleich geschult. Auch über den Bundeswettbewerb, der historisch gesehen seine Wurzeln in Westdeutschland hat, sei eine Qualifikation für höhere Runden der vormals ostdeutschen Olympiade möglich.

Mit Stöhlers ersten Teilnahmen habe sich „das Ganze dann schnell verselbstständigt“, erzählt er. Denn neben dem sportlichen Reiz zog ihn auch das Miteinander der Teilnehmer bei den Wettbewerben in seinen Bann. Weggefährten zu treffen, die ähnliche Interessen teilten, sei ein ganz zentraler Punkt für ihn gewesen, sich Jahr für Jahr immer wieder anzumelden. Zu seinen Hobbys zählt der Student, der im vergangenen Jahr sein Abitur am Landsberger Ignaz-Kögler-Gymnasium erworben hat und in Kaufering aufgewachsen ist, Naturwissenschaften und Informatik. Schach komme gerade eher zu kurz, da er derzeit in keinem Verein mehr angemeldet sei.

Früh gefördertes Talent

Ein Leben voll im Zeichen des Hirnschmalzes, könnte man also sagen. Die entsprechende Begabung und Begeisterung hätten seine Eltern, ein Informatiker und eine Ingenieurin, schon früh bei ihrem Sohn festgestellt. Spaß an Zahlen, Tüfteln und Problemlösungen habe er schon als ganz kleines Kind gehabt, erzählt Stöhler. Das sei dann auch früh vertieft und gefördert worden, beispielsweise durch das Lösen von Logikrätseln. Aktuell stehen für den 19-Jährigen keine Wettbewerbsvorbereitungen auf dem Programm, zumindest nicht für eigene Teilnahmen. Mit dem Ende seiner Schulzeit und dem Ausscheiden aus der Zielgruppe der genannten Veranstaltungen habe er einstweilen „die Seiten gewechselt“.

Zuletzt half Stöhler bei der Organisation und der Korrektur der bayerischen Landesrunde der Matheolympiade mit. „Ich schaue gerade, wo ich gebraucht werde.“ Bei Studentenwettbewerben selbst an den Start zu gehen, sei vielleicht ab dem zweiten oder dritten Semester wieder ein Thema. Nebenbei steht gerade ein Umzug von Augsburg nach München an. Seit eineinhalb Jahren wohnt Jörn Stöhler in der Fuggerstadt, sodass er zum Ende seiner Schulzeit pendeln musste, nun zieht ihn die akademische Laufbahn an die Isar. Denn dort hat er nach dem Abi sein Studium an der Ludwig-Maximilians-Universität aufgenommen.

Bonn sei eigentlich lange Zeit seine favorisierte Uni gewesen, doch der Wunsch, neben Mathematik auch Physik zu studieren, habe den Ausschlag für die LMU gegeben. Und auch ein bisschen Bequemlichkeit, die Zelte nicht allzu weit von Zuhause entfernt neu aufschlagen zu müssen. Ein Wesenszug, der sich also auch bei ambitionierten Matheprofis feststellen lässt.

Rasso Schorer

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