Liebes- und andere Träume

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Mezzosopranistin Rita Kapfhammer (mit Jano Lisboa, Viola und Franz Lichtenstern, Cello) sang Richard Wagners „Wesendonck-Lieder“.

Landsberg – 2013 ist Wagner-Jahr. Keine Frage, dass die Wesendonck-Lieder dabei sein sollten. Doch der zweite Teil der „Kammermusik im Bibliothekssaal“ war den Tücken der Programmgestal­tung geschuldet, wie Organisator und Mitwirkender Franz Lichtenstern erklärte: ein Glücksfall für die Besucher.

Eigentlich sollte das Streichquintett in C-Dur von Franz Schubert erst zum Abschluss der Schubert-Reihe gespielt werden, doch funkte die Programmgestaltung des Theaters am Gärtnerplatz, dem die meisten Musiker, die im Rahmen der Kammermusikreihe in Landsberg gastieren, angehören, den Organisatoren kräftig dazwischen. Es musste umdisponiert werden, sodass am Sonntagabend „sieben Musiker aus fünf verschiedenen Beschäftigungsverhältnissen, nämlich drei unterschiedlichen Münchner Orchestern, eine aus Salzburg und eine Sängerin aus Dessau“, so Lichtenstern, die Bühne der Alten Bibliothek betraten. „Das ist wie ein Sechser im Lotto, dass das Streichquintett heute hier in dieser Besetzung gespielt werden kann.“

Zuviel versprochen? Keineswegs. Nicht nur die Entstehung des Quintetts liegt im Dunklen (es wird Herbst 1828 vermutet), über dem gesamten Werk liegt eine Aura des Geheimnisvollen, Mystischen. Unheimlich-dunkle Klänge kontrastieren mit lebhaft-schwungvollen, Heiteres verwandelt sich in Düsteres. Die Musik scheint die Grenzen des Raums zu sprengen, selbst der wunderbare Rahmen der Alten Bibliothek mutet zu eng an. Diese Musik müsste unter freiem nächtlichen Himmel gespielt werden, ungehindert zu den Sternen emporsteigen können. Spontane Bravo-Rufe, nicht enden wollender Beifall.

Im ersten Teil hatten die Musiker (Katja Lämmermann und Celine Bäumer, Violine; Dorothea Galler und Jano Lisboa, Viola; Uli Witteler, Franz Lichtenstern, Violoncello) die Mezzosopranistin Rita Kapfhammer begleitet. Richard Wagners „Wesendonck-Lieder“ erzählen die Geschichte einer unerfüllten Liebe, handeln von Träumen, Verzicht und Sehnsucht. Wagner selbst hielt diese Lieder, bei denen er die Gedichte seiner Geliebten Mathilde Wesendonck vertonte, für das Beste, das er je „gemacht habe“. Musikalische Motive der Lieder finden sich auch in „Tristan und Isolde“, an der Wagner zeitgleich arbeitete. Die warme Stimme Kapfhammers erweckt diese Gefühle zum Leben, verleiht ihnen Authentizität, mal zart-lyrisch wie in „Der Engel“, mal dramatisch wie in den Liedern des Mittelteils. „Träume, die wie hehre Strahlen in die Seele sich versenken“ – diese Aussage trifft auch für die musikalischen Träume dieses Abends zu.

Das nächste Konzert der Reihe „Kammermusik im Bibliothekssaal“ findet am 24. März um 18 Uhr statt.

Patricia Eckstein

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