Deutsch für Anfänger

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Stolz sind die Schüler der Klasse für Asylbewerber auf ihr selbst gefertigtes Tablett (von links): Redegol, Aqa Mohammed, Ghulam Reza, Erfan, Redegol, Fawad und Schreinermeister Hubert Maier.

Die deutsche Sprache zu lernen – das ist Ziel des Unterrichts, der Flüchtlingen an der Berufsschule seit Oktober angeboten wird. Aber es gibt noch ein weiteres Ziel: Spracherfahrungen sollen den jungen Menschen dabei helfen, kulturelle Besonderheiten kennen zu lernen und eigene Fähigkeiten auszubauen.

Etwas ganz besonderes an den Beruflichen Schulen ist die Klasse junger Asylbewerber aus Afghanistan und Syrien. Sie besteht aus jungen Männern zwischen 18 und 23 Jahren, die an einem Tag in der Woche ihre Kenntnisse der deutschen Sprache und Kultur verbessern. „Manche sind bereits mit der westlichen Schrift vertraut, andere müssen darin erst alphabetisiert werden“, erklärt Klassenleiter Thomas Schlütsmeier. „Gerne würden sie auch an den anderen Tagen in die Schule kommen, nur erlaubt dies die Personalsituation der Schule momentan nicht.“ 

Der Unterricht ist eine systematische Mischung aus allgemeinen Inhalten, Deutschkurs und fachpraktischen Inhalten, die während des Schuljahres wechseln. In einem mehrwöchigen Projekt haben die jungen Asylbewerber in den Schreinerwerkstätten nun ein Tablett fertig gestellt. Dabei waren Handarbeit und Arbeit an Maschinen gefragt. Die praktische Beschäftigung ermöglicht den jungen Männern eine sinnvolle Abwechslung vom Alltag und gibt ihnen die Chance, ihre Fertigkeiten über Sprachgrenzen hinaus unter Beweis zu stellen. 

Neben den Lehrkräften Hubert Maier und Dirk Meurer, beide Schreinermeister, ist mit einem Flip-Chart auch in der Werkstatt immer dabei: Monika Semin, Lehrerin für Deutsch als Fremdsprache, die bei Gelegenheit eingreift, die Lehrkräfte bei sprachlichen Schwierigkeiten unterstützt und gleichzeitig Ideen für die anschließenden zwei Stunden Deutschunterricht sammelt. 

Zurzeit betätigen sich die Schüler in der Schulküche und lernen unter Aufsicht von Hauswirtschaftsmeisterin Inge Rapp deutsche Küche, zusammen mit dem entsprechenden Vokabular. Auch wenn die praktische Tätigkeit Den Hauptteil des Schultags ausmacht: „Im Vordergrund steht die Vermittlung von deutscher Sprache und Kultur, die Praxis soll dies nur befördern, nicht umgekehrt“, sagt der Klassenleiter. „Dies ständig im Blick zu haben, stellt wohl die größte Herausforderung für die engagierten Lehrkräfte im Unterricht dar.“ 

Dass die jungen Männer mit dem deutschen Schulsystem sowie der Art zu unterrichten nicht vertraut sind und teilweise seit Langem keine Schule besuchen konnten, zeigt sich laut Thomas Schlütsmeier auch daran, dass es einiges an Überzeugungsarbeit kostete, den Unterricht regelmäßig zu besuchen und sich formal zu entschuldigen, wenn dies einmal nicht möglich ist. „Auch dauerte es einige Zeit, alle Schüler für den Sportunterricht, der am Ende des Tages eigens für sie eingerichtet wurde, zu begeistern“, berichtet Schlütsmeier. Einige Schüler seien mittags nach Hause gegangen, „wohl weil sie Sport nicht als Schule ansehen“, meint der Lehrer. 

Die Berufsschule Landsberg wird dieses Angebot auch im kommenden Schuljahr fortsetzen. „In welchem Ausmaß dies geschehen kann, hängt auch davon ab, ob der Schule zusätzliche finanzielle Mittel und Lehrkräfte zur Verfügung stehen“, betont Schlütsmeier.

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