Melodische Moderne

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Leiter Bernhard Brosch überzeugte mit Kirchenchor, Jungendchor und Kammerorchester: Drei Werke von Ritter, Fauré und Rutter füllten die Kirche „Zu den Heiligen Engeln“ mit Wohlklang.

Landsberg – Ritter, Fauré, Rutter: drei Komponisten, von denen jeweils ein Werk in der Stadtpfarrkirche Zu den Heiligen Engeln aufgeführt wurde. Die Stücke der ersten beiden Komponisten stammen aus der Mitte des 19. Jahrhunderts, John Rutters Komposition ist gerade mal 30 Jahre alt. Der Jugendchor Engelszungen zusammen mit dem Kirchenchor, begleitet vom Kammerorchester, überzeugten mit ihrer klaren Interpretation.

Kirchenmusiker Bernhard Brosch leitete den Abend mit einer kurzen Ansprache ein: Vor knapp einem Jahr habe man sich für das Requiem – eine Totenmesse – von John Rutter entschieden, der dieses Jahr seinen 70. Geburtstag feiere. Angesichts der Terroranschläge in Paris solle man dieses Konzert als ein Gedenkkonzert für die Opfer sehen. Er hoffe, den Besuchern mit der Musik Zuversicht geben zu können. Die Orgel-Sonate Nr. 2 e-moll des in Erfurt geborenen Romantikers August Gottfried Ritters, von Brosch selbst auf der Orgel dargeboten, wirbelte mit einem bombastischen Anfang durch die Kirche. Ab dem zweiten Satz zog Brosch sanftere Orgelregister.

Liedhafte Abschnitte erinnerten an Liszt, bevor nach einem kurzen Ausflug ins freundliche Dur die Sonate im tonartbestimmenden Mollakkord ausklang. Gabriel Faurés „Cantique de Jean Racine“ für vierstimmigen Chor und Kammerensemble liegt ein von Racine nachgedichteter Morgenhymnus zugrunde, der einen Sonnenaufgang beschreiben soll. Fauré schrieb das Stück noch als Student und erhielt dafür den ersten Preis in einem Kompositionswettbewerb. Das Stück in Des-Dur weist in seinen sanften, fast mystischen Tönen schon auf Faurés berühmtes Requiem hin. John Rutters großes Vorbild ist Gabriel Fauré: Nicht umsonst arrangierte Rutter auch die „Cantique“ für Streicher und Harfe.

Rutters Requiem setzt sich jedoch von der klassischen Form ab: In der Besetzung Chor, Kammerensemble und Solosopran, gesungen von Hermine Eicke, beinhaltet es auch zwei vertonte Psalmen, De Profundis und Hirtenpsalm. Der Engländer Rutter nimmt sie aus dem Book of Common Prayer, dem Liturgiebuch der anglikanischen Kirche. Wer bei moderner Musik an „schiefe Töne“ denkt, liegt bei Rutter falsch: Schon der erste Satz besticht durch ein melodiöses Thema, das fast zum Mitsingen anregt. Insbesondere der zweite Satz, der Psalm De Profundis, zeigt Rutters außergewöhnliche Komposition: Nach einem ausdrucksstarken Cello-Solo mit Blueselementen setzt der Chor in Gospelmanier ein, was gut die dunkle Stimmung des Psalms wiedergibt.

Nach einem schlicht schönen Pie Jesu mit Eickes klarem Sopran folgte das Sanctus, das mit seiner Glockenspieleinleitung fast schon weihnachtlich klang. Auch hier war wieder die für Rutters Requiem typische Polyphonie gut zu erkennen: Die einzelnen Stimmen sind selbständig und unabhängig voneinander. Das folgende Agnus Dei erinnerte mit seiner düsteren Stimmung noch am ehesten daran, dass Rutter ein zeitgenössischer Komponist ist. Doch das löste sich in dem Hirtenpsalm auf, der durch die Begleitung durch Harfe und Oboe sanft und hell erklang.

Im Lux aeterna setzte sich die leichte Stimmung fort, bevor der Satz mit einem Zitat des Requiem endete. Nach dem Konzert läuteten die Glocken, bevor sich alle Besucher der ausverkauften Veranstaltung mit großem Applaus bei den Ausführenden bedankten.

Susanne Greiner

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