Windpark im Fuchstal

Die notwendigen Verfahren laufen

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Ist der Windpark Fuchstal/Denklingen erst mal fertig, präsentiert sich diese Bild über dem Ortsteil Asch.

Denklingen – Wenn alles optimal läuft, könnte mit dem Bau der ersten Anlage im geplanten Windpark Fuchstal/ Denklingen Ende des nächsten Jahres begonnen werden. Diese Einschätzungen gaben die beiden Initiatoren und Gemeindeoberhäupter Erwin Karg und Viktoria Horber bei einem Pressegespräch bekannt.

Mit dabei Anton Paulus, Geschäftsführer der Firma P + M Windspirit GmbH, die als Berater für die Projektentwicklung engagiert wurde. Wann das letzte der bis zu 50 möglichen Windräder gebaut wird, konnten Karg und Horber selbst nicht einschätzen.

Für die Öffentlichkeit ist derzeit wenig Bewegung bei dem Projekt zu erkennen. Doch das täuscht. Im Hintergrund laufen fast geräuschlos die notwendigen Verfahren ab. Bis zum Windpark ist es allerdings noch ein langer Weg mit vielen Hürden. Bevor überhaupt an eine Bestellung der ersten Anlage zu denken ist, müssen das Raumordnungsverfahren abgeschlossen und der „Teil-Flächen­nutzungsplan Windpark“ auf gestellte werden.

Weiter sind die Genehmigungen nach dem Bundesimmisionsgesetz vorzulegen. Dazu sind jede Menge Gutachten nötig. Die Umweltverträglichkeitsprüfung muss durch­geführt und ökologische Gutachten vorgelegt werden, Tierarten gilt es zu erfassten und sogar ein landschaftsethisches Gutachten zu erstellen. „Die Hindernisse sind hoch“, sagt Erwin Karg. Würde etwa der Blick auf das UNESCO Weltkulturerbe „Wieskirche“ beeinträchtigt, stünde der Windpark vor dem „Aus“. Auch das musste gutachterlich nachgewiesen werden.

Die Änderungen des „Teil-Flächennutzungsplanes zur Steuerung der Windkraft“ liegen bis zum 16. August öffentlich aus und können von jedem Bürger eingesehen werden. Eine ausführliche Information der Bürger hatte es am 12. Dezember vergangenen Jahres für das gesamte Fuchstal gegeben.

Im Ergebnis bedeutet dieses Verfah­ren, dass im Fuchstal eine Konzentrationsfläche für Windräder ausgewiesen und die Errichtung von Windkraftanlagen an anderer Stelle ausgeschlossen wird. Die Gemeinden Apfel­dorf, Kinsau, Reichling, Rott, Vilgertshofen und der Markt Dießen haben ihre Planungshoheit auf die Gemeinden Denklingen und Fuchstal übertra­- gen. 114 Träger öffentlicher Belange geben derzeit ihre Stellungnahmen ab. Dazu zählen andere Gemeinden, Betreiber von Kommunikationseinrichtungen, Naturschutzbehörden, oder diverse Verbände. Eine wichtige Rolle spielt die Luftwaffe. Hier soll es Signale für ein „Go“ geben, sagte Viktoria Horber.

200000 Euro Vorleistung

Der nächste Schritt sind dann die Wirtschaftlichkeitsberechnungen. Man muss wissen, ob das Gelände sich für die Nutzung von Windkraft eignet. Dazu werden verschiedene Messungen durchgeführt, unter anderem testet man mit einem Windmessmast und einem Verfahren (LIDAR-Messung), das den Wind über die Frequenzverschiebung von Licht misst. Der Bauantrag für den Windmessmast ist gestellt, die Genehmigung wird in Kürze erwartet. Mit rund 200000 Euro gehen die Gemeinden in Vorleistung. Ein halbes Jahr lang soll gemessen werden.

Natürlich sind auch noch viele Fragen offen, sagt Viktoria Horber. „Wir tasten uns zum Beispiel bei der Frage der Einspeisevergütungen im Nebel voran“, sagt die Rathauschefin. Von der Politik wünschen sich Karg und Horber endlich klare Entscheidungen.

Ärger über Horst

Fuchstals Bürgermeister Erwin Karg macht in diesem Zusammenhang aus dem Ärger über Ministerpräsidenten Horst Seehofer keinen Hehl, weil dieser den Bayern 1500 Windräder versprochen hat. „Jetzt ruft der Horst, dass Wohnbebauung mindestens zwei Kilometer Abstand zu den Windrädern haben muss. So bleiben nur noch 115 Windräder übrig“. Er ärgert sich aber auch über seine Nachbargemeinde Unterdießen, wo, wie im KREISBOTEN berichtet, wegen der „Verspargelung der Landschaft“ Stimmung gegen den Windpark gemacht werde. „Wir nehmen die Energiewende ernst“, sagt Karg, „ich will meinen Kindern lieber sagen, warum ich Windkraftanlagen unterstützt habe als ihnen erklären, warum ich nichts gegen Atomanlagen getan habe.“

Ähnlich, wenn auch nicht mit so drastischen Worten, denkt und handelt Viktoria Horber. Die Denklinger Bürgermeisterin sieht ebenfalls den Mehrwert für ihre Gemeinde. „Wir haben persönlich nichts davon“, pflichtet sie ihrem Kollegen bei, „aber unsere Gemeinden profitieren, wenn wir den Windpark selbst betreiben“. Denklingen und Fuchstal wollen den Windpark auf eigene Rechnung in Form einer GmbH betreiben und ihre Bürger an der Wertschöpfungskette teilhaben lassen. Karg warnt eindringlich: „Wenn wir den Windpark nicht bauen, machen es andere Investoren“. 

Hintergrund sei, dass es im Süden Bayerns nur das Fuchstal gebe, das sich für einen großen Windpark eigne, und Windanlagen als privilegierte Vorhaben grundsätzlich zulässig seien, wenn keine öffentlichen Belange entgegenstünden.

Schnell abgebaut

Kritikern der Windenergie hält Karg entgegen, dass die technische Entwicklung längst nicht abgeschlossen sei. Er habe im Hinterkopf, dass es in wenigen Jahren Speichermöglichkeiten gebe, um den Strom dann abzurufen, wenn er gebraucht werde. „Sollte es in 30 Jahren andere saubere Energieformen geben – eine Windkraftan­lage ist im Gegensatz zum Atommeiler schnell abgebaut und zu 100 Prozent recycelbar.“

Der Waldverbrauch werde gering sein, meint Karg. Von der Gesamtfläche von 25 Quadratkilometer werden im Endausbau rund 60000 Quadratmeter benötigt. Natürlich wird während der Bauphase mehr Wald gerodet werden, doch diese Flächen könne man danach wieder aufforsten. Darüber hinaus sind Ausgleichsflächen vorgesehen. Beide Bürgermeister hoffen, dass sich weitere Gemeinden und auch Bürger oder Firmen am Projekt beteiligen werden.

Siegfried Spörer

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