O´zapfn seit 20 Jahren

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Jürgen Zirch aus Dießen ist seit 20 Jahren Wiesn-Schankkellner in der Augustiner-Festhalle und hat sogar den Zapfhahn von Hans Hornauer geerbt.

Dießen – Bekannte Dießener haben das Oktoberfest ganz schön in der Hand: Tanzmeister Magnus Kaindl tanzt im Herzkasperlzelt, Ingenieur Robert Lotter hat das Velodrom gebaut – und in der Augustiner-Festhalle regiert ein „heimlicher König“. Jürgen Zirch ist Chef-Schankkellner in der berühmten Augustiner Festhalle. Seit 20 Jahren.

Es geht blitzschnell und ruck-zuck. Die Kamera kommt beim Fotografieren kaum mit: Jürgen Zirch steht am frisch gezapften Holzfass und schenkt aus. Die rechte Hand schiebt den vollen Krug über den Tresen, während die linke den nächsten schon gefüllt hat, rechts – links, rechts, links … Die Hände tanzen buchstäblich hin und her, und von einem Augenblick zum nächsten bilden die gefüllten Maßkrüg’ eine Reihe, die die Kellnerinnen schnell im Griff haben und kraftvoll gegen ihre „Dutterlgrubn“ drücken, damit ihnen keiner der Maßkrüg’ auskommt.

„Meine Arm’ san d’ Waage“, schmunzelt Zirch, der punktgenau seinen heiß gehüteten persönlichen Zapfhahn beherrscht, den er einst vom legendären Schankkellner Hans Hornauer geerbt hat. Zirch ist Klosterlandwirt, Marktgemeinderat, Kirchenpfleger, Familienvater, Vorsitzender in verschiedenen Vereinen, und das Alphorn bläst er auch noch dazu.

Wie kommt ein derart in seinem Heimatort Dießen engagierter Mensch auf die Idee, fast zwei Monate im Jahr (mit Vor- und Nacharbeit) auf der Theresienwiese in München, zu Füßen der Bavaria zu verbringen? Bei einem Jagdessen in Dießen habe ihn vor Jahrzehnten der damalige Jagdpächter Manfred Vollmer gefragt, ob er in seinem Festzelt auf der Wiesn mitarbeiten könnte, „weil ich so ein kräftiges Mannsbild bin“, erinnert sich der zwei Meter große Zirch.

Was er in die Hand nimmt, geht immer schnell und nimmt rasch Formen an. Nach einem kurzen Training im Augustiner Bräustüberl an der Landsberger Straße in München, „da habe ich den Ausschank gelernt, heute betreibe ich den Aufwand mit der Wiesn immer noch voller Leidenschaft“. „In der Früh um Fünfe steh’ ich auf und geh’ in den Stall“, erzählt Jürgen, dass die Wiesn-Zeit nicht alle seine gewohnten Aufgaben schluckt. Nach der Stallarbeit eilt er unter die Dusche und dann weiter gen München. Im Ausschank schaut er, bevor es richtig losgeht, nach dem Rechten, dass die Bierkrüge sauber sind, das Team ordentlich aufgestellt ist und bespricht sich mit Manfred Vollmer, der seit 26 Jahren Festwirt ist.

Andere in seiner Position würden da schon leiser treten, „nächstes Jahr werd i fünfzig und hab nicht vor, aufzuhören.“ Was er nicht mehr macht: Mit einer Hand die 270 Kilo schweren Holzfässer aufstellen. „Da lass ich die jungen Ganterburschn dran.“ An seinen Zapfhahn darf sonst niemand ran und mit ihm leert Zirch jeden Tag um die 50 Fässer. Er gehörte einst dem berühmten Schankkellner Hans Hornauer, der mit dem speziell bearbeiteten Literwechsel den Bierfluss beschleunigen konnte. Der berühmte Wiesn-Zapfhahn wird von Zirch behandelt wie ein Heiligtum. Vor Beginn des Oktoberfests spült er den Wechsel eine halbe Stunde, dann schmiert er Hahnenfett auf den Kegel (drehbarer Verschluss) um ihn geschmeidig zu machen und legt ihn über Nacht in den Kühlschrank, damit er die Temperatur des Bieres annimmt.

Versteht sich von selbst, dass Jürgen Zirch seinen Namen auf dem Zapfhahn eingraviert hat, neben den Schriftzug von Hans Hornauer, „damit ihn keiner klaut.“ Und das Bier läuft und läuft, über fünf Millionen Maß sollen schon durch ihn geflossen sein. Wer weiß? Auf jeden Fall war keine für den Zirch Jürgen dabei: „Weil ich während der Wiesn nicht einen Tropfen trinke – obwohl es das beste Bier der Welt ist.“

Beate Bentele

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