100 Jahre Knabenschule

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Für Architekt Adolf Voll waren gelungene Gebäude Gesamtkunstwerke. Entsprechend wichtig war ihm das Detail an der Knabenschule in Dießen:

Dießen – „Stolz steht der Bau auf einem der schönsten Punkte Diessens und leuchtet mit seinen freundlichen Tönen weit über den See und wird ein neues Wahrzeichen Diessens bieten“, jubilierte die Ammersee Post im Sommer 1913. Die Ausstellung „100 Jahre Knabenschule in Dießen“ ist derzeit im Rathaus zu sehen.

Archivarin Elke Ratz arrangierte die Schau mit einem feinen Blick fürs Detail, das einst auch Architekt Adolf Voll (1881 - 1965) ein großes Anliegen war.

Als Anhänger der Reformpädagogik wollte der Baumeister aus Fürstenfeldbruck weg vom rein repräsentativen Baustil hin zu einer kindgerechten, heimeligen Schule. Er entwarf einen durchaus stattlichen Walmdachbau mit „Eckrisalit, Geschossgliederung und Dach­- reiter, in reduzierten Jugendstilformen“, wie es im Listentext des Landesamtes für Denkmalschutz heißt. Darin fanden vier Schulsäle, ein Zeichensaal, ein Turnsaal, der heute als Musiksaal genutzt wird, ein Lehrerzimmer, ein Lehrmittelzimmer und eine Hausmeisterwohnung Platz. Gebaut wurde auf einem Grundstück, dass der angesehene Fabrikant Buz der Gemeinde nördlich seiner Zünd­holzfabrik günstig zum Kauf anbot. Ihm hat die Schule ihre heutige Anschrift an der Buzallee zu verdanken.

Die Bauzeit betrug lediglich elf Monate. Im November 1913 wurde der Schulbetrieb mit 196 Schülern – pro Klasse fast 50 Schüler – aufgenommen. Die Mädchen wurden weiterhin in der alten Prälatur, die südlich ans Marienmünster anschließt, unterrichtet. In den Kriegsjahren von 1914 bis 1918, konnte nur noch eingeschränkter Unterricht stattfinden.

Ab 1931 wurde wegen Überfüllung der Mädchenklassen ein Mädchenjahrgang an der Knabenschule unterrichtet. Der erste, westliche Anbau wurde 1952 fertiggestellt. Doch bereits 1950 wurden an der sogenannten Knabenschule auch Mädchen in allen acht Jahrgangsstufen unterrichtet.

Mit Brausebad

In einem Dossier von 1915 beschreibt Voll die Knabenschule folgendermaßen: „Der Haupteingang ist mit roten Steinfliesen, alle übrigen Räume mit Linoleum belegt. Die Einrichtung der elektrischen Beleuchtung, Wasserleitung, Spül­- klosetts und eine Niederdruck-Dampfheizung, erfüllen alle Anforderungen, die an einen zeit­- gemäßen Schulhausneubau gestellt werden können“. Doch damit nicht genug: Im Keller gab es einst sogar ein hochmodernes Brausebad für die Schüler. Die Wandtrinkbrunnen an den Treppenvorplätzen gibt es bis heute: Sie wurden von Villeroy&Boch hergestellt. Zu den Besonderheiten zählen auch Fliesen mit verspielten Tiermotiven, gestaltet von Ludwig Hohlwein (1874 - 1949) aus München. Er zählte zu den bekanntesten Innenarchitekten und Werbekünstlern seiner Zeit.

Die heutige Carl-Orff-Mittelschule wurde in den Jahren 1951, 1968 und 1990 umfangreich erweitert. Heute werden dort 340 Mädchen und 302 Buben unterrichtet. Mit einem Festabend wurde am Donnerstag der 100. Geburtstag des alten Schulhauses gefeiert.


Dießener Schulgeschichte

Um 1512 errichteten Probst Hieronymus Vitti und Bürgermeister Andreas Salcher die erste öffentliche Schule in Dießen. Im Schulhaus gab es nur ein Zimmer. Das Schulmonopol lag in den Händen des Klosters. Nach der Säkularisation 1802/03 fanden einschneidende Veränderungen im Schulwesen statt. In Dießen wurde das Kloster mit der Verpflichtung verkauft, dort Schulräume bereit zu stellen und zu erhalten.

Die Schüler kamen aus Dießen, St. Georgen, Wengen, Bischofried, Ziegenstadl, St. Alban, Bierdorf, Riederau, Rieden, Lachen und Romenthal. In den heutigen Ortsteilen Dettenschwang und Obermühlhausen gab es bis 1969 eigene Schulen. Auch Riederau hatte von 1947 bis 1969 eine eigene Schule. Bis 1879 gab es einen Lehrer mit einem oder zwei Gehilfen, danach unterrichteten zwei Lehrer und ein Hilfslehrer.

Ursula Nagl

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